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Der Mythos von Hitlers Autobahn

Bereits kurz nach der Machtübernahme verspricht der neue Kanzler ein »gigantisches« Straßenbauprogramm – ein Symbol für das aufstrebende nationalsozialistische Deutschland und eine milliardenschwere Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, die ein dichtes Netz von Autobahnen über das Reich spannen werde. Doch das Bauvorhaben ist vor allem ein Propagandaspektakel und noch dazu mit einem hohen Preis erkauft: der Gesundheit der bei ihrer Errichtung Beschäftigten.

Das Bauprogramm verschafft den Deutschen zwar das modernste und mit einer Gesamtlänge von mehr als 3600 Kilometern größte Schnellstraßennetz der Welt. Doch die Betonpisten (hier die Verbindung Berlin–München bei Bayreuth) bleiben leer: Nur rund ein Prozent der Bevölkerung besitzt ein Kraftfahrzeug. Während des Krieges werden die verwaisten Autobahnen daher auch für Fahrräder freigegeben.

Viel weniger als die versprochenen 300 000 ehemals Erwerbslosen bauen tatsächlich die von der Propaganda als »Straßen des Führers« glorifizierten Autobahnen, die angeblich Hitler selbst entworfen hat. In Wirklichkeit übernimmt das NS-Regime bereits fertige Pläne.

Die Bedingungen, unter denen die Arbeiter auf den Autobahnbaustellen wie hier 1936 in Oberbayern schuften, sind extrem hart: enge Massenunterkünfte, schlechtes Essen, schaufeln bis zur Erschöpfung. Und wer sich verweigert, dem droht das Konzentrationslager.

Waffen um jeden Preis

Seit 1936 gilt ein »Vierjahresplan«, der Deutschland bis 1940 mit aller Macht aufrüsten und autark machen soll. Dieser Kraftakt, der die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft eigentlich übersteigt, wird zum Großteil über die Notenpresse finanziert, ohne Rücksicht auf die ökonomischen Konsequenzen – und schließlich nur noch mit einer Alternative zum Bankrott: Krieg.

Ab 1936 herrscht aufgrund der Aufrüstung Arbeitskräftemangel. Deshalb müssen nun auch immer mehr Frauen in der Rüstungsindustrie Dienst tun.

GEO EPOCHE PANORAMA Nr. 11/2018: Der NS-Staat

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Als Zeichen der Stärke nach innen und zugleich zur Einschüchterung des Auslands präsentiert die NSDAP auf ihrem Parteitag im September 1937 schweres Geschütz. Inzwischen gibt das Regime fast die Hälfte des Staatshaushalts für Waffen aus.

Panzer-Montage bei M.A.N. in Nürnberg. Um die von Hitler geforderte »Kriegsfähigkeit« herzustellen, forciert die Wehrmachtsführung vor allem den Ausbau motorisierter Heereseinheiten und der Luftwaffe: Die wird 1939 über 4000 hochmoderne Kampfflugzeuge verfügen.

Auch die Marine wird drastisch ausgebaut, hier das Schlachtschiff »Gneisenau« und der Schwere Kreuzer »Blücher« in Kiel. Doch viele Rüstungsvorhaben sind nicht durchdacht: So wäre der Mineralölbedarf der im Jahr 1938 geplanten Schiffe fast so hoch wie der Verbrauch des gesamten Landes in einem Jahr.

Eine Stadt für die "Weltherrscher"

Schon nach kurzer Zeit an der Macht träumen die Nationalsozialisten von einem »Tausendjährigen Reich« und wollen Deutschland für die Ewigkeit formen. Nirgendwo drückt sich dieser Größenwahn so deutlich aus wie in den Plänen, die Hitler für Berlin entwerfen lässt. Zehntausende Häuser sollen abgerissen, Einwohner vertrieben werden – für breite Prachtstraßen und gigantische Monumentalbauten. Die so geschaffene Kapitale eines Imperiums soll auch einen neuen Namen erhalten: Germania. Und sie muss all ihre Größe gründen auf einen brutalen Eroberungszug im Osten.

Diese Rekonstruktion für GEO EPOCHE zeigt die absurden Dimensionen der Pläne: Die Kuppelhalle links soll fast 300 Meter hoch werden und 180 000 Menschen fassen; 17-mal würde der römische Petersdom hineinpassen. Vorn links ein Palast für Hitler, in der Mitte die Reichskanzlei und das Gebäude des Oberkommandos der Wehrmacht, hinten der um einen schlichten Zweckbau erweiterte Reichstag. Und rechts das winzig erscheinende Brandenburger Tor.

Verführung einer ganzen Generation

Die Indoktrination durch das Regime beginnt bereits bei den Kindern. Die Nationalsozialisten wollen linientreue Kämpfernaturen, die sich in den Dienst der »Volksgemeinschaft« stellen. Und so lernen Jungen und Mädchen in der »Hitler-Jugend« zu gehorchen, aber auch zu befehlen und Schwächere zu schikanieren. Mitunter fühlen sich viele der kleinen »Herrenmenschen« sogar ihren Eltern und Lehrern überlegen. Ihre Loyalität gilt allein dem »Führer«. 

Nach dem Einmarsch der Wehrmacht in Österreich im März 1938 jubeln begeisterte Mädchen des »Bundes deutscher Mädel« Adolf Hitler auf seiner Fahrt durch Berlin zu. Die meisten Deutschen sehen in dem Diktator jenen genialen Staatsmann, den die Propaganda unentwegt beschwört. Negatives wird meist nicht ihm angelastet, sondern seinen Untergebenen.

Die jüngsten Knaben sind in der HJ im »Jungvolk« organisiert. Die »Pimpfe« marschieren zum Klang der Trommeln und Fanfaren, lernen strammzustehen und scharfen Kommandos zu gehorchen – militärischer Drill schon für Zehnjährige.

Schüler einer »Nationalpolitischen Erziehungsanstalt«: In den Internaten soll die zukünftige NS-Elite ausgebildet werden. Aufnahmekriterien sind »rassische Eignung« und körperliche Fitness – Brillenträger etwa haben keine Chance.

Der Einstieg in die Uniformität: Auch für die Mädchen im »Jungmädelbund« gilt, dass die Gemeinschaft alles ist, der Einzelne zählt nichts – ein Weltbild, das das Regime in der ganzen Gesellschaft durchsetzen will.

Mädchen des »Bundes Deutscher Mädel« beim Fahnenappell im Sommer 1938 an der Ostsee. Laut Gesetz ist die Hitler-Jugend für die »körperliche, geistige und sittliche« Erziehung außerhalb von Schule und Elternhaus allein zuständig. Ab März 1939 ist der Dienst für alle Jugendlichen verpflichtend.

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