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Die Grundlagen des Wissens

Viagra und Co. Libido auf Rezept

Probleme mit der Leidenschaft sind ein Milliardengeschäft. Mittlerweile arbeiten Forscher auch an Medikamenten gegen mangelnde Lust bei Frauen

Die einen wollen, aber können nicht, die anderen könnten zwar, aber wollen nicht. Sehr unterschiedliche Gründe halten viele Männer und Frauen davon ab, ein erfülltes Sexleben zu führen. Und seit Langem sucht die Pharmaindustrie nach Lösungen.

Männer plagen vor allem Erektionsprobleme: Der Penis wird nicht steif genug oder erschlafft nach kurzer Zeit, sodass zufriedenstellender Sex nicht möglich ist. Hilfe bringt seit etlichen Jahren ein Wirkstoff namens Sildenafil. Er wurde 1998 als Medikament unter dem Handelsnamen Viagra zugelassen und erbringt jährliche Umsätze von mehr als 1,6 Milliarden Dollar.

Libido auf Rezept

Sildenafil als Hilfe für Männer

Das Prinzip ist nicht ganz simpel: Sildenafil hemmt ein Enzym, das einen bestimmten Botenstoff abbaut; dieser wiederum bewirkt die Entspannung mancher Muskelgruppen und führt unter anderem dazu, dass Blut in die Schwellkörper des Penis einfließen kann. Indem Sildenafil indirekt die Konzentration des Botenstoffes erhöht, bewirkt es, dass mehr Blut in das Organ strömt. Dadurch kommt es zu einer verstärkten und länger andauernden Erektion.

Inzwischen haben mehrere Hersteller Medikamente herausgebracht, deren Wirkstoffe nach dem gleichen Prinzip funktionieren, etwa Cialis, Levitra oder Spedra. Einer Auswertung von mehr als 100 Studien zufolge zeigt sich bei mindestens zwei Dritteln der Männer mit Erektionsstörungen eine deutliche Verbesserung durch Sildenafil-Präparate und ähnlich wirkende Arzneimittel.

Seit Juni 2013 ist in Deutschland der Patentschutz für Sildenafil abgelaufen, sodass inzwischen auch zahlreiche preiswertere Nachahmer-Medikamente angeboten werden, die diese Substanz enthalten.

Für die Männer ist das Problem damit in den meisten Fällen gelöst. Ungleich schwerer scheint es aber, eine Pille gegen das häufigste Sex-Hindernis bei Frauen zu finden: Lustlosigkeit.

Medikamente für Frauen sind Mangelware

Obwohl die Pharmahersteller zahlreiche Wirkstoffe getestet haben, ist bis heute kein Medikament auf dem Markt, das Frauen verlässlich neues sexuelles Begehren verschafft. Zwar erhöht Sildenafil den Blutfluss auch in die weiblichen Sexualorgane, doch die Lust der Frauen – so stellte sich in langjährigen Tests heraus – nimmt dadurch nicht zu. Das weibliche Begehren entsteht offenbar weitgehend im Kopf.

Deshalb suchen Forscher nach Wirkstoffen, die das Gehirn beeinflussen, ohne dabei allzu unangenehme Nebenwirkungen zu entfalten. Eine Substanz namens Bremelanotid etwa führte im Versuch an Ratten zu einer deutlichen Zunahme von bestimmten Verhaltensweisen, die auf ein heftiges sexuelles Verlangen der Weibchen hindeuten.

Allerdings ist der Stoff bis heute nicht als Medikament erhältlich: Das Zulassungsverfahren für ein Nasenspray mit Bremelanotid wurde 2007 abgebrochen, unter anderem wegen Bluthochdrucks und Übelkeit bei etlichen Probandinnen.

Mögliche Lösung: Kombinationspräparate

Doch Wissenschaftler forschen an neuen Varianten: Derzeit untersuchen sie, in welcher Weise der Stoff wirkt, wenn er direkt unter die Haut injiziert wird. Die bisherigen Ergebnisse lassen vermuten, dass es nun wesentlich weniger Nebenwirkungen gibt.

Besonders erfolgversprechend für eine Anregung der weiblichen Libido aber scheinen Kombinationspräparate zu sein – das glaubt zumindest eine niederländische Firma, die derzeit an zwei Mitteln arbeitet. Lybrido enthält den Via- gra-Wirkstoff Sildenafil sowie Testosteron, das vor allem als männliches Geschlechtshormon bekannt ist, aber auch bei Frauen das sexuelle Begehren beeinflusst. In einem zweiten Präparat wird Testosteron mit Buspiron kombiniert, einem Arzneistoff, der sonst bei Angststörungen hilft. Beide Mittel sollen die weibliche Lust kurzfristig durch gezielte Einnahme verstärken.

Doch auch wenn die Ergebnisse der Studien ermutigend klingen, bezweifeln viele Mediziner und Psychologen, dass die Wirkstoffe das Problem der Lustlosigkeit bei Frauen grundsätzlich lösen können. Zu komplex sei die weibliche Sexualität, zu sehr werde das Verlangen von Komponenten wie Stress oder Problemen in der Beziehung beeinflusst. Und etliche Experten werfen die Frage auf, ob mangelndes Begehren überhaupt eine Fehlfunktion ist, die mit Pharmazeutika therapiert werden muss. Viele Betroffene kommen auch ohne sexuelle Lust gut zurecht. Das Problem sehen daher oft nicht die Frauen selbst – sondern ihre männlichen

Lesen Sie mehr zum Thema Sex im Alter im neuen

GEOkompakt Nr. 43 "Sex".

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