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Orangenhaut Cellulite - unschön, aber harmlos

Irgendwann trifft es fast jede: Frauen neigen zur Ausbildung einer "Orangenhaut" und zu "schwächerem" Bindegewebe. Dahinter steckt ein komplexes Zusammenspiel von Hormonen und Faszien
Cellulite - unschön, aber harmlos

Weibliches Bindegewebe (links) unter der Haut erinnert an ein Säulengewölbe, das Fettzellen viel Raum lässt. Gitter aus Kollagenfasern machen das Bindegewebe des Mannes fest. Es bändigt Fettzellen besser.

Keine Krankheit, aber belastendes Ärgernis für Millionen: Cellulite. Etwa 90 Prozent aller Frauen jenseits der 20 entdecken irgendwann an Oberschenkel, Bauch, Gesäß und Oberarmen die hartnäckigen Grübchen, Dellen und Erhebungen. Männer dagegen bleiben meistens verschont. Die Ursache der Cellulite – oft verwechselt mit der Cellulitis, einer bakteriellen Entzündung des Unterhautgewebes – liegt im Zusammenwirken von Faszien und Fett.

Bei beiden Geschlechtern bildet das Bindegewebe mit seinen formgebenden Kollagenfasern das Grundgerüst der Unterhaut. Während bei Männern ein über Kreuz verlaufendes Netzwerk alles straff und kleinteilig zusammenhält, gewähren die säulenartig angeordneten „Stützelemente“ der Frauen mehr Spielraum: Die Fettzellpakete dehnen sich in den großen Freiräumen leichter aus und drücken auf die Oberhaut – es entsteht die typische Beulenstruktur.

Vor allem Östrogen treibt die Bildung der „Orangenhaut“ an

Die Unterschiede in der Architektur des Bindegewebes der Haut sind zum Teil genetisch verankert – wie auch die Fettverteilung im Körper: Während im Männerkörper Fettreserven vor allem zwischen den Organen im Bauchraum lagern, speichert der weibliche Organismus seine Energie bevorzugt unter der Haut, an Po und Oberschenkeln. Frauen müssen sich zudem mit dünnerer Haut und „schwächerem“ Bindegewebe abfinden.

Schuld daran sind neben normalen Alterungsprozessen weibliche Sexualhormone: Forscher nehmen an, dass vor allem Östrogen die Bildung der „Orangenhaut“ antreibt. Das Hormon stimuliert Bindegewebszellen, bestimmte Enzyme zu produzieren, die Kollagenfasern abbauen. Das erklärt, warum Cellulite hauptsächlich bei Frauen und, je nach Zyklusverlauf, unterschiedlich stark vorkommt. Entdeckt wurde dieser Zusammenhang bei Männern, denen aus medizinischen Gründen Östrogen verabreicht wird: Sie entwickeln ebenfalls dickere Fettreservoirs unterhalb der Leibesmitte und Orangenhaut. Auch ein Mangel an männlichen Geschlechtshormonen scheint in diesem komplexen biochemischen Zusammenspiel eine Rolle zu spielen.

Testosteron zu verabreichen ist keine Lösung

Jedoch einfach Testosteron zu verabreichen ist keine Lösung. Es fördert im Gegenteil die Cellulite, da Fettzellen es zu Östrogen umbauen können. Gegen Cellulite ist anscheinend kein Kraut gewachsen: In einer wissenschaftlichen Übersichtsarbeit in einem renommierten dermatologischen Fachblatt konnten amerikanische Forscher bei mehr als 50 dokumentierten Mitteln und Verfahren kein einziges als wirklich wirksam einstufen. Gewichtskontrolle sowie die mechanische Stimulation in Form von regelmäßiger sportlicher Betätigung gelten als einzige Mittel, die Intensität der ungeliebten Kräuselmuster in Schach zu halten.

Die Festigkeit kommt dann nicht unbedingt vom Muskelaufbau, sondern von der erhöhten Kollagensynthese nach starker körperlicher Belastung. Ob kräftige Massagen intensiven Sport teilweise ersetzen oder dessen Wirkung steigern können, ist umstritten. Das gilt auch für gerätegestützte Massagen, wie etwa die seit Kurzem populäre Selbstbehandlung mit einer sogenannten Faszienrolle. Wird etwa der Oberschenkel langsam über die harte Kunststoffwalze hin- und herbewegt, soll das auf das Bindegewebe wirken. Einziger wirklicher Trost für Frauen: Unterhautfett gefährdet die Gesundheit weniger als übervolle Energiespeicher im Bauch.

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