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Space Race Wettlauf zum Mond: So gelangte der Kalte Krieg ins All

Ihr Ziel ist der Erdtrabant: Zwei geniale Raketenkonstrukteure tragen den Kampf der Supermächte ins All
Weltraumpioniere: von Braun, Koroljow

Weltraumpioniere: von Braun, Koroljow

Panik scheint US-Präsident John F. Kennedy zu treiben, als er am 21. April 1961 ein Memorandum an seinen Vize Lyndon B. Johnson schreibt: Es müsse doch möglich sein, die Sowjetunion irgendwie zu schlagen! Vielleicht mit einem Astronauten auf dem Mond? Denn es ist etwas geschehen: Der erste Mensch im All ist ein Russe; Jurij Gagarin hat in 89 Minuten mit der Raumkapsel „Wostok 1“ einmal die Erde umrundet.

Um diese Schmach wettzumachen, wendet sich die US-Regierung an die Weltraumbehörde NASA und deren leitenden Raketeningenieur Wernher von Braun – jenen preußischen Freiherrn, der für Adolf Hitler die berüchtigte „Vergeltungswaffe“ V2 entwickelt hat und nach Kriegsende vom amerikanischen Militär nach Texas geholt worden ist.

Der Kalte Krieg förderte die Raumfahrt

Von Braun erklärt, man könne noch vor Ende des Jahrzehnts einen Mann auf den Mond bringen – und so den mysteriösen Kopf des sowjetischen Weltraumprogramms übertrumpfen: Sergei Pawlowitsch Koroljow. Der arbeitet seit Jahren in einem Geheimlabor daran, den Vorsprung der UdSSR im Wettlauf um die Vormacht im All zu halten. Bereits 1955 hat Kennedys Amtsvorgänger Dwight D. Eisenhower die Absicht verkündet, einen Forschungssatelliten in den Orbit zu bringen. Wernher von Braun hatte zuvor im Auftrag des US-Militärs eine Rakete konstruiert, die er nun zum Trägersystem für die Raumfahrt umbauen wollte.

Doch auch Koroljow tüftelte längst an einer Langstreckenrakete und dem Sprung ins All. Der Ingenieur war als angeblicher „Trotzkist“ jahrelang in einem Lager interniert gewesen, nach seiner Entlassung 1944 aber zum Chefkonstrukteur des sowjetischen Raketenprogramms aufgestiegen. Die Arbeit von Brauns kannte er aus eigener Anschauung: Nach Kriegsende hatte er die Produktionsstätten der V2 in Deutschland inspiziert.

Mit dem Argument, ein aus dem All fotografierender Satellit sei das perfekte Spionagegerät, überzeugte Koroljow die Kremlführung, sein Raumfahrtprogramm zu starten – und triumphierte: Am 4. Oktober 1957 funkte der sowjetische Satellit „Sputnik“ die ersten Signale aus dem All. Das „Space Race“ der Supermächte hatte vor der Weltöffentlichkeit begonnen.

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Eine kraftvolle Rakete sollte den ersten Astronauten zum Mond bringen

Erst Monate später konnte auch von Braun einen US-Satelliten in eine Umlaufbahn schießen. Bald darauf wechselte er zur neu gegründeten NASA – und arbeitete nun mit aller Kraft daran, als Erster ein bemanntes Raumschiff in den Orbit zu bringen. Doch wieder war Koroljows Team schneller. Im April 1961 flog Jurij Gagarin als erster Mensch durch das All.

Präsident Kennedy antwortet darauf nun mit einem milliardenschweren Anschub des kurz vor seiner Wahl ins Leben gerufenen „Apollo“-Programms: Es soll bis 1969 einen Amerikaner auf den Mond bringen. Hunderttausende Techniker und Wissenschaftler arbeiten für die NASA, von Braun ist verantwortlich für den Bau der „Saturn V“, einer gigantischen Rakete, die imstande ist, ein Raumschiff bis zum Erdtrabanten zu transportieren.

Koroljow entwickelt ebenfalls eine solche Trägerrakete, die N1, muss aber gegen bürokratische Hindernisse und immer wieder um Geld für sein Vorhaben kämpfen: Die So- wjetführung schwankt in der Frage, welchen Wert sie der zivilen Raumfahrt beimessen soll, spaltet das Mondprogramm zudem in verschiedene, unkoordinierte Projekte auf.

USA gewinnt den Wettlauf zum Mond

Anfang 1965 stirbt der Raketenpionier überraschend. Die Parteiführung ahnt die Dimension dieses Verlusts: Sie ehrt den „Chefkonstrukteur“ mit einem Staatsbegräbnis an der Kreml- Mauer – und gibt nun erst, da das ganze Land um ihn trauert, Koroljows Identität preis.

Ohne den genialen Wissenschaftler gelingen der Sowjet-Raumfahrt kaum noch Fortschritte, alle N1-Testflüge geraten zur Katastrophe. Und so steht am 20. Juli 1969 der Amerikaner Neil Armstrong als erster Mensch auf dem Mond – ins All getragen von der „Saturn V“. Die Sowjetunion versucht noch weitere fünf Jahre, mit den USA gleichzuziehen, dann stampft sie ihr Mondlandeprogramm ein. Koroljows Raketen landen: auf dem Schrott.

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