GEO Special Paris

Nicht auszumalen: Paris ohne Eiffelturm. Deshalb bekommt das Wahrzeichen zwecks Konservierung momentan frische Farbe. Ein GEO-Team war angeseilt dabei und traf auf Menschen, die nicht nur mit der schwindelerregenden Höhe kämpfen

Normalerweise streichen sie Hochspannungsmasten oder Hafenkräne. Aber nun haben die Wirren des europäischen Arbeitsmarktes 23 rumänische Leiharbeiter zum Eiffelturm gespült: 60 Tonnen Farbe sollen sie dort noch bis zum Herbst auf 18 038 Verstrebungen und 2,5 Millionen Nieten verteilen. Sie schmirgeln fingerdicke Schichten Taubendreck ab und hantieren in bis zu 300 Meter Höhe mit Eimern voll Farbe. Da alles für 60 Euro netto pro Tag, den französischen Mindestlohn, wie GEO-Special-Redakteur Ariel Hauptmeier recherchierte.

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Alte Liebe rostet nicht? Oh doch!

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60 Tonnen Farbe, verteilt auf 18038 Verstrebungen und 2,5 Millionen Nieten

Hauptmeier, 40, hatte zunächst nur die Erlaubnis, den Anstreichern vier Stunden lang zuzusehen – ohne mit ihnen zu sprechen. Am Ende nahm der schwindelfreie Kletterer weit mehr mit, auch Flecken auf seiner Jacke. Sein Eindruck: Die Arbeiter stehen unter enormem Druck. Wer etwas fallen lässt, riskiert die Kündigung. Allerdings ist jede Unaufmerksamkeit tatsächlich gefährlich: Nach über 100 Metern freiem Fall wird auch ein Pinsel zum tödlichen Geschoss. Einige Maler sind bereits freiwillig ausgeschieden wegen des harschen Tons, den die griechischen Vorarbeiter anschlagen, andere wollen durchhalten.

"Ich hoffe, dieser Job ist der Start einer Karriere für mich", erzählte ein Anstreicher dem Reporter. Denn kann nicht, wer hier am Seil gehangen hat, überall arbeiten? Als Fensterputzer an Dubais Burj Al Arab etwa, auf Ölplattformen. Den Eiffelturm kennt schließlich jeder. Die meistbesuchte Sehenswürdigkeit der Welt.

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Den Kleckerkram nehmen die Arbeiter mit Humor – der Druck der Vorgesetzten treibt manchen zur Aufgabe

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GEO-Special-Redakteur Ariel Hauptmeier (ganz rechts) baumelte mit den Anstreichern hoch am Turm

Alle sieben Jahre wird der Koloss an der Seine neu gestrichen, im Laufe der Jahrzehnte war er bereits orangegelb und kastanienbraun, nun ist es ein Bronzebraun, norwegisches Fabrikat. 250 Tonnen Farbe, so eine Schätzung, haben sich im Verlauf der bislang 18 Tünchen auf den Metallstreben angesammelt. Eines Tages muss der Turm komplett abgeschliffen werden. Aber wie, ohne ihn auf Jahre für die Öffentlichkeit zu sperren? Die Suche nach einer geeigneten Methode hat begonnen.

Das GEO Special Paris kostet acht Euro, mit DVD 15,90 Euro, und erscheint am 4. August 2010.

Weitere Themen:

Zukunftsvisionen: Wie Paris zur Hauptstadt des 21. Jahrhunderts werden soll.

Fünf Sterne mit Sternchen: Die Revolution in den Palast-Hotels von Paris.

Paris Plages, Marché Raspail, Parc Floral: Wo man im Sommer sein muss.

Die Pariserin von heute: Für was sie lebt, wie sie wohnt, was sie liebt.

Die Unbekannten: Museen, die man kennen sollte.

Der Grand Prix de la Meilleure Baguette: Wer das beste Baguette der Stadt backt. Plus: Die besten Bäckereien.

Neuf-trois: Wo sich die Zukunft der Stadt entscheidet.

Test: Mona Lisa, Triumphbogen, Eiffelturm, Notre Dame, Centre Pompidou, Angelina - wo steht man am längsten an? Und: Wie Wartezeiten zu vermeiden sind.

Buttes Chaumont: Liebeserklärung an einen Park.

Lieblingsgericht: Das Rezept für die beste Tarte Tatin der Stadt.

Service: Sieben perfekte Tage in Paris – eine Pariserin führt durch ihre Viertel.

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