Musikforschung Wenn Sie von Musik Gänsehaut bekommen, haben Sie ein besonderes Gehirn

Musik bringt uns zum Tanzen, rührt uns manchmal zu Tränen - und kann sogar Gänsehaut erzeugen. Forscher fanden heraus, wieso manche Menschen bei Melodien eine Gänsehaut bekommen und warum das auf ganz besondere Gehirnstrukturen hinweist
Frau hört Musik

Mit manchen Melodien verbinden wir ganz besondere Erinnerungen

Musik ist ein globales Phänomen des Gehirns

Musik braucht nicht immer Worte, um uns zu berühren. Auch die Melodien treffen uns manchmal unmittelbar. Wie machen sie das nur?

Kaum ein Teil des menschlichen Gehirns ist nicht daran beteiligt, die Eindrücke zu verarbeiten, wenn Musik an unsere Ohren dringt. Musik fährt direkt in den Hirnstamm, den ältesten Teil unseres Gehirns, der auf Töne sensibel reagiert. Ertönt ein Knall, gibt er ein Warnsignal ab und ertönen langsame Töne, entspannt sich unser Körper.

Hirnforscher der Université de Bourgogne fanden durch Studien zudem heraus, dass das menschliche Gehirn beim Musikhören versucht, die akustischen Signale auf ihre emotionale Bedeutung hin zu analysieren. Die Studienergebnisse deuten auf eine hoch spezialisierte Fähigkeit hin, die es Menschen ermöglicht, aus akustischen Reizen emotionale Schlüsse zu ziehen.

Das episodische Gedächtnis verbindet Musik mit Erinnerungen

Im Gegensatz zum Computer speichert das menschliche Gehirn nicht einzelne Informationen, sondern erinnert sich an ganze Situationen. So entstehen Verbindungen zwischen gehörten Melodien und Erinnerungen, die Wechselwirkungen eingehen.

Wenn wir Musik mit wichtigen Ereignissen in unserem Leben assoziieren, rufen Töne auch die damit verbundenen Gefühle hervor. Verantwortlich für diese Verbindung ist das sogenannte "episodische Gedächtnis", ein Teil unseres Langzeitgedächtnisses. Wer in der Kindheit bei der Fahrt in den Urlaub mit seinen Eltern jedes Mal die Beatles im Auto gehört hat, dem steigt beispielsweise bei den ersten Akkorden von "Yesterday"  gleich wieder der Geruch der Ledersitze in die Nase.

Doch auch wenn jeder mit Musik bestimmte Gefühle und Erinnerungen verbindet - Gänsehaut verspüren manche Menschen beim Musikhören nie. Welcher Faktor ist also für die Bildung der Gänsehaut verantwortlich?

Besonders intensive Gefühle verursachen Gänsehaut

Alissa Der Sarkissian, Forschungsassistentin am Brain and Creativity Institute der Universität von Südkalifornien, untersuchte gemeinsam mit ihrem Forschungskollegen Matthew Sachs, wie sich die Gehirnaktivität von Menschen, die bei ganz bestimmten Melodien eine Gänsehaut bekommen, von jenen Menschen unterscheidet, die diese nicht verspüren.

Die Ergebnisse der Studie, die Alissa Der Sarkissian und ihre Kollegen im Journal "Social Cognitive and Affective Neuroscience" veröffentlichten, zeigen, dass Menschen, die Gänsehaut bei Melodien verspüren, wesentlich mehr Verbindungen zwischen dem auditorischen Cortex und jenen Hirnregionen haben, die für das Verarbeiten von Gefühlen zuständig sind.

Diese Verbindungen sorgen dafür, dass die verschiedenen Bereiche des Gehirns besser miteinander kommunizieren. Dadurch erleben einige Menschen bei Musik bestimmte Emotionen noch intensiver als jene, deren Gehirnregionen nicht so gut verknüpft sind - und verspürt beim Musikhören Gänsehaut.