STEREO-Mission Zu zweit gegen den Sonnenwind

Die beiden Satelliten der STEREO-Mission sollen die Sonne in die Zange nehmen - um vor Partikelstrahlung warnen zu können

Am 10. März 1989 registrierten Astronomen am Sonnenobservatorium auf dem Kitt Peak in Arizona eine solare Eruption, bei der gewaltige Mengen geladene Teilchen von der Sonnenoberfläche ins All geschleudert wurden. Kaum drei Tage später hatte diese Wolke die Erde erreicht: Am 13. März um 2.44 Uhr kollabierte durch die elektromagnetischen Störungen das Netz des kanadischen Energieversorgers Hydro-Quebec. Sechs Millionen Menschen waren neun Stunden lang ohne Strom, der Schaden belief sich auf mehrere hundert Millionen Dollar. Kein Wissenschaftler hätte dieses solare Unwetter vorhersagen können.

Das soll sich jetzt ändern. Denn im Januar 2007 beziehen zwei einzigartige Wetterstationen ihre Positionen auf der Sonnenumlaufbahn der Erde: die NASA-Zwillingssatelliten STEREO-A und STEREO-B, die Ende Oktober 2006 vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida ins All geschickt worden sind. STEREO-A soll der Erde bei ihrem Lauf um die Sonne vorauseilen, STEREO-B wird dem Planeten folgen. Der Name STEREO steht für "Solar Terrestrial Relations Observatory" und beschreibt den Auftrag der Stationen: die Beobachtung von Vorgängen auf der Sonnenoberfläche, die Auswirkungen auf die Erde haben können.

Vor allem die Partikelwolken aus "koronalen Massenauswürfen" (CMEs) gefährden die empfindliche Elektronik von Wetteroder Kommunikationssatelliten, und mehr noch die Astronauten auf der Internationalen Raumstation: Würden diese von einem solchen Sturm überrascht, "könnten sie die schädliche Strahlendosis eines ganzen Jahres abbekommen", sagt der NASA-Projektmanager Nicholas Chrissotimos. Mit dem Satellitenpaar beginne "eine neue Ära" der Sonnenbeobachtung. Denn die beiden identischen Sonden erlauben durch ihre Positionierung und Ausstattung erstmals einen dreidimensionalen Blick auf jene Eruptionen, die direkt auf die Erde gerichtet sind. Bisher ließen sich fast nur CMEs am Rande der Sonne beobachten, die im 90-Grad-Winkel zur Achse zwischen Erde und dem Gestirn stattfanden. Energieversorger hätten durch das neue Detektionsverfahren genügend Zeit, sich auf Störungen einzustellen.

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Besonders hohe Temperaturen herrschen in hellen Bereichen der Sonnenoberfläche (gelb). Das Millionen Grad Celsius heiße Plasma wird herausgeschleudert und ordnet sich in Magnetfeldern zu Bögen

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