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Videos: Das FameLab-Finale 2014

Wissenschaft kann witzig sein! - Die Neurologin Anna Stöckl gewinnt den bundesweiten Wettbewerb für unterhaltsame Forschungsvorträge

Ein Samstagabend mit Motten-Hirnforschung, Nanomedizin und Gravitationsphysik? Zugegeben, das klingt auf Anhieb nicht besonders attraktiv. Ist es aber doch! Und wie! Das bewiesen die zwölf Finalisten des diesjährigen FameLab-Wettbewerbs am Samstag vor 800 begeisterten Zuschauern im Audimax der Universität Bielefeld.

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Volles Haus und große Freude: 800 Zuschauer sahen das Finale im vollbesetzten Audimax der Universität Bielefeld

Die jungen Wissenschaftler hatten sich zuvor in sechs regionalen Vorentscheiden (Regensburg, Leipzig, Hamburg, Kassel, Potsdam, Karlsruhe) gegen viele Konkurrenten durchgesetzt, als "Zwischenpreis" schon gemeinsam eine dreitägige Masterclass zum Thema Wissenschaftskommunikation in Berlin absolviert - und durften nun ihre wissenschaftlichen Mini-Vorträge vor der FameLab-Hauptjury und dem Bielefelder Publikum vortragen. Die Regeln: Das Thema muss aus einem naturwissenschaftlichen Fach kommen, der Vortrag darf nicht länger als drei Minuten dauern. Power-Point ist streng verboten. Und als Requisite ist nur erlaubt, was man eigenhändig mit auf die Bühne tragen kann. (Also: niemand kann die Konkurrenz mit kunstvollem Spiel am Konzertflügel übertrumpfen...)

"Content, Clarity und Charisma" - das sind die offiziellen Kriterien des "British Council", nach denen Famelab-Jurys in 25 Ländern die Vorträge der Kandidaten einheitlich bewerten. Ist das Thema relevant, die Fragestellung originell? Kann ein Laie den Inhalt nach dem Vortrag nacherzählen? Wie souverän war der Vortragsstil? Und fühlte sich das Publikum obendrein auch noch gut unterhalten von den Mini-Geschichten aus der Forschung? Keine leichte Aufgabe für die Kandidaten.

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Die Jury beim Feedback: Uni-Rektor Sagerer, GEO-Redakteur Schröder, Helmholtz-Sprecher Wiarda und Schauspielerin Huckle (v.r.)

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Meisterin mit Motte: Mit ihrem Vortrag über die Nachtsicht der Insekten gewann Anna Stöckl den begehrten ersten Preis

Aber eine, die an diesem Abend gleich zwölf mal auf höchst unterschiedliche Weise gelöst wurde. Mit Wasserpistolen schoss die Neurologin Anna Stöckl auf die ersten Zuschauerreihen - und simulierte damit Lichtteilchen, die auf Rezeptoren einer Netzhaut einer Motte treffen. Mit Klanggläsern machte Jordi Casanella die Musik der Planeten nach, die er als Gravitationsphysiker zu deuten versucht. Und was machen gefährliche Bakterien, wenn Patienten ihre Antibiotika zu früh absetzen? Richtig, sie feiern eine Party. Auf der Bühne von der Mikrobiologin Lisa Münzenmayer aus Tübingen treffend dargestellt mit einer Bakterien-Party-Tröte. Tuuut!

Außerdem zum Einsatz kamen: Ein großes, selbstgebautes Styroporhandy mit Erweiterungsmodulen aus Pappe, ein Prinzessinnenkrönchen, eine eigenhändig auf die Bünhe getragene Assistentin. Und jede Menge ungewöhnlicher Metaphern - wie etwa der Latte Macchiato, der drei Milliarden Jahre auf dem Tresen stehen bleibt. Und mit dessen Hilfe Publikumssieger Michael Büker dann das physikalische Ende des Universums erklärte...

Das Publikum war begeistert. Die Jury hatte es schwer. Vier Juroren sollten am Ende die sehr guten von den guten Vorträgen unterscheiden: Der Hausherr und Rektor der Universität Bielefeld, Prof. Gerd Sagerer, die Theaterschauspielerin Christina Huckle, der Kommunikationschef der Helmholtz-Gemeinschaft, Jan-Martin Wiarda sowie Jens Schröder, der stellvertretende Chefredakteur des Magazins GEO, das den FameLab-Wettbewerb schon im vierten Jahr unterstützt.

Doch am Ende waren sich die vier Juroren einig: Die beste Kombination von griffigen Bildern, schwungvollem Vortrag und gut erklärter Forschung bot die Neurologin Anna Stöckl. Die forscht an der schwedischen Universität Lund im Bereich "Funktionale Zoologie" und befasst sich mit der Frage: "Warum können Motten im Dunkeln eigentlich so gut sehen?"

Wer hätte gedacht, dass 800 Menschen an einem Samstagabend in Bielefeld mit einer solchen Frage Spaß haben können? Und so erhielt Anna Stöckl den Hauptpreis: Sie wird Deutschland beim internationalen FameLab-Finale vertreten, das im Rahmen des traditionsreichen "Cheltenham Science Festivals" im Juni in England ausgetragen wird.

Wir hoffen: Die Motte wird auch bei den Briten verfangen - Viel Erfolg!