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Leseprobe: Triumph im Zeichen des Davidsterns

Triumph im Zeichen des Davidsterns. Es ist der größte Sieg in der Geschichte des jüdischen Staates: In einer einzigen Juniwoche im Jahr 1967 nimmt die israelische Armee ein Gebiet ein, dreimal so groß wie das Land selbst, demütigt ihre Gegner - und erobert, was den Juden fast 2000 Jahre lang verwehrt war. Doch der militärische Erfolg stürzt Israel in ein Dilemma, in dem es bis heute gefangen ist

Es ist wie bei Saul, der auszog, um die Esel seines Vaters zu suchen, und ein Königreich fand. Am 5. Juni 1967 ziehen Israels Soldaten aus, um die ägyptische Luftflotte zu zerstören und die von Ägyptens Präsident Nasser gesperrte Wasserstraße von Tiran wieder zu öffnen, Israels Zugang zum Roten Meer. Doch zwei Tage später haben die jüdischen Streitkräfte nicht nur den ägyptischen Sinai, sondern auch den Gazastreifen, Ostjerusalem und die jordanische Westbank in Besitz genommen - Teile des biblischen Judäa und Samaria. Soldaten tanzen mit orthodoxen Juden in der eroberten Altstadt Jerusalems und singen die israelische Nationalhymne. Denn auch die Klagemauer, die heiligste Stätte des Judentums, ist nach knapp 2000 Jahren wieder in hebräischer Hand. "Wir haben die Hauptstadt Israels geeint, auf dass sie nie wieder geteilt werde", verkündet Verteidigungsminister Mosche Dajan.

Dabei hat er seine Generäle noch am Tag zuvor gewarnt, einen Fuß in die Altstadt zu setzen. Dies, so seine Befürchtung, würde die arabische, aber auch die christliche Welt gegen Israel aufbringen, selbst die USA. Doch dann ist die Versuchung zu groß gewesen für politische Logik. Ist nicht Jerusalems Altstadt das eigentliche Zion - Ziel einer schon 2000 Jahre lang andauernden Sehnsucht? Innerhalb von zwei Tagen haben Israels militärische Führer die von Verfolgung und Trauer geprägte jüdische Geschichte ins Gloriose gewendet. Doch nicht alle stimmen in den Jubel ein. Als ein Berater Premierminister Levi Eschkol vorschwärmt, nun sei noch mehr möglich, die Eroberung der Stadt Hebron zum Beispiel, fragt der Regierungschef zurück: "Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, wie wir mit so vielen Arabern leben sollen?"

Leseprobe: Triumph im Zeichen des Davidsterns

Israelische Panzer und Soldaten rücken gegen ägyptische Truppen im Gazastreifen vor: Elf Jahre nach dem Krieg von 1956 entbrennt zwischen Arabern und Israelis im Sommer 1967 der Entscheidungskampf

Leseprobe: Triumph im Zeichen des Davidsterns

Der erste Schlag: Am Morgen des 5. Juni greifen 183 israelische Kampfjets ihre arglosen Gegner an. Damit das Radar sie nicht entdeckt, fliegen sie nur 15 Meter hoch

Fünf Monate zuvor, Anfang 1967. Israel ist jetzt eine Großmacht im Nahen Osten. Die Wirtschaft boomt, Frankreich und die USA verkaufen Jerusalem Waffen; Washington unterstützt es auch finanziell. Dank dieser Hilfe ist die 250 000 Mann starke israelische Armee ähnlich schlagkräftig wie die ägyptische, die mit Abstand größte arabische Streitkraft. Allerdings zögern die USA, sich ganz auf eine Seite zu schlagen: Sie verkaufen ihre Waffen auch an die arabischen Länder. Daneben liefert auch die Führung der Sowjetunion - für die Israel ein Vorposten des westlichen Imperialismus im Nahen Osten ist - Waffen an die Gegner des jüdischen Staates. Zwei Milliarden Dollar hat die UdSSR seit 1956 in die militärische Ausrüstung der halbsozialistisch regierten Länder Ägypten und Syrien investiert, hat Panzer, Artillerie, Jets und technische Berater geschickt. Dafür darf Moskau ägyptische und syrische Häfen als Militärbasen nutzen. Die Stärke Israels ist auch die Folge der Uneinigkeit seiner Nachbarn: Ägyptens Präsident Gamal Abdel Nasser, in den 1950er Jahren von Millionen als Führer der Araber verehrt, ist mit seinem Plan, alle Araber in einem Staat unter seiner Herrschaft zu vereinen, gescheitert. Die großspurig "Vereinigte Arabische Republik" genannte staatliche Verbindung mit Syrien ist nach nicht einmal vier Jahren kläglich zerbrochen. Zwar hat Nasser ein gescheitertes Attentat auf sich dazu genutzt, Rivalen um die Macht zu verdrängen und unliebsame Gruppierungen wie die Muslimbruderschaft auszuschalten. Doch jetzt kämpft er im eigenen Land gegen Staatsverschuldung und Arbeitslosigkeit. Der einst charismatische, energiegeladene Präsident ist nun, knapp 50-jährig, nichts als ein verbitterter Militärdiktator mit glasigen Augen und übergroßem Stolz. Besonders Jordaniens Führung ist enttäuscht von Nasser: Wo war der glühendste Verfechter der arabischen Einheit am 13. November 1966, als 3000 israelische Soldaten ein jordanisches Dorf mit Panzern und Kampfflugzeugen überfielen und Dutzende Häuser sprengten - eine Vergeltungsaktion gegen dort agierende Terrorgruppen, bei der auch Zivilisten umkamen? Warum hat Nasser nicht reagiert, als am 7. April 1967 israelische Kampfflugzeuge in den syrischen und jordanischen Luftraum eindrangen, nachdem syrische Soldaten von den Golanhöhen (einem Hochplateau im Südwesten Syriens) Granaten auf jüdische Bauern unterhalb des Bergzugs abgefeuert hatten? Bei dem Manöver haben die Israelis vier Kampfjets über Jordanien und zwei über Damaskus zerstört; Nasser hat sich trotz eines Verteidigungspakts mit Syrien herausgehalten - und gilt nun den Arabern als Feigling.

Die Grenze zwischen Syrien und Israel ist die explosivste Zone im Nahen Osten. Immer wieder starten Terroristen Sabotageakte von syrischem Boden aus, vor allem gegen die Siedler im demilitarisierten Landstrich unterhalb der Golanhöhen.

Syriens Regierung, de facto eine sozialistische Militärdiktatur mit wenig Rückhalt in der Bevölkerung, stützt sich vor allem auf ein Thema, bei dem sie sich der Zustimmung des Volkes sicher sein kann: den Befreiungskampf für Palästina. Nach dem Abschuss der syrischen Kampfflugzeuge im April 1967 übt Damaskus öffentlich Druck auf Nasser aus, endlich gegen Israel zu handeln. Dies ist auch im Interesse Moskaus: Die Sowjetregierung fürchtet um die Stabilität des sozialistischen Regimes in Syrien. Seit einiger Zeit sieht die kommunistische Supermacht ihren Einfluss in der Welt schwinden. In zahlreichen Ländern (darunter Indonesien, Ghana, Algerien, Kongo) sind in der jüngsten Vergangenheit kommunistische oder sozialistische Regierungen gestürzt worden. Umso wichtiger sind der UdSSR ihre arabischen Verbündeten. Käme es zu einem Konflikt mit Israel, wären Ägypten und Syrien erst recht auf sowjetische Hilfe angewiesen.

Leseprobe: Triumph im Zeichen des Davidsterns

Die Überraschung gelingt: 286 ägyptische Kampfjets vernichten die Israelis noch am Boden; die übrigen feindlichen Flieger können nicht starten, weil auch die Rollfelder zerstört sind

Mit einem Trick verschärft Moskau die Krise: Im Gespräch mit Nasser behauptet der sowjetische Botschafter in Israel, der Judenstaat ziehe seine Truppen an der Grenze Syriens zusammen und bereite eine Invasion vor. Nasser weiß, dass die Information falsch ist. Dennoch sendet er am 15. Mai zwei Panzerdivisionen auf den Sinai an die Grenze zu Israel. Er wagt es nicht, sich der UdSSR, von deren Zahlungen er abhängig ist, zu widersetzen. Das Manöver kommt ihm ohnehin gelegen: Er hofft vermutlich, damit von innenpolitischen Schwierigkeiten abzulenken. Auch Syrien zieht Truppen in Stärke von 63.000 Mann an der Grenze zusammen, Jordanien, Kuwait und der Irak mobilisieren ihre Streitkräfte.

Den vollständigen Text können Sie in der neuen Ausgabe von GEOEPOCHE "Israel" nachlesen.

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