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Wie lebt es sich als Astro-Kartographin?

Kristine Biehl, Sternzeichen Stier, Aszendent Steinbock, errechnet Reisenden persönliche magische Orte. Sie weiß, wo Venus aus Flitterwochen ein himmlisches Vergnügen macht

Frau Biehl, befinden wir uns für das Interview in Ihrer Wohnung zur richtigen Zeit am richtigen Ort?

Ach, da habe ich gar nicht nachgeschaut. Ich blicke für mich nicht jeden Tag in die Sterne.

Und wenn Sie einen Urlaub planen?

Dann schon. Man kennt das ja: Wenn wir reisen, fühlen wir uns an manchen Orten spontan wohl, mögen die Menschen, das Klima. An anderen Orten dagegen erholen wir uns nur schwer oder gar nicht. Die Astro-Kartographie gibt Antworten, weshalb das so ist.

...Astro-Kartographie?

Ein uraltes Thema: Hofastrologen zum Beispiel berechneten Herrschern schon vor Jahrtausenden den Lauf der Sterne, warnten vor Naturkatastrophen an bestimmten Orten oder empfahlen günstige Zeiten für Eroberungsfeldzüge. Die Menschen haben eben schon immer in den Himmel geblickt.

Sie dagegen schauen auf Ihren Rechner.

Auch wenn sich nur wenige Astrologen mit dem Spezialgebiet der Astro-Kartographie beschäftigen, gibt es für uns mittlerweile Computerprogramme. Um die persönlichen magischen Orte eines Menschen zu bestimmen, brauche ich nur noch Geburtstag, -ort und die Geburtsminute.

Aus denen dann auf dem Bildschirm etwas entsteht, das wie der Fluglinienplan einer Airline aussieht.

Genau, das ist Ihre Astro-Weltkarte. Die Linien zeigen die Auf- und Untergangspositionen der Planeten zum Zeitpunkt Ihrer Geburt um 10.57 Uhr, außerdem deren Stellung im Zenit. Jeder Planet drückt eine Bedeutung aus, vergleichbar mit dem Götterhimmel der Antike. Die Venus etwa steht für Liebe, der Uranus für Abenteuer, die Sonne für Lebensfreude.

Und welcher Himmelskörper beeinflusst zum beispiel den Erfolg einer Studien- oder Sprachreise?

Merkur, der Kommunikationsplanet. Schauen Sie, Ihre Merkur-Linie verläuft durch Norwegen.

Dort habe ich tatsächlich studiert.

Sehen Sie! Übrigens sollten Sie unbedingt nach Australien reisen: Dort brauchen Sie sich bloß in ein Straßencafé zu setzen und werden wahrscheinlich sofort angeflirtet. Das liegt vor allem an Venus und Jupiter, die für Sie dort in Bezug auf Partnerschaften ganz besonders günstig stehen.

Wer nimmt Ihren Reiseservice eigentlich in Anspruch?

Kürzlich kam ein Mann zu mir, der seiner Frau zur Silberhochzeit eine Reise schenken wollte. Aus den Planetenlinien beider Partner ergab sich Mauritius als perfektes Ziel. Aber es kommen nicht nur Urlauber, sondern auch Menschen, die umziehen oder auswandern wollen, Geschäftsleute auf der Suche nach neuen Vertriebsgebieten im Ausland, Spitzensportler, Schauspieler, Politiker. Mit allen reise ich am Rechner um die Welt.

Ganz irdisch gefragt: Wie viel kostet das?

Je nach Umfang des Services bis zu 200 Euro. Ist ja auch eine Menge Arbeit.

Und an welchen für Sie magischen Orten erholen Sie sich davon?

Auf Hawaii, Kreta, Bali. In Tallinn oder Saigon. Und in Neapel - ich reagiere stark auf die Sonnenlinie.

Interview: Barbara Lich

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