Taiwan – Fliegende Fische oder Atommüll?

TAIWAN: Fliegende Fische sind die Nahrungsgrundlage der Tao auf der kleinen taiwanesischen Insel Lanyu. Atommüll und die Großfischerei bedrohen ihre alte Fischerkultur. Die "360° - GEO Reportage" am Samstag, den 5. Oktober um 19.30 Uhr

Ein Film von Werner Kiefer

Seit rund 800 Jahren lebt das Volk der Tao auf der kleinen, zu Taiwan gehörenden Insel Lanyu. Fliegende Fische sind seit jeher ihre Nahrungsgrundlage, besonders in den Sommermonaten, wenn ganze Schwärme auf ihrem Weg nach Japan an Lanyus Küsten vorbeiziehen. Doch das traditionelle Fischerleben der Tao wird nach und nach zerstört. Grund sind die übermächtige Konkurrenz der Großfischerei und auch die Lagerung von radioaktivem Müll aus taiwanischen Atomkraftwerken. Wie lange wird sich die alte Tao-Kultur noch behaupten können?

Die zu Taiwan gehörende Insel Lanyu ist 45 Quadratkilometer groß und mit dichtem Regenwald bewachsen. Nur auf einem schmalen Küstenstreifen siedeln rund 2500 Tao. Die wenigen Männer, die noch regelmäßig auf das Meer fahren, um fliegende Fische zu fangen, sind inzwischen im Rentenalter, die jungen Menschen, nahezu die Hälfte der Tao, haben Lanyu in den letzten Jahrzehnten verlassen, um auf Taiwans Hauptinsel Arbeit und ein besseres Leben zu finden. Neben wirtschaftlichem Stillstand bedroht noch etwas anderes die Insel und ihre Bewohner: Seit den 1980er Jahren lagern an einem Strandabschnitt rund 100.000 Fässer mit radioaktivem Abfall. Wie stark die Belastung ist, weiß niemand. 360° - GEO Reportage hat vor Ort Menschen begleitet, die dem Atommüll den Kampf angesagt haben.

Taiwan – Fliegende Fische oder Atommüll?

Die Tao trocknen die fliegenden Fische. Sie sind ihre wichtigste Nahrungsquelle

Syaman Vongayan ist 49 Jahre alt. Mehr als die Hälfte seines Lebens kämpft er gegen den Atommüll auf seiner Insel. Er ist Vorsitzender der Tao Foundation, einer Bürgerrechtsorganisation, die die Interessen der Tao gegenüber der taiwanischen Regierung vertritt. Obwohl der Atommüll schon lange auf Lanyu lagert, gab es noch nie eine umfassende unabhängige wissenschaftliche Untersuchung über die Belastung für Mensch und Umwelt. 2012 war es ein japanisches Expertenteam, das an verschiedenen Stellen der Insel im Erdreich erhöhte Strahlenwerte erfasst hatte. Taipower, der staatliche Energiekonzern, der für die Mülllagerung verantwortlich ist, interessiert sich nicht für diese Ergebnisse. Man überwache selbst regelmäßig die Insel und bislang habe es nie erhöhte Werte gegeben, lautet die Standardfloskel. Der Tao Syaman Vongayan glaubt Taipower kein Wort. Er befürchtet, dass verstrahltes Abwasser ins Meer gelangt, wo es die traditionellen Fanggründe der Tao verseucht – es wäre der endgültige Todesstoß für die alte Fischerkultur der Tao.

Wiederholungen:

Sonntag, den 6. Oktober um 13.00 Uhr und Samstag, den 12. Oktober um 9.45 Uhr.

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