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Ernährung Sollten wir unsere Kinder selbstbestimmter essen lassen?

Manche Eltern glauben: Babys können allein entscheiden, wann sie genug gegessen haben. Stimmt das?
Baby wird gefüttert

Die "baby-led weaning"-Methode löst unter Eltern hitzige Diskussionen aus

Sollten Babys selbst bestimmten, wann und wie viel sie essen? Wenn meine Tochter entscheiden könnte: auf jeden Fall. Sie ist anderthalb Jahre alt und hat schon immer gern alles in den Mund gesteckt. Steine, Sand, Klobürsten. Babys tun das instinktiv, sie untersuchen ihre Umwelt mit dem Mund.

Irgendwann hatte sie etwas auf der Zunge, das sie lecker fand. Zuerst Brötchen, dann ein Stück Gurke, eine Erdbeere. Sie lernte das Wort Nein, wenn sie genug hatte. Und dann bald „mehr!“, wenn sie noch eine Erdbeere wollte. Für sie ist die große Frage der Ernährung beantwortet: „nein“ oder „mehr“.

Die Erwachsenen tun sich damit sehr viel schwerer. Die Frage, wie ein Säugling von der Milch ent- und an feste Nahrung gewöhnt werden sollte, löst hitzige Diskussionen aus.

Grob teilen sich die Ratgeber in zwei Lager. Die Anhänger des Babybreis auf der einen Seite. Auf der anderen Seite die Befürworter des Ansatzes mit dem englischen Namen baby-led weaning. Dabei geht es darum, Babys freie Hand zu lassen. Sie essen das, was sie selbstständig in den Mund stecken und probieren können.

Die Anhänger des freien Essens argumentieren, dass jene Babys, die ihre Ernährung selbst in die Hand nehmen, seltener zu Übergewicht neigen würden. Die Idee dahinter: Babys, die allein entscheiden, würden nicht mehr essen, als ihnen guttut. Doch eine vor Kurzem vorgestellte Studie neuseeländischer Wissenschaftler widerlegt diesen Glauben. Mehr als 200 Mütter nahmen mit ihren Babys an der Untersuchung teil. Eine Hälfte fütterte ihr Kind mit Brei, die andere Hälfte bevorzugte die Methode baby-led weaning.

Heike Niemeier
Ernährung
Dr. Heike Niemeier klärt gängige Ernährungsfragen
Ist brauner Zucker gesünder als weißer Zucker? Und wie gesund sind Avocados wirklich? Mit Fragen wie diesen haben wir uns für die Reihe "Wir fragen, Experten antworten" an Dr. Heike Niemeier gewandt

Am Ende ließ sich kein wesentlicher Unterschied zwischen den beiden Gruppen feststellen. In der Gruppe mit den Selbstessern gab es jedoch ein wenig mehr übergewichtige Kinder.

Allerdings zeigt die neuseeländische Studie: Die Babys, die mehr Kontrolle über ihre Ernährung hatten, waren weniger wählerisch und hatten mehr Spaß am Essen. Das spricht auf jeden Fall dafür, den Kleinkindern mehr Selbstständigkeit zuzutrauen.

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