Chivas, Kolumbiens bunte Busse

Die bunt bemalten Chiva-Busse fahren bis in die entlegensten Bergdörfer. Doch im Wettbewerb mit den modernen Bussen und schnellen Jeeps geraten ihre Fahrer zunehmend unter Druck. Die "360° - GEO Reportage" am Samstag, den 7. Februar um 19.30 Uhr

Ein Film von Stefan Richts

Wunderbar bunt sind die Busse Kolumbiens – die Chivas – und ein Wahrzeichen des südamerikanischen Landes. Über und über detailreich bemalt fahren diese zum Teil Jahrzehnte alten Vehikel bis in die entlegensten Dörfer und sind damit das wichtigste Transportmittel. Im Wettbewerb mit den modernen Bussen und Jeeps geraten die Chivas-Fahrer zunehmend unter Druck. Sie suchen nach einer Zukunft für das farbenfrohe Erbe auf den Bergstraßen. Ohne Chivas wäre Kolumbien nicht mehr das, was es ist.

Andes, eine Kleinstadt in den kolumbianischen Bergen, ist das Zentrum der Chivas-Kultur. Die Busse sind umgebaute Lkw und werden aufwendig per Hand bemalt. Man nennt sie auch "buses de escalera" – übersetzt etwa „Leiterbusse“ -, denn neben den Fahrgästen in der Kabine transportieren die Chivas seit Jahrzehnten auch allerlei Waren und landwirtschaftliche Produkte von und zu den Fincas abseits der Großstädte. Die Waren werden zumeist über Leitern auf dem Dach gehievt und dort verstaut. Die Chivas sichern damit seit langem das Überleben im kolumbianischen Hinterland. 360° - GEO Reportage war mit ihnen unterwegs.

Chivas, Kolumbiens bunte Busse

Die Chivas heißen auch Leiterbusse, "buses de escalera", da mit Leitern die Ladung aufs Dach gehievt wird

Chivas, Kolumbiens bunte Busse

Auf der Rückseite der Chivas finden sich oft religiöse Motive

Einer der erfahrensten Chivas-Fahrer ist Humberto Restrepo, genannt Frijoles, übersetzt „Böhnchen“, denn der 46jährige aß als Kind gerne Bohnen. Er fährt seit 27 Jahren mit seinem Bus über geteerte und unasphaltierte Straßen und Wege quer durch ganz Kolumbien. Zurzeit steuert Frijoles den Bus eines Freundes, da seine eigene Chiva neu bemalt wird. Seit 15 Jahren ist der Bus nicht mehr überholt worden, fünf Millionen Pesos wird die vollständige neue Bemalung kosten, immerhin fast 2000 Euro. Alejandro und Humberto Serna – die Maler, die den Bussen ihren eigenwilligen Charakter geben und sich auch um die Chiva von Frijoles kümmern, sind Stars in Kolumbien. Die Brüder haben die Kunst von ihrem Vater erlernt und setzen seit dessen Tod im Jahr 2010 die Familientradition fort. Unter ihren Händen entsteht in etwa zwei Monaten ein Meisterwerk auf zwei Achsen. Für Frijoles sind die fünf Millionen Pesos eine zwingend notwendige Investition: nur eine überzeugende Chiva-Optik wird auch erfolgreich Fahrgäste anlocken. Außerdem steht in der Bezirkshauptstadt Medellín in Kürze die alljährliche Chivas-Parade samt Wettbewerb an. Bis dahin soll Frijoles´ Chiva fertig sein und hoffentlich auch gut abschneiden.

Wiederholungen:

Sonntag, den 8. Februar gegen 13.00 Uhr.

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Chivas, Kolumbiens bunte Busse

Alejandro Serna bemalt per Hand eine Chiva: seine wichtigsten Utensilien sind Lineal, Bleistift, Zirkel und Pinsel