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Rückenschmerzen Wie sinnvoll ist eine Behandlung mit Medikamenten?

So viel wie nötig und so wenig wie möglich: Medikamente, verabreicht als Tabletten, Saft oder Pflaster, sind in vielen Fällen unverzichtbar
Rückenschmerzen

Da es bei der Behandlung fast aller Arten von Rückenschmerzen wichtig ist, in Bewegung zu bleiben, müssen Betroffene in der Akutphase häufig Medikamente nehmen. Zudem können die Mittel verhindern, dass man ein Schmerzgedächtnis ausbildet und die Beschwerden chronisch werden. Wer Medikamente, auch wenn sie rezeptfrei erhältlich sind, über Tage oder Wochen benötigt, sollte dies unbedingt mit dem Hausarzt klären.

Der legt die richtige Dosis fest, klärt über Nebenwirkungen auf und prüft, ob es Gründe gibt, weshalb das Präparat nicht eingenommen werden sollte. Arzt und Patient sollten außerdem eine Liste aller Medikamente führen, um zu beurteilen, ob es zwischen einem neuen Mittel und bereits verordneten Präparaten Wechselwirkungen gibt. Auch wer naturheilkundliche Arzneimittel nimmt, sollte das seinem Arzt mitteilen: Pflanzliche Stoffe haben oft ähnlich starke Nebenwirkungen wie schulmedizinische Präparate.

Geeignete Wirkstoffe gegen Rückenschmerzen sind zum Beispiel Ibuprofen und Diclofenac. Sie sind in Tablettenform rezeptfrei erhältlich, in höherer Dosis müssen sie jedoch von einem Arzt verschrieben werden. Allerdings erhöhen sie auch das Risiko für Nierenschäden und Magenblutungen und beeinflussen viele andere Wirkstoffe. Daher ist es wichtig, den Hausarzt zu informieren, wenn solche Schmerzmittel länger als ein paar Tage eingenommen werden. Gegen eine Schädigung der Magenschleimhaut kann er magenschützende Medikamente verschreiben, zudem sollte er die Gesamtdosis aller potenziell nierenschädigenden Wirkstoffe im Blick behalten.

Für den Wirkstoff Metamizol gibt es bislang keine Wirksamkeitsstudien bei Rückenschmerz, gleichwohl wird er von Orthopäden gelegentlich verschrieben. Acetylsalicylsäure (der Wirkstoff in Aspirin) ist hingegen wenig geeignet, denn sie erhöht selbst in geringer Dosierung das Risiko für Magen-Darm-Blutungen.

Paracetamol wiederum wirkt allenfalls bei leichteren Schmerzen, und bei Überschreiten der Maximaldosis drohen schwere Leberschäden. Medikamente nimmt man am besten nach einem festen Zeitplan ein, also beispielsweise morgens und abends, und nicht erst dann, wenn die Beschwerden sehr ausgeprägt sind. Gemeinsam mit seinem Arzt sollte der Patient die niedrigste notwendige Dosis finden, die den Schmerz vertreibt oder zumindest auf ein erträgliches Maß reduziert. Und nach einigen Tagen sollte er das Präparat versuchsweise und in Absprache mit dem Mediziner absetzen, um herauszufinden, ob es wirklich noch nötig ist.

Manche Ärzte verschreiben, meist kombiniert mit Schmerzmitteln, sogenannte Muskelrelaxanzien, die verhärtete Muskeln im Rücken entspannen sollen. Die möglichen Nebenwirkungen solcher Präparate sind vielfältig, unter anderem machen sie müde und können die Fahrtauglichkeit herabsetzen. Daher raten Experten, Muskelrelaxanzien erst einzusetzen, wenn schmerzlindernde Medikamente allein nicht geholfen haben – und auch dann nicht länger als zwei Wochen, weil sie rasch abhängig machen können.

Opiate erst nach sorgfältiger Abwägung

Wenn Rückenschmerzen sehr stark sind oder chronisch zu werden drohen, kommen auch Opiate infrage. Solche Präparate verschreibt der Arzt jedoch erst nach sorgfältiger Abwägung und nur als Ergänzung zu schwächeren Schmerzmitteln. In einigen Fällen können auch niedrig dosierte Antidepressiva (für eine bessere individuelle Schmerzverarbeitung) sinnvoll sein. Medikamente sollte der Patient grundsätzlich als Tablette, Kapsel, Tropfen, Saft oder – bei chronischen Rückenschmerzen – als Pflaster (Opiate) verabreicht bekommen.

Auch wenn einige Ärzte das anbieten und Patienten es mitunter einfordern: Von schmerzstillenden Spritzen in die Muskulatur raten Experten bei unspezifischen Rückenschmerzen ausdrücklich ab; dies hat keinen Vorteil, kann aber Entzündungen verursachen. Für manche spezifischen Krankheitsbilder hingegen sind Injektionen geeignet. Wenn zum Beispiel Nervenwurzeln infolge einer Spinalkanalstenose oder nach einem massiven Bandscheibenvorfall stark gereizt sind, kann sie der Orthopäde direkt neben den betroffenen Nerv setzen.

Verabreicht wird dabei eine Mischung aus Kortison und einem örtlich wirkenden Betäubungsmittel. Mitunter spritzen Mediziner auch Substanzen in Gelenke, die entzündungshemmend oder betäubend wirken. Dies kann bei fortgeschrittener Arthrose der Zwischenwirbelgelenke und einigen anderen klar definierten Krankheitsbildern sinnvoll sein – nicht jedoch bei unspezifischen Rückenbeschwerden.

In Extremfällen, beispielsweise wenn ein Patient nach einer Rückenoperation unter anhaltenden Schmerzen leidet, können Ärzte auch einen dauerhaften Katheter in die Umgebung des Rückenmarks legen. Dieser dünne Schlauch setzt, gesteuert durch eine unter die Haut implantierte Pumpe, kontinuierlich schmerzlindernde Medikamente (Opiate) frei.

Bei einem ähnlichen, aber nicht medikamentösen Verfahren platzieren Ärzte eine kleine Elektrode im Spinalkanal des Patienten, die das Rückenmark über einen schwachen elektrischen Strom stimuliert, was den Schmerz ebenfalls dämpfen kann.

 

Weitere Therapieformen und Krankheitsbilder zum Thama, Rücken, Knie, Hüfte, Schulter sowie Hand und Fuß finden Sie in GEO Wissen Gesundheit "Muskeln, Knochen, Gelenke".

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