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Alzheimer-Früherkennung Demenz: Sollte man sich testen lassen?

Vom zweifelhaften Nutzen der Alzheimer-Früherkennung
Demenz: Sollte man sich testen lassen?

Mit Tomographen lassen sich Gehirne schichtweise nach auffälligen Strukturen untersuchen

Noch gibt es keine Chance, die Alzheimer-Demenz wirksam zu bekämpfen oder gar zu heilen. Doch Forscher sind sicher: Sollten sie irgendwann eine Therapie gefunden haben, muss die zu einer Zeit beginnen, da die Nervenzellen im Gehirn durch die Krankheit noch kaum Schaden genommen haben – also bevor die ersten Symptome des Geistesschwundes auftreten. Daher arbeiten die Wissenschaftler nicht nur an der Entwicklung von Medikamenten und anderen Therapien, sondern versuchen ebenso dringlich, verlässliche Methoden zur Früherkennung der Alzheimer-Erkrankung zu finden.

Die bislang vielversprechendsten Verfahren sind:

Genanalyse. In weniger als zwei Prozent der Fälle geht die Alzheimer-Krankheit auf bestimmte dominante Gen-Mutationen zurück, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Dies bedeutet, dass – statistisch gesehen – die Hälfte der Nachkommen eines Betroffenen ebenfalls erkranken. Mittels genetischer Tests können Mediziner diese erbliche Form der Alzheimer-Krankheit frühzeitig aufspüren – theoretisch schon im Kindesalter.

Biomarker. Bis zu 15 Jahre, bevor ein Patient erste Anzeichen etwa einer leichten Orientierungsstörung entwickelt oder ausgeprägt vergesslich wird, lassen sich in seinem Nervenwasser (der Hirnrückenmarksflüssigkeit) charakteristische Eiweißstoffe (Amyloide und Tau-Proteine) nachweisen. Stellen Ärzte eine bestimmte Konzentration dieser Stoffe fest (dies geschieht mittels Punktierung im Bereich der Lendenwirbelsäule unter örtlicher Betäubung), wird der Betroffene zu rund 80 Prozent eine Alzheimer-Demenz entwickeln.

Bildgebende Verfahren. Etwa zehn bis 15 Jahre vor dem Ausbruch der Alzheimer-Demenz lagern sich im Gehirn unter anderem winzige Klümpchen des Eiweißstoffes Amyloid an. Spritzen Ärzte einem Probanden eine leicht radioaktive Substanz in die Venen, bindet sich das Mittel nach kurzer Zeit an die Eiweißstoffe im Gehirn. Mithilfe eines Positronen-Emissions-Tomographen (PET) können die Experten die Amyloid-Klümpchen sichtbar machen. Wer über eine hohe Konzentration an Ablagerungen verfügt, ist mit großer Wahrscheinlichkeit von Alzheimer betroffen – die Sicherheit liegt auch bei diesem Verfahren bei etwa 80 Prozent. Noch wird die Methode vorwiegend in klinischen Studien eingesetzt.

Allerdings: Die frühe Diagnose ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt aus Sicht der Betroffenen nur in bestimmten Fällen ratsam (etwa wenn bereits Symptome vorliegen, die klar auf eine beginnende Demenz hindeuten, aber durchaus auch eine behandelbare Erkrankung wie eine Depression vorliegen könnte). Denn einerseits lassen die momentanen Testverfahren keine 100-prozentige Gewissheit zu. Andererseits gibt es auch keine spezifischen Möglichkeiten, den drohenden Nervenschwund zu verhindern – er lässt sich allenfalls etwas verlangsamen.

Ohne jede Symptombildung rät die Deutsche Alzheimer Gesellschaft ausdrücklich von Früherkennungstests ab

Für manchen Betroffenen mag die Früherkennung hilfreich sein, um seine Lebensplanung entsprechend anzupassen, etwa frühzeitig aus dem Beruf auszusteigen oder sich in besonderer Weise geistig fit zu halten. Doch niemand sollte die psychischen Belastungen einer solchen Diagnose unterschätzen, die Ängste und Sorgen – und damit den seelischen Stress, der gesundheitsschädlich ist. Daher rät die Deutsche Alzheimer Gesellschaft – entgegen der in jüngster Zeit häufig zu lesenden Werbung für entsprechende Tests – zumindest von einer „Früherkennung zu einem Zeitpunkt ohne jede Symptombildung“ ausdrücklich ab. Mit einer Ausnahme: Wer die Alzheimer-Forschung unterstützen möchte – etwa um an Tests neuer Medikamente teilzunehmen –, sollte durchaus einer Früherkennung im Rahmen einer Studie zustimmen. Denn damit leistet er einen enorm wichtigen Beitrag, dass irgendwann einmal Menschen tatsächlich geheilt werden können, wenn die Diagnose „Alzheimer-Demenz“ nur früh genug gestellt wird.

Lesen Sie den ganzen Artikel "Diagnose: Sollte man sich testen lassen?" in

GEOkompakt Nr. 44 "Jung im Kopf".

Demenz: Sollte man sich testen lassen?

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