Zehn Hotels, 11 000 Kilometer

Die zehn schönsten Hotels in Europa in drei Wochen - ein Traum. Aber auch ein Traumjob? Fotograf Hauke Dressler über die Mühen der Leichtigkeit

Die schönsten Hotels des Kontinents für die Titelgeschichte von GEO SAISON zu fotografieren - da ist doch jeder Kollege neidisch, oder?

Stimmt, jedenfalls alle, die leidenschaftlich gerne organisieren. Binnen drei Wochen zehn Hotels verstreut über ganz Europa zu fotografieren, ist eine logistische Herausforderung am Rande des Wahnsinns. Die Entscheidung, welche unsere zehn besten Hotels sind und welche wir für die Fotostrecke besuchen, wird erst im August endgültig gefällt. Ende September muss ich meine Bilder aber schon im Kasten haben. Nur bis dahin haben wir eine verlässliche Chance, dass Wetter und Licht überall mitspielen.

Das klingt tatsächlich eher anstrengend als beneidenswert.

Den Stress vergisst man ja zum Glück schnell wieder. Währenddessen aber muss alles wie am Schnürchen klappen. Grob überschlagen, muss ich für eine solche Produktion rund 11 000 Kilometer zurückgelegen. Den Bildern darf man natürlich keinerlei Anstrengung ansehen. Im Gegenteil: Sie sollen die Leichtigkeit des Seins transportieren, den Charme und die Schönheit der Hotels und Plätze.

Zehn Hotels, 11 000 Kilometer

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Was ist das optische Konzept einer solchen Fotostrecke?

Professionelle Subjektivität. Damit meine ich, dass ich in kürzester Zeit mit meinem ganz eigenen Blick die Persönlichkeit eines Hotels erkennen und diese dann ins Bild bannen muss. Ich muss mich überraschen lassen: Was ist das Besondere an diesem Ort, welche Atmosphäre hat das Haus? Im Idealfall begleite ich Gäste, zu denen ich einen Draht entwickele und die mitspielen, durch einen perfekten Tag. Dabei muss jedes Hotel in seiner Kategorie – ob Familien-, Luxus-, Strand-, Land- oder Stadthotel – erkennbar bleiben. Und am Ende soll bei aller Unterschiedlichkeit ein Fotostil erkennbar sein, meine Handschrift.

Wie viele Fotos machst Du dafür?

Das dürfte jeden Amateur beruhigen: Seit ich digital fotografiere, schieße ich zwischen 1000 und 1500 Fotos pro Hotel und liefere der Redaktion dann eine Auswahl von rund 100, von denen es schließlich fünf ins Heft schaffen. Als ich noch auf Film gearbeitet habe, waren es übrigens zwischen 200 und 250 Fotos pro Hotel.

Gibt es etwas, das die besten Hotels gemeinsam haben?

Gute Hotels, hat ein Chefredakteur von GEO SAISON einmal geschrieben, erkennt man daran, dass die Gäste sich dort ganz entspannt bewegen, sich wie zuhause fühlen. Das stimmt. Unsere Favoriten zeichnet allesamt eine Atmosphäre aus, in der sich die Gäste nahe kommen, sie sich austauschen. Solche Nähe entsteht immer dort, wo sich das Personal auch persönlich einbringt, wo die Lebenserfahrung der Hoteliers dazu führt, dass ihre Häuser einen eigenen Charakter entwickeln.

Welcher Hotel-Typ bist Du privat?

Ganz ehrlich? Ich liebe Camping. Da muss ein Hotel also schon sehr viel besser sein als ein guter Zeltplatz in der Natur. Unsere Top 100 können mich aber immer wieder in Versuchung führen, das Zelt doch gegen ein Hotel zu tauschen.

Weitere Themen im aktuellen Heft von GEO SAISON:

- Spreewald: Wintermärchen aus Eis und Schnee

- Familienferien in Süditalien: Antike für Anfänger

- Kopenhagen: Die Stadt, die gute Laune macht

- Dossier Pilgerreisen: Auf göttlicher Mission in Deutschland

- Kapverdische Inseln: Vulkane, Strände und afrikanische Magie

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