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Vorschau: Der Vietnamkrieg


Das nächste GEOEPOCHE-Magazin handelt vom Vietnamkrieg, einem der folgenreichsten asymmetrischen Kriege der Neuzeit. Die Ausgabe erscheint am 17. August 2016
Verwundete GIs in den Bergen von Zentralvietnam: Nach dem offenen Kriegseintritt der Amerikaner 1965 wird schon bald klar, dass die US-Soldaten kaum werden siegen können. Zehntausende von ihnen sterben. Und Millionen Vietnamesen
Verwundete GIs in den Bergen von Zentralvietnam: Nach dem offenen Kriegseintritt der Amerikaner 1965 wird schon bald klar, dass die US-Soldaten kaum werden siegen können. Zehntausende von ihnen sterben. Und Millionen Vietnamesen
© Larry Burrows/Time & Life Pictures/Getty Images

Am Morgen des 8. März 1965 springen 3500 US-Soldaten aus ihren Landungsbooten auf den feinen Sand des Strandes in der Nähe der Hafenstadt Da Nang. Lächelnde vietnamesische Mädchen hängen ihnen Blumengirlanden um den Hals und halten ein Schild hoch, auf dem in Englisch steht: „Willkommen den ritterlichen Marines“.

In diesem vermeintlich friedlichen Idyll vollzieht sich der Schicksalsmoment eines Jahrhundertkonflikts: Die Vereinigten Staaten entsenden die ersten offiziellen Kampftruppen nach Vietnam. Wenig später schlagen sie die erste Schlacht gegen kommunistische Einheiten – und siegen. Amerikanische Militärs wie Politiker sind geradezu euphorisch. Binnen Kurzem, so meinen sie, werden sie diesen Krieg gewinnen. Es ist ein für alle Seiten fataler Trugschluss. Denn dieser Krieg ist nicht zu gewinnen.

Begonnen hat die Tragödie schon viel früher, als Teil einer globalen Kontroverse, des Kalten Krieges. Im Glauben, in Südostasien den weltweiten Vormarsch des Kommunismus stoppen zu müssen, protegiert Washington ab 1954 in Südvietnam ein korruptes Regime als Bollwerk gegen den von dem Kommunisten Ho Chi Minh geführten Norden des Landes. Und steht dem Regime im Süden auch bei, als sich dort eine linke Volksbewegung erhebt.

Präsident John F. Kennedy schickt Geld, Waffen und Militärberater, doch der Schützling der USA taumelt weiter dem Untergang entgegen – auch weil der Norden inzwischen die im Süden kämpfenden Rebellen unterstützt. Kennedys Nachfolger Lyndon B. Johnson entscheidet sich daher nach langem Zögern für einen verhängnisvollen Schritt: den direkten Waffengang. Bereits Ende 1965 sind fast 200.000 GIs in Vietnam, bald werden es mehr als eine halbe Million sein.

Der Krieg wird von beiden Seiten äußerst brutal geführt. Piloten der Air Force bombardieren Nordvietnam mit kaum gekannter Wucht, werfen auch das teuflische Brandmittel Napalm ab. In den Dschungeln kämpfen GIs gegen einen so gut wie unsichtbaren Feind, die Guerilleros des Vietcong. Die Kommunisten bereiten den Gegnern tödliche Hinterhalte, legen Sprengfallen. Die Amerikaner setzen stattdessen rücksichtslos auf ihre überlegene Feuerkraft. In einem Krieg ohne klare Fronten erklären sie ganze Landstriche zu free fire zones, in denen auf alles geschossen wird, was sich bewegt.

Doch spätestens nach einer Offensive der nordvietnamesischen Streitkräfte und des Vietcong im Frühjahr 1968 wird deutlich, dass ein Sieg für die Amerikaner nicht zu erreichen ist. Daheim in den USA, wo erstmals Kämpfe im Fernsehen übertragen werden, kippt die Stimmung zugunsten der Kriegsgegner. Wütende Proteste erschüttern das Land, Demonstranten werden erschossen. Weltweit brandet Empörung gegen Washington auf. Unterdessen flüchten sich immer mehr US-Soldaten in Drogen, die Moral der Truppe verfällt. Und so beschließt der neue US-Präsident Richard Nixon den Abzug. 1973 verlassen die GIs Vietnam, 1975 verleibt sich der Norden den allein gelassenen Süden ein. Der Krieg hinterlässt ein verheertes Land mit Millionen Opfern – und eine zutiefst verunsicherte Supermacht.

Die nächste Ausgabe von GEOEPOCHE erscheint am 17. August 2016.

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