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Seit Jahrtausenden sind die Memnons-Kolosse die einzigen weithin sichtbaren Zeugnisse des "Millionenjahrhauses" Amenophis' III., das dieser Pharao ab etwa 1388 v. Chr. auf der Westseite des Nil bei Theben zu Ehren seines göttlichen Vaters Amun und seiner selbst errichten ließ

Um 1210 v. Chr. zerstörte ein schweres Erdbeben den Tempel Amenophis' III. Statuen zerbarsten, Mauern stürzten. Steinräuber bauten das Heiligtum bis auf die Fundamente ab. In den so entstandenen Gräben finden Archäologen nun, was im Altertum keine weitere Verwendung fand, etwa Sphingen des Königs und seiner Hauptgemahlin Teje

Per Flaschenzug heben Arbeiter einen Sphinx aus jenem Graben, in dem einst die Fundamente für die Ostwand des Kollonadenhofes des Tempels verliefen

Transport wie zu Zeiten der Pharaonen: Über Rundhölzer und eine Rampe ziehen die Männer den zweiten Sphinx aus dem Graben. 250 Ägypter aus der Region finden bei den Archäologen für mindestens zweieinhalb Monate im Jahr Arbeit

Fünf Jahre haben Restauratoren benötigt, diesen Koloss Amenophis' III. wiederzuerrichten. Im Frühling 2008 steht er erstmals seit Jahrtausenden wieder aufrecht: Allein der zuletzt aufgesetzte Kopf ist ein Abguss. Denn das Original aus Quarzit, heute im British Museum London, hatten Statuensucher im frühen 19. Jahrhundert nach Europa verschifft

work in progress: Von der Höhe eines stabilen Holzgerüstes aus lassen Arbeiter die "Oberschenkel" des Kolosses per Flaschenzug auf die zuvor wiedererrichteten Unterschenkel sinken

Hilfskräfte reinigen die von Kalk überzogene Vorderseite einer monumentalen "Stele", eines mit Hieroglyphen beschriebenen Denksteins. Den Text, vor allem Lobpreisungen auf den Gott Sokar, bearbeitet wie alle Inschriften auf der Ausgrabung der renommierte Ägyptologe und Ehemann der Grabungsleiterin Rainer Stadelmann

Durch Zeltbahnen vor der Sonne geschützt bearbeiten ägyptische Spezialisten und ausländische Studenten die in Tausende Fragmente zersplitterten Kolosse Amenophis' III., die einst den zweiten Pylon (Torbau) des Tempels flankierten

Eine riesenhafte Hand ruht auf einem rechten Knie, vorn links liegt das Fragment eines Schienbeines, ganz hinten erhebt sich die Brust eines steinernen Giganten: Die Funde, die Hourig Sourouzian, Rainer Stadelmann und ihr Team machen, sind selten leichter als ein paar Tonnen

In der Ferne schauen die Memnons-Kolosse gen Osten. Einstmals erhob sich direkt hinter ihnen der erste Pylon, etwa 100 Meter weiter in ihrem Rücken folgte das zweite Tempeltor aus ungebrannten Lehmziegeln, von dessen Eingang aus diese Aufnahme entstand. Im Vordergrund jene Grabungsfläche, aus der die Teile der beiden hier im Altertum zerstörten Giganten stammen

Blick nach Westen über die alte Tempelachse: Der österreichische Archäologe Josef Dorner, ein Teammitglied der ersten Stunde, und ägyptische Grabungsarbeiter erkunden den einstigen Durchgang des zweiten Pylon. Eine temporär installierte Pumpe (rechts) sorgt für wenigstens halbwegs trockene Verhältnisse

Der Ägyptologe Christian Perzlmeier (ganz rechts) im Einsatz an der Pumpstation: Der Münchner ist mittlerweile nicht nur Spezialist für die zahlreichen hier gefundenen Statuen der Löwengöttin Sachmet, sondern vor allem für Hebe- und Vermessungstechnik und jene fest installierte Grundwasserabsenkungsanlage, die das Arbeiten der Archäologen überhaupt erst möglich macht

Ohne die beiden Freundeskreise des Projektes und zahlreiche Stiftungen hätten Hourig Sourouzian, Rainer Stadelmann, Josef Dorner und all die anderen die Arbeiten längst einstellen müssen. Die durch Spenden finanzierte Restaurierungswerkstatt, das einzige feste Gebäude an der Ausgrabungsfläche, soll in ein paar Jahren als Museum dienen

Unter den Augen von Ägyptenreisenden säubern Restauratoren den südlichen der beiden Memnons-Kolosse von ätzendem Vogelkot und Salzausblühungen. Selbst der Parkplatz für die Touristenbusse vor den Füßen der Giganten ist eine Bedrohung für die steinernen Giganten: Die Vibrationen der Motoren bringen den Skulpturen winzige Risse bei. Wasser dringt ein, löst Salze aus dem Stein, die an der Oberfläche auskristallisieren und dort wie kleine Sprengbomben wirken

Die Frühjahrskampagne der Archäologen ist beendet, zum Abschlussfoto haben sie sich um den südlichen der beiden Memnons-Kolosse versammelt. Im November sollen die Fundamente für die Wiedererrichtung zweier thronender Riesen vor dem zweiten Pylon gegossen werden. Wenn die Finanzierung klappt, grüßen ab 2009 nicht mehr nur die beiden "Memnons" die Besucher der thebanischen Totenstadt, sondern vier steinerne Giganten

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