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Barbados, Karibik

GEO adventure: Dein neuester Kunstfilm, der in der Szene begeistert aufgenommen wurde und jetzt auf der International OCEAN FILM TOUR läuft, heißt schlicht „Water II“. Warum dieser Titel?
 

Morgan Maassen: Ich war noch im Schlafanzug, als ich 2014 an einem Morgen den Vorgängerfilm zusammenschnitt. Ich hatte gar nicht vor, ihn zu veröffentlichen. Doch meine Freundin und meine Mutter überzeugten mich. Ich habe nie zuvor einen so abstrakten Film gemacht, daher hielt ich einen schlichten Namen für passend: „Water“. Als ich feststellte, dass ich genügend Material für einen zweiten Teil hatte, war es nur logisch, ihn nach dem ersten zu benennen.

Santa Barbara, Kalifornien

GEO adventure: Die Bilder in „Water II“ wechseln zwischen Schärfe und Unschärfe, zwischen Oberflächen- und Unterwasserperspektiven. Warum hast du dieses Stilmittel gewählt?
 

Morgan Maassen: „Water II“ ist eine Collage aus meinen Lieblingsaufnahmen – die Essenz der vielen Stunden, die ich im Ozean verbringe. Ich versuche, eine möglichst große Vielfalt an  Aufnahmen zusammenzubringen und den Sequenzen dann durch Musik einen Flow zu geben.

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Das Interview ist in der ersten Ausgabe von GEO adventure erschienen.

Teahupoo, Tahiti

GEO adventure: Wenn die Wellen über die Kamera rollen, kann man viele Strukturen erkennen, zum Beispiel röhrenähnliche Formationen. Hast du gezielt danach gesucht?


Morgan Maassen: Ja. Es ist absolut faszinierend, diese Wirbel unter Wasser zu beobachten. Sie treten nur für Sekundenbruchteile auf. Daher musst du dich immer bestmöglich unter der Welle positionieren, damit du sie einfängst. Und sie sind selten – oft warte ich tagelang.

Cabo San Lucas, Mexiko

GEO adventure: Warum bist du Unterwasserfotograf geworden?
 

Morgan Maassen: Ich bin sozusagen am und im Meer aufgewachsen. In Santa Barbara, Kalifornien. Als ich mit zwölf Jahren die Fotografie für mich entdeckte, war es nur natürlich, die Kamera mit in den Ozean zu nehmen. Ich begann sofort, auf ein Unterwassergehäuse zu sparen.

Byron Bay, Australien

GEO adventure: Und wenn du nur an einem Spot sein könntest, welcher wäre das?
 

Morgan Maassen: Tahiti hat das klarste Wasser, das ich je gesehen habe. Dort ist das Meer voller Haie und Wale. Und die heranrollenden Wellen haben eine perfekte Form.
 

GEO adventure: Schon mal in Gefahr geraten beim Fotografieren?
 

Morgan Maassen: Vor den Bahamas hat mich einmal ein Bullenhai lange umkreist, vor Australien haben mich riesige Wellen immer wieder aufs Riff geschmettert. Als dann ein Jetski kam, um mich zu  retten, sind der Fahrer und ich gekentert – fast wären wir zerquetscht worden. Dass der Spot auch noch für Weiße Haie berüchtigt ist, habe ich erst später erfahren.

Cloudbreak, Fidschi

GEO adventure: Deine stärkste Erinnerung ans Meer?


Morgan Maassen: Die erste Welle, die ich erwischt habe. Ich war sieben Jahre alt, und mein Vater hat mich hineingeschubst. Ich konnte sehen und fühlen, wie das Wasser unter mir hinwegglitt, während ich die Welle ritt – das war atemraubend.

North Shore, Oahu, Hawaii

GEO adventure: Surfen bedeutet dir seitdem ...


Morgan Maassen: ... zu tanzen. Mit dem Ozean, mit den Wellen, mit mir. Diese Schönheit fotografisch und filmisch einzufangen ist für mich eine absolute Ehre und eine Aufgabe. Darin gehe ich auf.

Catalina, Panama

GEO adventure: Der Ozean ist für dich zu einem Zuhause geworden.
 

Morgan Maassen: Ich kenne nichts, was schöner, furchteinflößender, mystischer oder inspirierender wäre. Ich wünschte, ich könnte all meine Zeit im Meer verbringen. Vielleicht ist es bald so weit: Wenn ich es irgendwie schaffe, auf einem Segelboot zu leben.