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Schreibwettbewerb-Sieger: "Erste Liebe"


Manchmal kann ein regnerischer Tag auch seine Vorteile haben. Pferd10 hat in ihrer Erzählung "Ein Glück, dass es regnete" von einem solchen Tag berichtet. Ihr habt die Geschichte zum Sieger unseres Schreibwettbewerbs gekürt.

Es war ein schöner Samstagmorgen. Ich fuhr wie jeden Samstag zum Reiten. Der Wind strich mir um die Nase und ich atmete die schöne Frühlingsluft. Aber irgendetwas war heute anders, das spürte ich. Camero, mein temperamentvoller Hengst, schien das auch zu spüren. Vielleicht war es der Regen, den es heute noch geben sollte. Jedenfalls war er heute ziemlich bockig und zappelig, so dass ich ihn nicht aufzäumen und satteln konnte. Da fragte mich plötzlich jemand: "Soll ich dir helfen?"

In Cameros Boxentür stand ein gutaussehender Junge, der mich schief angrinste. Er trug eine schicke Reithose und gut gepflegte Reitstiefel. Unter seiner Reitkappe lugten rehbraune Haare hervor. Ich guckte mir die Leute in meiner Umgebung zwar nicht so genau an wie die Pferde, aber der hätte mir eigentlich auffallen müssen. Ich klappte meinen Mund auf, um etwas zu sagen, aber es kam nichts heraus. Also nickte ich nur.

Schreibwettbewerb-Sieger: "Erste Liebe"
© Michael Blann/gettyimages

Er verstand etwas von Pferden, das sah man und so schafften wir es zusammen Casmero fertig zu machen. Im Reitunterricht klappte heute gar nichts. Das lag vielleicht daran, dass ich immer seinen Blick im Rücken spürte, denn er ritt hinter mir. Oh man, war das peinlich! Ich dachte, nun würde er mich jeden Moment auslachen, aber stattdessen gab er mir nach dem Reiten Tipps, was ich besser machen könnte. Er wurde mir immer sympathischer.

Flucht vor dem Regen

Dann fuhren wir zusammen zurück, denn er musste in die gleiche Richtung wie ich. Während wir fuhren, unterhielten wir uns. Dabei erfuhr ich auch, dass er Fabian hieß. Als wir gerade durch den Wald fuhren, fing es an zu regnen. Schnell hockten wir uns unter einen Busch, um nicht so nass zu werden. Doch anstatt, dass der Regen weniger wurde, fing es immer heftiger an zu regnen. Da sagte Fabian, dass ganz in der Nähe eine alte Hütte stehe, in der wir uns unterstellen könnten. Er nahm meine Hand und führte mich durch den Wald. "Und was ist mit unseren Fahrrädern?" fragte ich. "Die holen wir, wenn es aufgehört hat zu regnen", antwortete er.

Die Hütte war ein altes Forsthaus und bestand aus Holz. Innen gab es einen geräumigen Raum mit einer Bank, einem Tisch und einer Kommode. In der Kommode fanden wir eine alte Decke, mit der wir uns wärmten, denn wir waren ganz nass und die Luft hatte sich ziemlich abgekühlt. Fabian legte einen Arm um mich. Das tat gut. Bei ihm fühlte ich mich irgendwie sicher. Und er strahlte eine so angenehme Wärme aus, dass mir schon bald nicht mehr kalt war. Ich schaute ihn von der Seite an, und erst da bemerkte ich, was er für ein schönes Gesicht hatte. Seine Haut war leicht gebräunt und seine Augen genauso schön rehbraun wie seine Haare. Da drehte er seinen Kopf und unsere Blicke trafen sich. Wir kamen uns immer näher und schon bald berührten sich unsere Nasenspitzen. Da spürte ich plötzlich seine samtweichen Lippen auf meinen, und in meinem Bauch tanzten tausende Schmetterlinge. Das war ein ganz neues, aber unglaublich schönes Gefühl.

Nach einiger Zeit, ich wusste nicht wie viel Zeit vergangen war, trennten sich unsere Lippen wieder und wir lächelten uns an. Da hörte man, wie der Regen weniger wurde und schließlich ganz aufhörte. Arm in Arm gingen wir zurück zu unseren Fahrrädern und fuhren Hand in Hand nach Hause. Diese Nacht träumte ich von Fabian und meinem ersten Kuss. Wir kannten uns zwar noch nicht lange, aber eins war klar, ich war total in ihn verliebt und ich glaube, er mochte mich auch.

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