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Die Brücke der Liebe Die Brücke der Liebe

Auf der Ponte Milvio in Rom begann, was sich seither rasant verbreitet: der Brauch der Liebesschlösser

Valentina und Alessandro spazieren Hand in Hand über den Ponte Milvio, eine Tiberbrücke im Norden Roms. „Wir sind zufällig in der Gegend“, sagt Valentina, 30. Da hätten sie spontan ein Vorhängeschloss gekauft.

Nun allerdings stehen sie auf der Brücke und wissen nicht so recht, ob sie sich albern vor­kommen sollen. Einerseits gefällt ihnen der Brauch, das Schloss, mit ihren Namen beschriftet, an der Brücke einschnappen zu lassen und den Schlüssel über das Geländer zu werfen. Als Zei­chen ihrer Unzertrennlichkeit. Aber sie zögern. Denn der Brauch hat so gar nichts Ori­ginelles mehr.

Bekannt wurde er durch den Herz-Schmerz-Teenie­roman „Ich steh auf dich“ von Federico Moccia. Hunderte von Schlössern hängen um die Laternen. „Egal, es zählt, was da­hinter­steckt“, sagt Alessandro, 33, und Valentina wirft den Schlüssel in den Tiber. Dann küssen sie sich. Der Roman erschien 2006. Die Laternen des Ponte Milvio füllten sich mit Schlössern. Das Buch wurde verfilmt. Der erste Lampenmast gab unter der Last der Schlösser nach. Proteste. Dis­kus­sionen. Rufe nach einem Schließ­­ver­bot.

Doch der dama­li­ge Bürgermeister, ein Schriftsteller, sah in der Schlüssel­übergabe an den Tiber einen „poetischen Akt“ – und ließ vor jeder der sechs Laternen der Brücke Pfosten mit Ketten anbringen, an de­nen nun die Schlösser hängen. Schwere, ei­ser­ne Trauben der Liebe.

Die Brücke der Liebe

Ponte Milvio in Rom – die Brücke der Liebe