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Das Magazin für Geschichte

Eine neue Welt erwartet den, der sich in den 1920er Jahren der Insel Manhattan vom Atlantik her nähert. Innerhalb von drei Jahrzehnten ist die Stadt zu einem unüberschaubaren Gewirr von Wolkenkratzern und Straßenschluchten geworden – ein Anblick, den es so zuvor nie gegeben hat. Der Dichter Walt Whitman ist davon so überwältigt, dass er New York nicht mit den Weltwundern der Menschen vergleicht, sondern mit den erhabenen Schöpfungen der Natur

Die stählerne Schneise der Hochbahn überspannt den New Yorker Verkehr, der wie hier auf der Sixth Avenue immer dichter wird. An dieser Kreuzung, nach der dort ansässigen Zeitung "Herald Square" getauft, entsteht "Macy’s", eines der größten Kaufhäuser auf dem Globus

Straßenbahn am Broadway: New York ist die erste Stadt mit diesem modernen Transportmittel. Im November 1832 nimmt die Straßenbahn mit Pferdegespannen ihren Betrieb auf, bald folgen Dampflokomotiven und ab 1893 elektrische Antriebsysteme

Der Bau des Flatiron Building ließ die Menschen des Jahres 1902 staunen. Um die Möglichkeiten der neuen Stahlkonstruktionsweise zu beweisen, errichteten die Architekten die Fassade in umgekehrter Reihenfolge über dem tragenden Skelett: von oben nach unten. Die Bügeleisenform ("flat iron") ermöglicht die optimale Ausnutzung der gesamten Grundstücksfläche

Als die Brooklyn Bridge 1883 fertiggestellt wird, ist sie mit 1,8 Kilometern die längste Hängebrücke der Welt. Das Monument aus Stahl begeistert: als Symbol des Fortschritts und als Zugang zur Stadt der Träume

Wenn die New Yorker sich von der Hektik der Metropole erholen wollen, dann fahren sie am Wochenende hinaus nach Coney Island. Dieses Areal am Südende von Brooklyn ist seit den 1830er Jahren die Sommerfrische der Reichen. Bald jedoch bringen Ausflugsdampfer ein Massenpublikum an den Strand. Es gibt Badehotels, Pferderennen und bayerisches Bier. Bis zum Zweiten Weltkrieg entsteht hier der größte zusammenhängende Vergnügungspark der Erde

Smoking, Palastarchitektur und fantastische Dekorationen bieten die Kulissen für die offiziellen Banketts, bei denen wichtige Informationen den Besitzer wechseln, Geld zugesagt oder Unterstützung abgelehnt wird. Wie hier bei einem Dinner der "Tammany Hall", des Clubs der demokratischen Partei, die in den Aufbruchjahren wie keine zweite Gruppe in New York für Korruption und Klientelwirtschaft steht

Um die Handelsniederlassung der Niederländer auf der Insel Manna-hata vor Überfällen zu schützen, lässt Generaldirektor Petrus Stuyvesant um 1650 einen Verteidigungswall errichten. Im 19. Jahrhundert wird aus der Wall Street am einstigen Stadtrand das Finanzzentrum der Metropole – und später des gesamten Globus. Der New Yorker Börsencrash von 1929 löst die erste Weltwirtschaftskrise aus

Ende des 19. Jahrhunderts treffen täglich Schiffe mit Immigranten aus Europa in New York ein. In der Einwandererstation auf Ellis Island werden die Ankömmlinge auf ihre Eignung als Amerikaner untersucht: denn Kranke und Kriminelle sind nicht erwünscht

Der 60 Meter hohe "Electric Tower" überragt die künstliche Lagunenlandschaft des Luna Park auf Coney Island. Die Hauptattraktionen dieser Vergnügungsmeile sind eine Reise zum Mond, ein Säuglingsinkubator und dressierte Elefanten. In den 1920er Jahren verbraucht der Park so viel Strom wie eine durchschnittliche amerikanische Stadt

Waschtag: Während des 19. Jahrhunderts wächst die Einwohnerzahl New Yorks um das Dreißigfache. Die meisten der Zugezogenen bleiben arm und zumeist auch unter ihresgleichen: in baufälligen Wohnvierteln wie Little Italy oder Chinatown

Seit 1850 schuften Männer aus dem Reich der Mitte in Minen und Betrieben an der Westküste der USA. Während der Wirtschaftkrise der 1870er Jahre verhängt die Regierung jedoch ein Einwanderungsverbot für Chinesen. Massenhaft werden die Gastarbeiter aus dem Westen vertrieben. Viele lassen sich nun in den großen Städten am Atlantik nieder. Im Süden Manhattans ensteht so die mit 300 000 Einwohnern größte chinesische Siedlung außerhalb Asiens: Chinatown

Little Italy ist um 1900 der erste Anlaufpunkt für italienische Einwanderer. Hier finden sie eine neue Heimat in der Fremde. Hier ist jeden Tag Markt, und hier wird jedes Jahr zehn Tage lang das Fest des San Gennaro gefeiert, des Ortsheiligen von Neapel. Die italienische Gemeinde New Yorks versucht, am Hudson so zu leben wie am Mittelmeer, und wird prägend für die Kultur der gesamten Stadt

"Gebt mir eure Müden, eure Armen, eure bedrängten Massen, die frei zu atmen begehren", steht auf dem Sockel der 1886 errichteten Freiheitsstatue: Für Millionen Immigranten, die hier in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts anlanden, wird die Metropole am Hudson zum Ort der Hoffnung – und der Chancen. Doch dafür, dass das Ideal der Freiheit nicht im Schatten der Monumente verdorrt, dafür muss in New York jeder Einzelne selber sorgen

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