Die Engländerin Jane Goodall feiert im Jahr 2010 ein Jubiläum. Vor rund 50 Jahren begann sie, im Gombe Nationalpark im afrikanischen Tansania das Verhalten von Schimpansen zu erforschen. Ihre Erlebnisse dort revolutionierten nicht nur die Forschung über Menschenaffen, sondern prägten auch ihren weiteren Lebensweg.

Jane Goodall wurde 1934 in London geboren. Nach der Schule arbeitete sie zunächst als Sekretärin, bis eine Schulfreundin sie 1957 nach Kenia einlud. Seitdem sind die Natur und die Menschen Afrikas nicht mehr aus ihrem Leben wegzudenken. Vier Jahre später begann sie, das Verhalten der Schimpansen zu erforschen. Hier hält sie Ausschau nach einer Gruppe Affen im Gombe Nationalpark.

Durch ihren geduldigen und respektvollen Umgang gelangte Jane Goodall schnell in Kontakt mit den Schimpansen. Affe David Greybeard besuchte sie sogar in ihrem Camp. Jane Goodall war die erste Forscherin, die den beobachteten Tieren keine Nummern, sondern Namen gab. Ihre Erkenntnis, dass auch Tiere Gefühle und Persönlichkeit haben, löste eine ethische Revolution in der Wissenschaft aus.

1964 heiratete sie den Niederländer Hugo von Lawick und bekam zusammen mit ihm einen Sohn. Hugo war Tierfilmer, mit ihm drehte Jane Goodall in Afrika viele Filme über ihre Schimpansen.

Obwohl sie nicht studiert hatte, durfte sich Jane Goodall an der Universität Cambridge einschreiben, um ihren Doktor in Biologie zu machen. Ihre Forschungen ergaben, dass Schimpansen ähnlich wie Menschen Werkzeuge gebrauchen. Zum Beispiel benutzen sie Stöckchen, um Termiten aus den Löchern ihrer Bauten zu pulen, oder Steine als Hammer, um Nussschalen aufzubrechen. Auch Janes Kuli ist ein prima Werkzeug, fand Schimpanse Flint.

Damals wie heute kämpft Jane Goodall unermüdlich für die Affen und ihren Lebensraum. Mit anderen Mitgliedern des "Great Ape Projekts" setzt sie sich dafür ein, dass Menschenaffen bestimmte Grundrechte erhalten, die bislang Menschen vorbehalten waren, wie das Recht auf Leben und Freiheit oder das Verbot von Folter.

1977 gründete sie das Jane Goodall Institute for Wildlife Research, Education and Conservation. Die Organisation verfolgt als oberstes Ziel den respektvollen Umgang mit Menschen, Tieren und der Natur und hat heute Büros in insgesamt 22 Ländern weltweit. Seit September 2010 ist das Jane Goodall Institute auch in Deutschland vertreten.

Mit einigen Schülerinnen gründete Jane Goodall in Tansania das Jugendprogramm "Roots & Shoots", wörtlich "Wurzeln & Sprösslinge". Den Namen der Aktion hat sie bewusst gewählt: “Wurzeln kriechen überall unter der Erde und bilden einen festen Grund. Pflanzensprösslinge scheinen sehr zart, aber um Licht zu erreichen können sie Mauern durchbrechen. Stellt Euch vor, dass diese Mauern all unsere Probleme sind, die wir unserem Planeten aufgebürdet haben. Hunderte und tausende an Wurzeln und Sprösslingen, hunderte und tausende junger Menschen auf der gesamten Welt können diese Mauern durchbrechen, um die Welt zu verbessern.”

Inzwischen sind über 10.000 "Roots & Shoots"-Gruppen auf der ganzen Welt aktiv und entwickeln eigene Ideen und Projekte im Bereich Natur- und Umweltschutz, um positive Veränderungen für das Leben auf der Erde herbeizuführen.

Jane Goodall ist heute an mehr als 300 Tagen im Jahr unterwegs. Sie hat die Forschung aufgegeben und setzt sich unermüdlich für den Arten- und Umweltschutz sowie für die Anliegen ihrer Mitmenschen ein. Zu ihren vielen Projekten gehört beispielsweise ein Wiederaufforstungsprojekt oder die Unterstützung von Flüchtlingskindern. Seit 2002 ist sie außerdem Friedensbotschafterin der United Nations.

Jedes Jahr kehrt Jane Goodall in den Gombe Nationalpark zurück, um Zeit mit den Menschen und den Tieren dort zu verbringen und Kraft in ihrer zweiten Heimat zu tanken. 2010 ist sie für ein ganz besonderes Projekt "heimgekehrt", dem Dreh zu einem Kinofilm über ihr Leben. Ein ganzes Jahr lang hat ein Filmteam die heute sechsundsiebzigjährige Jane Goodall durch ihren anstrengenden Alltag begleitet. In diesem Herbst ist der Film "Jane's Journey" auch in den deutschen Kinos zu sehen.

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