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Den Menschen verstehen

Leseprobe: Biochemie der Lebensfreude

Manche Menschen scheinen das Glück geradezu magisch anzuziehen, andere bemerken es nicht einmal, wenn es vor ihnen liegt.

Lesen Sie einen Auszug aus der neuen Ausgabe von GEO WISSEN zum Thema "Glück, Zufriedenheit, Souveränität":

Es sind höchst umstrittene Versuche, die der US-Neurologe Robert Heath ab 1950 unternimmt: Er öffnet seinen Patienten die Schädeldecke und pflanzt ihnen Metalldrähte ins Gehirn, um das Organ mit Stromstößen zu traktieren. Die Menschen, die er operiert, sind zutiefst unglücklich: Sie werden von Ängsten und Aggressionen geplagt, sind oft schwer depressiv. Medikamente und andere Therapien sind bei ihnen wirkungslos, ändern nichts an ihrem Martyrium. Und so haben sie dem Eingriff schließlich zugestimmt.

Mehr als zwei Jahrzehnte lang experimentiert Heath mit diesen Eingriffen – an fast 100 Patienten. Bei den Operationen führt er mehrere, in einem Fall sogar 125 feine Drähte in ihr Gehirn ein, platziert sie in verschiedenen Regionen, die seiner Ansicht nach für Glücksgefühle zuständig sind. Die aus dem Kopf herausragenden Kabel versteckt er anfangs unter einem Verband, später verbirgt er sie unter der Haut.

Stromstöße gegen Ängste und Aggressionen

Heath entwickelt sogar eine Fernbedienung, die seine Patienten am Gürtel tragen. So können sie selber Strom durch die Elektroden schicken – um Ängste und Aggressionen zu unterdrücken, sobald sie die in sich aufsteigen fühlen. Mit dem batteriebetriebenen Impulsgeber ausgestattet, dürfen sie zurück in die Heilanstalt oder gar nach Hause. Einige der Patienten können jedoch gar nicht mehr aufhören mit der Eigenstimulation und versetzen ihrem Gehirn mehr als 1000 Stromstöße hintereinander.

Leseprobe: Biochemie der Lebensfreude

Wissenschaflter haben fünf grundlegende Persönlichkeitsmerkmale des Menschen bestimmt: Neurotizismus, Verträglichkeit, Offenheit, Extraversion und Gewissenhaftigkeit. In unterschiedlicherweise beeinflussen diese "Big Five" das Glücksempfinden und auch die Berufswahl. So gelten neurotizistische Personen als sensibel, aber auch besonders anfällig für Sorgen und Ängste, sie fühlen sich oft unsicher und nervös. Bei geringer Ausprägung des Merkmals Neurotizismus ist ein Mensch dagegen emotional stabil und kaum aus der Ruhe zu bringen; beste Voraussetzungen für das Berufsbild Pilot

Leseprobe: Biochemie der Lebensfreude

Altruistisch, umgänglich, freundlich: All das sind Merkmale verträglicher Menschen, die daher besonders empfänglich für Glücksmomente sind. Unverträgliche Personen sind rivalisierend, aggressiv, misstrauisch - was ihre Anfälligkeit für Krankheiten erhöht

Jeder Knopfdruck, so scheint es, bringt ihnen so für einen kurzen Moment ihr verlorenes Glück zurück: Sie fühlten sich „gut“, erzählen sie dem Doktor. Einige sind sogar sexuell erregt, verspüren ein zwanghaftes Bedürfnis, sich selbst zu befriedigen.

Schließlich muss Heath seine Experimente einstellen. Zum einen regt sich in den 1970er Jahren zunehmend Protest gegen die ethisch fragwürdigen Operationen – so versucht der Arzt, mit seinem Verfahren auch Homosexualität zu „heilen“. Zudem ist nicht klar, wie erfolgreich die Versuche sind: Die Stromstöße scheinen oft nur einen Drang nach Befriedigung auszulösen, der die Patienten ein ums andere Mal den Knopf drücken lässt. Von wahrer Freude berichten sie dagegen nicht. Als schließlich starke Psychopharmaka auf den Markt kommen, erscheint diese Art der Hirnoperation endgültig überholt.

Warum suchen Menschen so verzweifelt nach dem Glück?

Robert Heath ist nicht der Erste, der das Glück künstlich zu kontrollieren versucht. Seit jeher streben Menschen nach diesem Gefühl, gehen dabei zum Teil große Risiken ein. Schon in der Steinzeit entdecken sie Rauschmittel, mit denen sie sich in Ekstase versetzen. Sie entwickeln sogar Operationsverfahren, um die vermeintlich von bösen Geistern hervorgerufene Schwermut und andere Krankheiten zu heilen: Dazu bohren sie ein Loch in die Schädel, öffnen die schützende Knochenwand, sodass das Gehirn teilweise frei liegt.

Solche Eingriffe bleiben über Jahrtausende populär. So schreibt der Arzt Roger von Parma um 1170: „Um Manie und Melancholie zu behandeln, wird auf der Oberseite des Kopfes ein kreuzweiser Einschnitt gemacht und der Schädel durchstoßen, damit die giftige Materie nach außen entweichen kann.“

Doch weshalb suchen Menschen überhaupt so verzweifelt nach dem Glück?

Den vollständigen Text können Sie in der neuen Ausgabe von GEO WISSEN zum Thema "Glück, Zufriedenheit, Souveränität" nachlesen.

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