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Indiens jüngste Polizisten


INDIEN: Im Bundestaat Chhattisgarh gilt bis heute ein seltsames Regelwerk: Stirbt ein Polizist, hat eines seiner Kinder Anspruch auf den Beamtenjob. Schon Zehnjährige sichern so das Einkommen ihrer Familie, nicht immer freiwillig. Die "360° - GEO Reportage" am Samstag, den 16. Mai um 19.30 Uhr

Ein Film von Vardan Hovhannisyan und Emily Mkrtichian

Im indischen Bundestaat Chhattisgarh hat bis heute ein seltsames Regelwerk überdauert: Beim Tod eines Polizisten hat eines seiner Kinder – Junge oder Mädchen – Anspruch auf einen bezahlten Polizeijob. Schon Fünfjährige sollen so das Einkommen ihrer vaterlosen Familie sichern.

Etwa 300 Kinder im indischen Bundesstaat Chhattisgarh melden sich mehrmals pro Woche nach der Schule zum Dienst bei Polizeistationen in ihren Heimatorten. Die Jungen und Mädchen sind zwischen fünf und 17 Jahre alt, sie tragen Khaki-Uniformen wie ihre erwachsenen Polizei-Kollegen, verrichten aber nur einfache Büroarbeiten wie Kopieren oder Akten ordnen. Einmal im Monat erhalten die Kinder ihren Sold – 6000 Rupien, umgerechnet 80 Euro. Auf diese Weise wird den Hinterbliebenen von Polizisten, die im Dienst gestorben sind, ein Einkommen gesichert. Für die Kinder-Cops ist ihr Job allerdings auch eine Belastung – besonders für jene, die sich in der Schule schwer tun. Denn sie müssen ihre Hausaufgaben abends machen, haben nur wenig Zeit zum Spielen. 360° - GEO Reportage hat vier Kinderpolizisten begleitet und nach ihrem Job und ihren Zukunftsträumen befragt.

Der Kinderpolizeidienst von Chhattisgarh ist eine Form der Waisenrente
Der Kinderpolizeidienst von Chhattisgarh ist eine Form der Waisenrente
© Medienkontor / Vardan Hovhannisyan, Emily Mkrtichian
Insgesamt etwa 300 Kinder im indischen Bundesstaat Chhattisgarh melden sich mehrmals pro Woche nach der Schule zum Dienst bei Polizeistationen in ihren Heimatorten
Insgesamt etwa 300 Kinder im indischen Bundesstaat Chhattisgarh melden sich mehrmals pro Woche nach der Schule zum Dienst bei Polizeistationen in ihren Heimatorten
© Medienkontor / Vardan Hovhannisyan, Emily Mkrtichian

Sujit ist neun Jahre alt und einer der jüngsten der zehn Kinderpolizisten in der Polizeistation des Dorfes Bihlai. Sein Vater starb vor zwei Jahren an Malaria. Seitdem kommt Sujit an mehreren Nachmittagen in der Woche zum Dienst. Er ist stolz auf seine Arbeit bei der Polizei, mit der er seine Mutter und drei ältere Brüder unterstützt – auch wenn er manchmal lieber mit seinen Freunden draußen Cricket spielen würde. Sujits Kollege Shivaji ist schon 17 Jahre alt und seit zwei Jahren Kinderpolizist. Die Jungs übernehmen kleine Botendienste, müssen beim Postversand helfen oder die bis zur Zimmerdecke reichenden Aktenstapel sortieren. Der Einsatz der Kinder soll auch gar nicht die Dienstkraft der verstorbenen Väter ersetzen. Vielmehr ist der Kinderpolizeidienst von Chhattisgarh eine Form der Waisenrente. Die 17-jährige Kanchen, die ebenfalls als Kinderpolizistin arbeitet, ist ehrgeizig. Sie strebt schon bald eine höhere Position bei der Polizei an, „um die Gräueltaten an Frauen in Indien zu bekämpfen“. Auch der kleine Sujit möchte später auf jeden Fall ein „echter“ Polizist werden, wie sein Vater. Doch viele Child Officers wollen gar keine Karriere bei der Polizei machen. Shivaji zieht es eher in die freie Wirtschaft, er möchte einmal viel Geld verdienen. Doch dafür muss er zuerst die vielen Examen am Ende des Schuljahres bestehen.

Wiederholungen: Am Sonntag, den 17. Mai um 13.35 Uhr.

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