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Ein Wald voller Zahlen


Wie setzt man die Zahl Pi ins Bild? Mit Kabelbinder, Wasserwaage und endloser Ausdauer, wie GEO-Redakteurin Sabine Wuensch erfuhr

Die Aufgabe: Setze das Treffen der Freunde der Zahl Pi am 14.3. in Nörten-Hardenberg optisch spannend um (GEO 3/2010). Zu erwarten: eine Gruppe Menschen, die hauptsächlich – und optisch wenig ergiebig - dasitzen und sich über ihre Lieblings-Zahlenfolge unterhalten. Es galt Ideen zu entwickeln, die sich an einem Tag umsetzen lassen und den Ablauf des Tages der Pi-aner nicht allzu sehr stören.

Brainstorming: eine mehrstündige Sitzung mit GEO-Bildchefin Ruth Eichhorn und den Hamburger Fotografen Heiner Müller-Elsner und Marc Steinmetz. Eine Menge Pläne entstand, doch die Vor-Recherche ergab, dass die meisten scheitern würden, etwa an passenden Räumen vor Ort - z.B. für 3000 Luftballons - und an der Unmöglichkeit, die Ballons über Nacht aufzupusten. Die finale Idee: ein Foto im Wald, auf den Bäumen die Ziffern der Zahl Pi. Der Zahlenwald von Pi.

Anreise am Freitag, den 13., im Gepäck: gelbe A3-Kartons, darauf die Ziffern, Kabelbinder, Holzklötzchen, Kreide, Leiter, Wasserwaage und Tacker. Google Earth hatte üppigen Wald um Nörten-Hardenberg gezeigt, aber nicht die Hügel, die uns erwarteten. Erste Aufgabe: Suche eine Stelle, die im Foto wie eine Ebene aussieht. Lösung: Bergkuppe! Für GEO-Bildredakteurin Sabine Wuensch, eine tapfere Raucherin, war das Erklimmen des Hügels samt schwerer Tasche und Alu-Leiter eine überaus sportliche Herausforderung.

Die Zahl im Wald an lauter Bäumen sehen: Pi-aner mit ihrer wundersamen Ziffernfolge bei Nörten-Hardenberg
Die Zahl im Wald an lauter Bäumen sehen: Pi-aner mit ihrer wundersamen Ziffernfolge bei Nörten-Hardenberg
© Marc Steinmetz
Die letzte Pappe war eine Null: GEO-Redakteurin Sabine Wuensch, nachdem sie (fast) alle Spuren der Fotoproduktion beseitigt hatte
Die letzte Pappe war eine Null: GEO-Redakteurin Sabine Wuensch, nachdem sie (fast) alle Spuren der Fotoproduktion beseitigt hatte
© Marc Steinmetz

Oben angekommen, wurde zunächst die perfekte Baumgruppe auserwählt. Anschließend postierte sich Fotograf Marc Steinmetz gemütlich hinter seiner Kamera und dirigierte Sabine Wuensch, ausgestattet mit einem gelben Probeschild, von Baum zu Baum – wo das Schild in Höhe und Lage jeweils am Stamm ausgerichtet und die Position mittels Kreidestrichen markiert wurde.

Der nächste Akt: An allen markierten Baumstämmen Kabelbinder anbringen, und die Holzklötzchen zwischen Stamm und Kabelbinder klemmen. Hätten es die GEO-Kollegen doch nie gewagt, auch nur eine Quadratmillimeterchen Rinde zu verletzen. Die Kartons mit den Ziffern wurden erst am nächsten Tag angebracht, ein Regenguss hätte sie aufweichen können. Am Pi-Tag noch einmal: erneutes Ausrichten aller Schilder, mit Hilfe einer Wasserwaage – so viel Präzision muss sein. Erst Minuten bevor die Gruppe für das Foto antrat, war das Werk vollbracht.

Nach Vollendung haben Fotograf und Redakteurin natürlich sämtliche Kabelbinder und Holzklötzchen entfernt, nur die Kreidestriche blieben. Würde ja der nächste Regenguss abwaschen, dachten sie. Bis sie auf den Verwalter des Waldes stießen, dessen Erlaubnis sie zwar eingeholt hatten, der ihnen dennoch eine Tirade nicht ersparte darüber, was es heißt, einen Wald exakt so zu verlassen, wie man ihn vorgefunden hatte.

Sabine Wuenschs Angebot, mit einem nassen Schwamm jeden Baumstamm zu reinigen, wollte er dann aber doch nicht annehmen.

Als das Team Nörten-Hardenberg am Abend verließ, fing es an zu regnen.


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