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Interview: Die Folgen des Bruderkampfs

Der Historiker Professor Jörg Nagler über einen Konflikt, der das Land noch heute spaltet
In diesem Artikel
Sind die Nordstaaten militärisch auf diesen Krieg vorbereitet?
Dieses Versprechen wird zwar eingelöst, die Hoffnung auf Gleichstellung der befreiten Sklaven aber wird sich in den folgenden 100 Jahren nicht erfüllen. Weshalb nicht?

GEOEPOCHE: Herr Professor Nagler, als sich ab Dezember 1860 mehrere Staaten im Süden der USA entschließen, aus der Union auszutreten und eine eigene Konföderation zu gründen, da machen sie doch nur von ihrem Recht auf Selbstbestimmung Gebrauch. Warum läss

JÖRG NAGLER: Weil dieses Recht zunächst einmal nur für Völker gilt. Südstaatler und Nordstaatler aber sind Angehörige desselben Landes, sie haben die gleichen Vorfahren, sie haben sich freiwillig zu einem Staatenbund zusammengeschlossen und dabei gewisse Rechte an eine Zentralgewalt, ein zentrales Parlament abgetreten.

Interview: Die Folgen des Bruderkampfs

Professor Jörg Nagler ist Experte für US-Geschichte. Er forscht seit 30 Jahren zum Amerikanischen Bürgerkrieg

Also ist die Sezession illegal?

Das ist nicht so einfach zu beantworten. Die USA sind zu dieser Zeit noch eine unfertige Nation, ein demokratisches Experiment. Und gerade Südstaatler sind der Meinung, dass sie aus diesem Experiment ausscheren dürfen. Für Abraham Lincoln und die meisten Politiker im Norden aber gilt: Nur eine Mehrheit im US-Kongress könnte einen Staat wieder aus der Union entlassen. South Carolina dürfe so etwas nicht eigenmächtig entscheiden. Zusätzlich ist es natürlich auch eine ideologische Frage. Lincoln sagt immer wieder: Die Französische Revolution ist gescheitert, die europäischen Revolutionen von 1848 sind gescheitert, alles ist gescheitert. Wenn wir jetzt auch noch versagen, dann ist das Experiment der Massendemokratie in der Welt verloren.

Und für den Erfolg der amerikanischen Demokratie ist der Präsident bereit, das Blut seiner Bürger zu vergießen?

Lincoln glaubt lange Zeit nicht, dass der Süden wirklich die Union verlassen wird. Die Männer in dem eigentlich verantwortlichen Staat, South Carolina, sind für ihn Hitzköpfe, die 1833 schon einmal austreten wollten. Damals hat Präsident Andrew Jackson mit einem Militäreinsatz gedroht – und South Carolina hat klein beigegeben. Deshalb denkt Lincoln: Die werden wir auch diesmal wieder ins Boot kriegen. Außerdem hat er viele persönliche Verbindungen in den Süden: Verwandte, Freunde, gute Bekannte. Und von all denen hört er: Das ist alles nur heiße Luft, es wird auf keinen Fall zu einer Sezession kommen – und das noch im Februar 1861, als ja bereits Staaten ausgetreten sind.

Stimmt also die These, dass es bei diesem Kampf nur um die Rechte der Einzelstaaten geht?

Nein. Der Grund für den Bürgerkrieg ist der Konflikt um die Sklaverei. Warum tritt South Carolina als erster Staat aus? Weil die Sklaven dort den höchsten Anteil an der Bevölkerung stellen. Und viele Menschen im Norden sind empört, weil dieses System durch und durch unmenschlich ist, denn es basiert auf der Androhung und Anwendung von Gewalt.

Aber da die Unfreien ein wertvoller Besitz sind...

... werden sie natürlich nicht permanent geprügelt oder ausgepeitscht. Warum sollten die Sklavenhalter ihre eigenen "Investitionen" vernichten? Doch es kommt vor. Und die Abolitionisten, die Gegner der Sklaverei, nutzen das für eine sehr geschickte Agitation, indem sie zum Beispiel geflohene Sklaven in Kirchen regelrecht ausstellen. Es gibt weiße Frauen, die in Ohnmacht fallen, wenn sie die Narben von den Peitschenhieben auf den Rücken sehen.

So setzt sich im Norden die Ansicht durch, dass dieses Unrecht nur mit Blut abgewaschen werden kann.

Ja. Diese Ansicht vertritt zwar zunächst nur eine Minderheit; aber die hat permanent Zulauf, und schon ab den 1830er Jahren ist eine Rückkehr zu normalen Verhältnissen zwischen Nord und Süd kaum mehr möglich. Da kommt es zu einer zunehmenden Fanatisierung auf beiden Seiten. Es ist wie später im Kalten Krieg: eine Spirale von Fehlwahrnehmungen und Missverständnissen. 1831 trifft ein Sklavenaufstand in Virginia den Süden mit voller Wucht. Im gleichen Jahr wird der "Liberator" gegründet, eine Zeitung der Antisklavereibewegung mit einer ungeheuren Verbreitung. Der eigentliche Anlass der starken Polarisierung kommt dann in den 1850er Jahren mit dem Konflikt um Kansas. Da gibt es Fanatiker wie John Brown, der sich wie viele Fundamentalisten als Werkzeug Gottes sieht. Aber er inszeniert sich auch bewusst als Märtyrer. Er will geradezu hängen, weil er weiß, dass sein Tod die Nation in den Krieg führen wird.

Und er behält recht.

Durch Brown und andere, auch auf Seiten der Südstaaten, gewöhnen sich die Amerikaner an die Gewalt. Der abolitionistische Abgeordnete Charles Sumner wird im Parlament mit einem Spazierstock niedergeschlagen. Das ist einmalig in der Geschichte des Senats. Und dann merkt man fast monatlich den Zulauf zu den Abolitionisten. Selbst Abraham Lincoln sagt privat: Es ist eine Grenze überschritten. Wir können als Nation so nicht mehr existieren. Wenn er allerdings öffentlich bekundet hätte, dass er die Sklaverei gänzlich abschaffen wollte, wäre er nicht zum Präsidenten gewählt worden.

Doch er gewinnt die Wahl, aus Protest treten South Carolina und sechs andere Staaten aus der Union aus. Wann ist klar, dass ein Krieg unausweichlich ist?

Als der erste Schuss auf das Bundesfort Sumter im Hafen von Charleston fällt, gelingt es South Carolina, einige der noch abwartenden restlichen Südstaaten mit ins Boot zu holen. Mit dem ersten Gefecht schließen sich die Reihen.

Aber beide Seiten glauben an einen kurzen Krieg?

Natürlich. Denn als einzige Erfahrung hat diese Generation den Mexikanischen Krieg von 1846. Und das war ein "grandioser Krieg" – jedenfalls so, wie er dargestellt wurde. Eigentlich ein schmutziger Kampf, aber die Schlachtengemälde waren sehr beeindruckend: Mann gegen Mann, oben steht ein General auf dem Berg mit einem Schwert. Und das ist um 1860 die Vision, die man vom Krieg hat. Niemand sieht dieses Menschenschlachten, diesen ungeheuren Blutzoll voraus. Da wächst eine Begeisterung wie in Deutschland 1914 zu Beginn des Weltkriegs. Der Süden sagt, die Yankees werden schon sehen, wie tapfer wir sind. Und der Norden sagt, die Rebellen werden schnell erleben, dass sie keine Chance haben – und dann ist der Krieg bald vorbei, und wir gehen alle wieder nach Hause.

Sind die Nordstaaten militärisch auf diesen Krieg vorbereitet?

Überhaupt nicht. Es gibt in der damaligen sozialen Ordnung nichts Schlimmeres, als Berufssoldat zu sein. Und die Generäle haben im Mexikanisch-Amerikanischen Krieg höchstens 6000 Soldaten auf einmal befehligt – nun sollen sie aus Zehntausenden Männern Heere formen und sie kommandieren. Doch sie wachsen hinein in diese Art der Massenkriegführung, wenn auch auf sehr traumatische Weise, mit hohen Verlusten. General Ulysses S. Grant geht da sehr brachial vor, und Abraham Lincoln unterstützt strategisch diese "Arithmetik des Todes", wenn er zu Grant sagt: Die nächste Schlacht kannst du ruhig verlieren, denn wir werden dir noch mal 10.000 Soldaten schicken; und das machen wir so lange, bis der Süden ausgeblutet ist.

Alle Ressourcen, auch die menschlichen, in den Kampf zu werfen: Das klingt nach einer modernen Auffassung von Krieg.

Der Bürgerkrieg hat viel von den Konflikten des 20. Jahrhunderts vorweggenommen – etwa, wie gut die Unionsarmee die Infrastruktur nutzt und wie schnell sie ihre Truppen an die Front bringt und versorgt. Dazu kommt die neue Waffentechnik, kommen U-Boote und Panzerschiffe. Aber die Menschheit macht sich mit diesem industrialisierten Konflikt auch auf den Weg zum totalen Krieg. General Sherman versucht, den Gegner nicht mehr nur über die Armeen zu treffen, sondern über die Zivilbevölkerung. Sein Zerstörungszug durch Georgia ist eine neue Art der Kriegführung.

Ist Sherman ein Kriegsverbrecher?

Er ignoriert zumindest vollkommen die von Lincoln selber aufgestellten Regeln. Denn im Auftrag des Präsidenten hat der deutsche Einwanderer und Jurist Franz Lieber in den 157 Artikeln des "Lieber Code" unter anderem festgelegt, wie Zivilisten in besetzten Gebieten zu behandeln sind, wie man mit Deserteuren, Kriegsgefangenen und Partisanen umgeht. Dieser Code ist für die gesamte Unionsarmee verbindlich. Darin wird zum ersten Mal in der Militärgeschichte verboten, einen unterlegenen und sich ergebenden Gegner zu töten. Und es werden auch Zivilisten unter Schutz gestellt. Das heißt, die USA stellen als erste Nation überhaupt schriftliche Regeln für ihre Truppen auf – auch ein sehr moderner Gedanke –, brechen sie dann aber leider auch gleich.

Wie reagiert der Rest der Welt auf diesen neuartigen Krieg?

Großbritannien schaut mit Entsetzen nach Amerika, vor allem aus militärstrategischen Gründen. Denn als das erste Panzerschiff auftaucht, ist mit einem Schlag die britische Flotte obsolet, einfach hinfällig. Das ist der Anfang vom Ende der britischen Seemacht. Und London sieht mit Schrecken, was für Massenheere sich in den Vereinigten Staaten mobilisieren, die England niemals hätte besiegen können. Übrigens schickt auch Preußen Militärbeobachter in die USA...

. . . die offenbar überhaupt nicht beeindruckt sind. Generalfeldmarschall Helmuth von Moltke wird folgendermaßen zitiert: "Zwei bewaffnete Banden haben einander durch das Land gejagt – von ihnen ist nichts zu lernen."

Der Amerikanische Bürgerkrieg ist eben vor allem ein Kampf von Freiwilligen. Und das ist natürlich ein Graus für Moltke, da wird seine ganze professionelle preußische Armee infrage gestellt. Auch das ist dann ja die Zukunft des Krieges im 20. Jahrhundert: dass nicht mehr nur Berufsarmeen gegeneinander kämpfen, sondern ganze Nationen.

Die Konföderation hofft lange Zeit, dass Großbritannien auf ihrer Seite eingreift. Schreckt London wegen der militärischen Stärke des Nordens davor zurück?

Nicht ausschließlich. Eigentlich spricht auf dieser Seite anfangs ja alles für den Süden und dessen cotton diplomacy, die Baumwoll-Diplomatie. Die Fabriken in Manchester und anderswo sind abhängig von der Baumwolle aus den Sklavenstaaten, das ist der entscheidende Rohstoff des 19. Jahrhunderts, so wie heute Erdöl. Auch Preußen, Frankreich und Russland importieren aus dem Süden enorm viel Baumwolle. Daher ist der Amerikanische Bürgerkrieg von einigen Historikern auch als erste Rohstoffkrise der industriellen Welt bezeichnet worden. Aber Großbritannien erschließt sich in Ägypten und Indien schon bald neue Quellen. Und mit Lincolns Emanzipationserklärung von 1863 – der Abschaffung der Sklaverei in den Südstaaten – wird es für die europäischen Großmächte unmöglich, die Konföderation anzuerkennen. Denn das Bürgertum etwa in England ist derart aufgeklärt, dass keine Regierung es gewagt hätte, offen einen Krieg für die Sklaverei zu unterstützen.

Die Emanzipationserklärung erlässt Lincoln ja in seiner Eigenschaft als Oberbefehlshaber: also als eine Kriegsmaßnahme und nicht als ein Gesetz, das er durch den Kongress bringen müsste. Er hebt in einigen Gebieten auch die Habeas Corpus-Akte auf. Nennen

Für ihn ist klar, dass er eher die Verfassung brechen wird, als die Union scheitern zu lassen. Was nützt es mir, so Lincoln, wenn ich als lupenreiner Verfassungsrechtler in die Geschichte eingehe – und dann meine Nation zusammenbricht?

Er ist also bereit, bürgerliche Freiheiten zu opfern für das vermeintliche große Ganze?

Ja. Dennoch wird dieser Krieg mit einer funktionierenden Demokratie weitergeführt. Lincoln macht sich ja nicht etwa zum Diktator. Stattdessen finden in diesem Chaos Wahlen statt. Das muss man sich vorstellen: Abraham Lincoln als Oberbefehlshaber stellt sich den Wählern. Und er bekommt eine Mehrheit – auch für die Emanzipationserklärung, also das Versprechen der Freiheit für die Schwarzen, die dann im 13. Verfassungszusatz fest verankert wird.

Dieses Versprechen wird zwar eingelöst, die Hoffnung auf Gleichstellung der befreiten Sklaven aber wird sich in den folgenden 100 Jahren nicht erfüllen. Weshalb nicht?

Es geht ja so weit, dass man sich in den 1870er Jahren fragen muss: Wer hat den Krieg eigentlich gewonnen? Im Süden gelangen die alten Eliten schon bald wieder an die Macht, auch mit Hilfe von Organisationen wie dem Ku Klux Klan, es kommt zu Lynchmorden, rassistische Gesetze werden erlassen. Den Schwarzen geht es in jener Zeit fast schlechter als zuvor, weil sich ihre ehemaligen Herren jetzt nicht einmal mehr für sie verantwortlich fühlen.

Weshalb aber lässt auch der Norden, der immerhin für die Schwarzen in den Kampf gezogen ist, sie anschließend so schnell im Stich?

Nach dem Krieg fühlen sich die Amerikaner zum ersten Mal als Nation. Der Begriff "USA" wird von da an im Englischen kaum noch im Plural verwendet, sondern überwiegend im Singular. Sie sind nicht mehr Staatenbund, sondern Nationalstaat. Und dieses Land will nach vorn blicken, sich versöhnen: Weiße Männer geben sich über den Schwarzen die Hand. Die Befreiung der Sklaven ist erreicht, jetzt überlässt man sie ihrem Schicksal. Selbst die meisten Abolitionisten verlieren das Interesse. Noch 50 Jahre nach Gettysburg ist beim Veteranentreffen kein einziger Afroamerikaner anwesend. Erst die Bürgerrechtsbewegung der 1960er Jahre lenkt den Blick wieder auf den Bürgerkrieg als Befreiungskampf. Martin Luther King macht das sehr geschickt, als er seine berühmte Rede in Washington hält: vor dem Lincoln Memorial.

Und noch einmal knapp 50 Jahre später schwört ein schwarzer Präsident den Amtseid auf die Bibel Abraham Lincolns. Inszeniert sich der Demokrat Barack Obama zu Recht als Erbe eines republikanischen Präsidenten?

Ich denke schon. Er hat von Lincoln die Ansicht übernommen, dass der Staat die Aufgabe hat, den Einzelnen zu schützen. Dass Obama gleiche Chancen schaffen will für alle, das hat viel gemein mit Lincolns Vorstellung von Fairness. Dass umgekehrt die Republikaner seinerzeit als progressive Partei begonnen haben, ist heute kaum noch vorstellbar. Diese Veränderung begann gegen Ende des 19. Jahrhunderts, und seit den 1930er Jahren hat sich die Situation komplett gedreht. Damals war es noch undenkbar, dass Afroamerikaner Demokraten wählen könnten. Die Demokraten waren für die Schwarzen die Partei der Restauration des Südens.

2012 gewann Obamas republikanischer Herausforderer Mitt Romney in fast allen Staaten der ehemaligen Konföderation die Mehrheit. Sind die USA also noch immer gespalten?

Diese Behauptungen aus dem Wahlkampf, Obama übernehme eine ebenso zerrissene Nation wie Lincoln damals, halte ich für übertrieben. Natürlich gibt es bis heute ein Lohngefälle zwischen Nord und Süd, und natürlich ist der Süden fest in republikanischer Hand. Und es gibt Gruppen wie die "Sons of Confederate Veterans", die sich Nummernschilder mit einem Bild von Nathan Bedford Forrest genehmigen lassen wollen – einem der Gründer des Ku Klux Klans. Andere haben zum Jahrestag des Beschusses von Fort Sumter einen Sezessionsball organisiert.

Also ist der Süden noch immer rassistisch?

In vieler Hinsicht sicherlich, obwohl diese Aussage regional zu differenzieren ist. Allerdings fällt auf, dass extrem rassistische Randgruppen jetzt in der dortigen Öffentlichkeit und Presse sofort kritisiert werden. Und das Land verändert sich, immer mehr Latinos ziehen in den Süden, in Texas stellen sie jetzt fast 40 Prozent der Einwohner – die haben mit der Konföderation nichts am Hut. Die Wähler sind viel bunter gemischt, als die Wahlmänner erkennen lassen. Auch in den republikanischen Staaten, die Mitt Romney gewonnen hat, haben viele Menschen Obama gewählt. Aber natürlich ist die Gesellschaft gespalten. Die Tea-Party-Bewegung verkörpert eine Skepsis gegenüber der Zentralgewalt in Washington, wie sie auch die Südstaaten vor 150 Jahren bewegte. Viele ihrer Anhänger verstehen Lincoln nicht als Heilsfigur, sondern als einen der ersten Vertreter eines übermächtigen Zentralstaats.

Wie äußert sich das?

Es gab zum 150. Jahrestag des Kriegsbeginns eine interessante Umfrage: 48 Prozent der US-Amerikaner sind der Meinung, dass der Bürgerkrieg um die Rechte der Einzelstaaten geführt wurde und nicht um die Sklaverei. Je geringer der Bildungsgrad und je jünger die Befragten, desto höher ist dieser Anteil; und am höchsten bei Republikanern und Anhängern der Tea-Party-Bewegung. Offenbar gelingt es bestimmten Gruppen, die Schulbücher zu beeinflussen.

Der Bürgerkrieg ist also in den Köpfen der Amerikaner noch immer nicht beendet?

Die Intensität dieses Konflikts, in dem Amerikaner andere Amerikaner getötet haben, wirkt noch heute nach, vor allem im Süden. Dort war ja jede Familie betroffen, es gab eine Mortalitätsrate, die erst im Zweiten Weltkrieg übertroffen wurde. Das ist im Süden noch immer eine Wunde. Deshalb versucht man dort, seine Sicht auf den Krieg durchzusetzen und die mit einer Verklärung des Alten Südens zu verbinden. In dieser Weltsicht kommt die Sklaverei, dieses barbarische Unrecht, gar nicht mehr vor.