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Dichtung und Realität 5 Irrtümer über Macbeth – die William Shakespeare verbreitet hat

Der berühmteste schottische König ist Opfer einer genialen Verleumdung. Erst das um 1606 entstandene Drama des Dichters William Shakespeare ruiniert Macbeths Ruf
5 Irrtümer über Macbeth – die William Shakespeare verbreitet hat

"Macbeth and the Murderers" (Cattermole) zeigt die erste Szene des dritten Akts - Macbeth plant den Mord an Banquo, König Duncans Heerführer

1. Macbeth war ein Thronräuber

Shakespeare schildert Macbeth als einen von Ehrgeiz getriebenen Mann, der den rechtmäßigen König Duncan aus purer Machtgier stürzt – und ermordet. Dabei hat Macbeth durchaus einen legitimen Anspruch auf den Thron. Im 11. Jahrhundert ist die Erbfolge in Schottland noch nicht festgelegt und so ringen immer wieder mehrere Zweige des Könighauses um die Krone. Macbeth ist ebenso wie Duncan ein Enkel von König Malcom II., der im Jahr 1034 gestorben ist, ohne einen Sohn zu hinterlassen. Zudem hat er sich zuvor in seiner Heimatprovinz einen Namen als entschlossener Anführer gemacht.

 

2. Macbeth war ein blutrünstiger Tyrann

Glaubt man William Shakespeare, dann war Macbeth ein besonders grausamer Monarch. Nicht nur seine politischen Widersacher, sondern auch Kinder und Frauen ließ der Tyrann angeblich umbringen. Tatsächlich gibt es dafür kaum Beweise: Zwar erwähnt ein Chronist, dass der König anfangs mit harter Hand regiert und Gegner hinrichten lässt. Danach brechen jedoch friedlichere Zeiten an. Macbeth kümmert sich nun um sein Seelenheil, stiftet Klöster und pilgert wohl im Jahr 1049 sogar nach Rom. So bringt Macbeth den Schotten relativen Frieden und Sicherheit.

 

3. Macbeth gehorchte dunklen Mächten

Gewitterwolken türmen sich auf, die Heide ist düster. Da betreten drei Hexen die Bühne. Ihre Prophezeiung, Macbeth werde eines Tages König von Schottland sein, markiert im gleichnamigen Drama den Beginn einer tragischer Entwicklung. Denn Macbeth glaubt den weird sisters, wie Shakespeare sie nennt, und scheut vor nichts zurück, um ihre Prophezeiung zu erfüllen. Historisch lässt sich der Aberglaube, der Macbeth angeblich ins Verderben stürzt, aber nicht belegen. Vermutlich hat der Dichter ihn zu einem Leitmotiv der Tragödie gemacht, um seinem wichtigsten Zuschauer, König Jakob I., zu gefallen. Der Monarch interessiert sich sehr für die Hexerei.

 

4. Macbeth wurde von Macduff umgebracht

Im letzten Akt von Shakespeares Drama befreit Lord Macduff Schottland von der Tyrannei des grausamen Königs. Diese Tat hat der Dichter allerdings für seine Tragödie erfunden – in Wahrheit ist es Macbeths Nachfolger, Duncans Sohn Malcolm, der gegen ihn in die Schlacht zieht und ihn vermutlich auch erschlägt. Der Grund für die Geschichtsfälschung: Shakespeare, selbst Günstling eines schottischen Monarchen, wollte den neuen König nicht zum Mörder machen.

 

5. Macbeth war ein unbeliebter König

Es ist schwierig, die Beliebtheit eines Königs, über den ohnehin wenige Quellen existieren, historisch exakt zu messen. Die Vermutung, dass Macbeth in Wahrheit beliebter war, als es Shakespeares suggeriert, liegt trotzdem nahe: Nach seinem Tod wurde er auf der heiligen Insel der Schotten, Iona, begraben – inmitten seiner Vorgänger auf dem schottischen Thron.