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Erste Hilfe Wie rette ich ein Leben?

Wenn das Herz eines Menschen plötzlich nicht mehr schlägt, müssen auch Laien zu Notfallmaßnahmen greifen. Doch was genau sollte dann ablaufen? Und was geschieht, wenn der Helfer einen Fehler macht?

Der Moment, in dem das Herz-Kreislauf- System eines Menschen versagt und sein Leben in Gefahr ist, kommt meist völlig unerwartet. Und nicht immer sind die Umstände so offensichtlich wie bei einer Person, die regungslos am Boden liegt. Erste Hilfe ist oft auch dann nötig, wenn sich eine alte Frau stöhnend an die Brust greift, wenn ein Mann mit glasigem Blick an einer Hauswand lehnt oder wenn ein Kind, das zuvor ruhig da saß, plötzlich heftig nach Luft schnappt.

Entscheidend ist in solchen Notlagen, aktiv zu werden, um zu helfen. Das Ziel muss sein, die Atemwege des Betroffenen frei sowie Kreislauf und Atmung in Gang zu halten.

Ganz wichtig: Keine Angst vor Fehlern - kein Helfer kann für seinen Einsatz belangt werden. Das Schlimmste, was ein Ersthelfer tun könnte, ist: gar nichts zu tun.

Im Jahr 2010 wurden die medizinischen Leitlinien zur Reanimation (die die meisten Erwachsenen von dem Erste-Hilfe-Kurs für den Führerscheinerwerb kennen) zuletzt überarbeitet und etwas vereinfacht.

Wie rette ich ein Leben?

Profi-Defibrillator für Ärzte und Notfallsanitäter

Diese Sofortmaßnahmen sollten nach folgender "Überlebenskette" erfolgen:

1. Sicherheit

Eigenschutz geht vor. Daher muss bei einem Verkehrsunfall erst die Unfallstelle gesichert, bei einer möglichen Vergiftung durch Rauchentwicklung müssen Räume zunächst gelüftet werden. Erst wenn sich die Helfer selbst abgesichert haben, sollten sie sich um andere kümmern.

2. Ansprechen

Mit einer deutlichen Frage ("Wie geht es Ihnen?") und einem leichten Schütteln an der Schulter lässt sich klären, ob der Betroffene Hilfe braucht.

3a. Die Person reagiert

Reagiert der Betroffene auf die Ansprache, sollte er in der Position belassen werden, in der er gefunden wurde. Der Helfer versucht herauszufinden, worin die Probleme bestehen; gibt es keinen eindeutigen Grund zur Entwarnung, wählt er (oder ein Umstehender) den Notruf.

Der Helfer bleibt bei dem Betroffenen, beruhigt ihn und kontrolliert regelmäßig, ob sich sein Zustand verschlechtert.

3b. Person reagiert nicht

Bleibt eine Reaktion aus, sollten Umstehende zu Hilfe gerufen werden. Anschließend den Betroffenen auf den Rücken drehen, eine Hand an seine Stirn und eine an sein Kinn legen. Durch leichten Druck auf die Stirn und Zug am Kinn den Hals etwas überstrecken, um die Atemwege frei zu machen.

Ob der Betroffene atmet, kann man sehen (Heben des Brustkorbs), hören (Atemgeräusche) und fühlen (mit der eigenen Wange am Mund des Betroffenen). Die Atemkontrolle sollte nicht länger als zehn Sekunden dauern.

4a. Normale Atmung

Atmet der Betroffene stark und gleichmäßig, sollte er zu seiner Sicherheit in die stabile Seitenlage gebracht werden. Dafür den Betroffenen auf die Seite rollen, den unten liegenden Arm im rechten Winkel vor den Oberkörper platzieren (der Unterarm liegt parallel zum Gesicht).

Die Hand des oben liegenden Arms unter die unten liegende Wange schieben. Das unten liegende Bein bleibt gestreckt, das oben liegende Bein wird angewinkelt. Entscheidend ist, dass der Betroffene nicht wieder auf den Rücken rollt, dass der Hals überstreckt bleibt und Blut oder Erbrochenes aus dem Mund ablaufen können. Sobald der Betroffene stabil liegt, wird der Notruf gewählt. Bis der Rettungsdienst eintrifft, muss regelmäßig kontrolliert werden, ob er noch gleichmäßig atmet.

4b. Unnormale Atmung

Atmet der Betroffene nicht mehr oder nur sehr angestrengt und unregelmäßig (Schnappatmung), muss sofort der Notruf gewählt werden. Im besten Fall übernimmt dies ein weiterer Helfer (und besorgt dann - wenn möglich - einen Defibrillator), während der erste Helfer unverzüglich mit der Wiederbelebung beginnt.

Ist er jedoch allein und keine weitere Person in Rufweite, sollte er dennoch zuerst den Rettungsdienst rufen.

5. Notruf

Unter der europaweiten Notrufnummer 112 wird der Rettungsdienst alarmiert. Der Mitarbeiter der Leitstelle führt mit gezielten Fragen durch das Gespräch und kann den Helfer gleichzeitig durch die Erste-Hilfe-Maßnahmen leiten.

Ersthelfer sollten den Notruf niemals von sich aus beenden, sondern immer auf Rückfragen der Leitstelle warten. In Deutschland dauert es nach dem Notruf durchschnittlich fünf bis acht Minuten, bis der Rettungsdienst eintrifft. In dieser Zeit hängt das Leben des Betroffenen von den Ersthelfern ab.

6. Reanimation

Bei fehlender oder sehr unregelmäßiger Atmung wird sofort - oder spätestens nach dem Notruf - mit der Wiederbelebung begonnen. Dafür seitlich neben dem Betroffenen knien und seinen Brustkorb frei machen. Den Ballen einer Hand möglichst genau auf die Mitte der Brust platzieren, den Ballen der anderen Hand auf die erste legen und die Finger miteinander verschränken.

Die Arme durchstrecken und senkrecht von oben tief und fest auf das Brustbein drücken. Nach jeder solchen Kompression den Brustkorb völlig entlasten, der Handballen bleibt dabei weiter in Kontakt mit der Brust des Betroffenen. Die Herzdruckmassage mit einer Frequenz von zwei Kompressionen pro Sekunde oder etwa 100 pro Minute durchführen.

Als idealen Rhythmusgeber empfehlen Rettungsmediziner, sich den Song "Stayin’ alive" der Bee Gees zu vergegenwärtigen.

7. Beatmung

Wer es sich zutraut, sollte die Herzdruckmassage mit einer regelmäßigen Beatmung kombinieren. Dabei wird nach 30 Kompressionen auf den Brustkorb der Hals des Betroffenen erneut überstreckt. Dann mit Daumen und Zeigefinger dessen Nasenflügel zusammendrücken, normal einatmen, den eigenen Mund auf den geöffneten Mund des Betroffenen legen und gleichmäßig in seinen Mund pusten, wobei die eigene Atemluft an den Lippen nicht wieder entweichen darf.

Es kann auch ein Stofftaschentuch auf den Mund des Betroffenen gelegt werden. Bei einer effektiven Beatmung hebt sich der Brustkorb nach etwa einer Sekunde. Geschieht dies nicht, sollte der Hals noch einmal überstreckt und geprüft werden, ob die Atemwege nicht durch einen Gegenstand (Spielzeug oder Essensreste) blockiert sind. Dieser muss - wenn möglich - mit den Fingern entfernt werden.

Sind die Atemwege frei, wird noch einmal beatmet. Beide Beatmungen sollten nicht länger als fünf Sekunden dauern. Die Reanimation mit 30 Kompressionen und zwei Beatmungen im Wechsel fortsetzen. War die Beatmung nicht effektiv oder traut sich der Ersthelfer keine Beatmung zu, sollte er die Herzdruckmassage ohne Unterbrechung durchführen. Die Wiederbelebung nur unterbrechen, wenn professionelle Helfer übernehmen, der Betroffene zu Bewusstsein kommt oder der Ersthelfer zu erschöpft ist.

Das Defibrillator-ABC

Wie rette ich ein Leben?

Dieses Bild zeigt einen automatisierten externen Defibrillator (AED) für Laien

1. Einschalttaste

Nach dem Einschalten ist der Defibrillator innerhalb kurzer Zeit automatisch betriebsbereit. Währenddessen sollten die normalen Wiederbelebungsmaßnahmen nicht unterbrochen werden. Sobald das Gerät startklar ist, gibt es gesprochene oder visuelle Anweisungen, die umgehend zu befolgen sind.

2. Pads

Die selbstklebenden Pads werden auf der entblößten Brust des Betroffenen aufgebracht. Ein anderer Helfer fährt währenddessen mit Herzdruckmassage und Beatmung fort. Wo die Pads angebracht werden müssen, erklärt eine Zeichnung auf den Pads und manchmal zusätzlich ein Bild auf dem AED.

Sind die Pads richtig fixiert, analysiert der Defibrillator den Herzrhythmus des Betroffenen. Dabei darf dieser nicht mehr angefasst werden.

3. Auslöseknopf

enn das Gerät aufgrund der Herzrhythmusanalyse zu dem Ergebnis kommt, dass der Betroffene einen elektrischen Schock bekommen muss, fordert es die Helfer auf, ihn nicht mehr zu berühren. Auf die Anweisung des Geräts hin wird der Auslöseknopf gedrückt, um den elektrischen Schock abzugeben.

Vollautomatische Defibrillatoren lösen nach einer Warnung auch selbst aus. Nach dem Schock und ebenso, wenn das Gerät keinen Schock empfiehlt, müssen die Wiederbelebungsmaßnahmen fortgeführt werden. Auf zwei Minuten Herzdruckmassage und Beatmung folgt eine erneute Herzrhythmusanalyse und eventuell ein weiterer Schock. Diese Abfolge sollte so lange beibehalten werden, bis professionelle Hilfe eintrifft.

Wo finde ich ein Gerät?

Am häufigsten an Bahnhöfen und Flughäfen, in Banken, Hotels, Arztpraxen oder Sportstätten. Wo das nächste öffentlich zugängliche Gerät zu finden ist, zeigt die Website www.defikataster.de.

Für unterwegs eignen sich die Apps Defi Now! für ganz Deutschland (mehr als 4400 Geräte), Hamburg schockt für Hamburg und entsprechend Frankfurt schockt sowie defiköln für Köln; die Apps liefern auch Anleitungen für Erste-Hilfe-Maßnahmen.

Wer ganz sichergehen will, informiert sich in seiner privaten Umgebung, am Arbeitsplatz oder im Fitnesscenter über den nächstgelegenen Defibrillator.