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Brasilien Das wilde Leben in den Slums von Rio de Janeiro

Vor den Olympischen Spielen steckt Brasilien in einer tiefen Krise. Doch es gibt Orte der Hoffnung. Die Favela Vidigal soll zum Modell für die Wandlung von Rio werden. GEO-Reporter Jan Christoph Wiechmann und Fotograf André Vieira haben dort einige Monate gelebt
Favela, Brasilien, Vidigal
Der Himmel über den Favelas gehört den Drachen, und um die Vorherrschaft wird hart gerungen: Kinder und Jugendliche versuchen, die Schnüre der jeweils anderen zu durchtrennen und damit einen Absturz zu provozieren

Niemand weiß, woher das Gerücht kam, aber Anfang April ist es überall. Das Rote Kommando, Rios mächtigstes Drogenkartell, plane eine Invasion in die Favela Vidigal. Einige Tage später sehen Schulkinder fünf Männer mit Sturmgewehren im nahen Wald. Und dann trifft eine Nachricht aus einer Nachbarfavela ein: Es gab fünf Tote beim Einmarsch des Roten Kommandos. Als Nächstes, so heißt es, sei Vidigal dran. Der Hauptgewinn.

Ich bin einige Monate zuvor im Auftrag von GEO in die Favela gezogen, in ein fensterloses Zimmer am Regenwald, in dem die Kleidung schneller schimmelt als das Obst. Durch die dünnen Wände im Labyrinth der Gassen hört man den Sex der Nachbarn und die Gutenachtgebete ihrer Kinder, aber dafür entschädigt der Blick vor der Tür: Er führt über ein rotes Häusermeer hinaus auf den Atlantik und die Strände von Ipanema und Leblon, jene goldenen Streifen zwischen Bergen und Meer, die Rio berühmt gemacht haben für sein Hauptexportprodukt: Lifestyle.

In den vergangenen vier Jahren ist Vidigal cool geworden, als erste Favela der Stadt. Mehr als tausend Ausländer haben sich in dem Armenviertel niedergelassen, es finden jede Menge Sambapartys statt, sogar Stand-up-Comedy und Fashion Shows, es entstehen Luxuswohnungen und Sushi-Restaurants. Angeblich haben David Beckham und Madonna Häuser gekauft, doch diese Meldungen kann keiner bestätigen.

Neugierig geworden? Den ganzen Artikel findest Du im GEO Magazin 08/2016 "Die Kunst des Loslassens".

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