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Schmerz Meine Last mit dem Kreuz

Fast jeden kann die Volkskrankheit Rückenschmerz treffen. Dann kommt es auf individuelle Therapien an, damit das Leben nicht vom Leid bestimmt wird. Betroffene berichten von ihren Erfahrungen
Meine Last mit dem Kreuz

Als Philipp Stamm nach dem Sprung vom Zehnmeterturm wieder auftauchte, konnte er vor Schmerz kaum aus dem Becken klettern

Der Sprung aus zehn Metern endete mit einem angebrochenen Wirbel: Erst nach vielen Monaten konnte der Wirtschaftsprüfer Philipp Stamm, 27, sein normales Leben fortführen.

Im Juli 2008 nahm ich mir etwas vor, was ich nie zuvor gewagt hatte: einen Sprung vom Zehnmeterturm. Schnurgerade kam ich mit den Füßen zuerst auf. Im Wasser spürte ich sofort, dass mit meinem Rücken etwas nicht stimmte. Ich schwamm zum Beckenrand, und als ich mich hochziehen wollte, ließ ich mich vor Schmerz gleich wieder ins Wasser zurückfallen. Dann kletterte ich vorsichtig die Leiter hinauf - aber sobald ich aus dem Wasser kam, fuhr ein heftiger Schmerz durch meinen gesamten Rücken.

Als es nach Tagen nicht besser wurde, ließ ich mich im Krankenhaus untersuchen. Dort behielten sie mich gleich da: angebrochener, gestauchter Lendenwirbel. Der Arzt erklärte, dass meine Wirbelsäule dort eine Fraktur erlitten hatte, wo sie der höchsten Belastung ausgesetzt war; wie beim Spannen eines Bogens bis zum äußersten Punkt. Ich musste sofort in die Waagerechte und durfte fortan noch nicht einmal für Toilettengänge aufstehen, neun Tage lang.

Danach folgten anderthalb Monate strenge Bettruhe daheim, mit einem Korsett für die kurzen Zeiten, in denen ich mich in der Wohnung bewegte. Die Wirbelsäule musste absolut geschont werden und wurde nach und nach mit Rückengymnastik wieder gestärkt. Erst zwei Monate später durfte ich wieder für vier Stunden am Tag arbeiten - im Stehen, an einem speziellen, hochfahrbaren Schreibtisch. Die Verletzung war ein Weckruf: Ich habe seither in Kursen gelernt, wie ich mich rückenschonend bewege. Vor allem, wie ich richtig am Schreibtisch sitze: möglichst aufrecht, Becken stabil, Schultern zurück und tief. Und ganz wichtig: häufig die Sitzhaltung wechseln und zwischendurch aufstehen, etwa bei Telefonaten. Das habe ich so verinnerlicht, dass ich hoffentlich noch davon profitiere, wenn sich im Alter die Rückenprobleme mehren. Heute bin ich völlig beschwerdefrei, habe einen Halbmarathon absolviert, kann schwimmen und snowboarden. Und zweimal pro Woche gehe ich zum Rückentraining in einen Fitness-Club.

Im Heft berichten weitere sieben Männer und Frauen von ihren Erfahrungen mit dem Volksleiden Rückenschmerz.