Rechts statt Links Darum biegen UPS-Fahrer nicht links ab

Paketzusteller müssen strenge Richtlinien befolgen – eine davon besagt den Blinker nur nach rechts zu setzen. Um den Spritverbrauch zu verringern und Unfällen vorzubeugen, sollen UPS-Fahrer das Linksabbiegen möglichst vermeiden. Was ist dran an der Theorie?
UPS Fahrzeug

UPS-Fahrer legen pro Tag rund 120 Zustellunsgstopps ein

Das amerikanische Logistik-Unternehmen United Parcel Service (UPS) beliefert nach eigenen Angaben rund 18 Millionen Haushalte und Unternehmen täglich. Ein einziger Paketzusteller legt dazu rund 120 Lieferstopps pro Tag ein. Umso skurriler ist es, dass UPS-Fahrer keinen Gegenverkehr kreuzen und ihren dunkelbraunen Lieferwagen nur in absoluten Ausnahmefällen nach links lenken dürfen.

Das Rechts-Abbiege-Gebot haben die US-amerikanischen Paketlieferanten bereits vor über zehn Jahren initiiert. Sie erkannten schnell, dass sich das infrastrukturelle Blocksystem vieler amerikanischer Städte besser mit Rechtskurven nutzen lässt. Einige Jahre später folgten deutsche UPS-Fahrer dem amerikanischen Vorbild. „Die Touren unserer Zustellungsfahrzeuge sind ebenfalls rechtsdrehend orientiert“, bestätigt Holger Ostwald, Sprecher von UPS-Deutschland.

Die Nachteile des Linksabbiegens

Diese ungewöhnliche Methode entspreche dabei weniger einer Regel, sondern viel mehr der logischen Konsequenz, so Ostwald. Das Logistik-Unternehmen hat für das Rechts-Abbiege-Gebot nämlich handfeste Gründe: So müssen Autofahrer auf der Linksabbiegerspur meist länger auf ein grünes Ampelsignal warten, schließlich noch den Gegenverkehr vorbei ziehen lassen und vergeuden dabei wertvolle Zeit sowie teuren Sprit.

„Hinzu kommen die Sicherheitsgefährdungen“, beteuert der UPS-Sprecher. Untersuchungen der Unfallforscher im Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (UDV) haben bereits 2013 ergeben, dass Linksabbiegen deutlich gefährlicher ist, als Rechtskurven. Allein in Deutschland werden demnach rund 18 Menschen pro Tag bei einem Linksabbiege-Manöver verletzt. Statistisch gesehen gibt es jeden zweiten Tag sogar ein Todesopfer. Um diesen Risiken zu entgehen, sind die UPS-Paketzusteller bei ihren rechtsdrehenden Routen sogar bereit extra Minuten in Kauf zu nehmen.

UPS Elektrofahrzeug

Auch in Deutschland fahren die UPS-Zusteller rechtsdrehende Routen

Wie Rechtsabbiegen unsere Umwelt schont

Das amerikanische Logistik-Unternehmen entwickelte bereits 2008 ein Navigationssystem, welches ganz bewusst Alternativen zum Linksabbiegen sucht. „On-Road Integrated Optimization and Navigation“, kurz ORION, heißt das schlaue Navi, was Fahrer stets in die nächstgelegene Rechtskurve lotst.

Gleichzeitig half die komplexe Navigationssoftware dem Paketdienst dabei Treibstoff zu sparen. Laut eigenen Angaben spart das Logistik-Unternehmen damit rund 38 Millionen Liter Sprit pro Jahr und kann somit rund 100.000 metrische Tonnen CO2-Emmissionen vermeiden.

Ob die Paketzusteller trotz längerer Fahrzeiten tatsächlich weniger Sprit verbrauchen, testete die US-Fernsehserie „Mythbusters“ in der Praxis. Das Ergebnis bestätigte die Aussagen des Logistik-Unternehmers: Rechtsabbiegen sorgt für erhebliche Spriteinsparungen!

In Deutschland wird das ORION-Navigationssystem, laut Holger Ostwald, bislang nicht genutzt, soll allerdings in den kommenden Jahren auch für deutsche Straßennetze entwickelt werden. Trotzdem werden die festgelegten Strecken eines jeden UPS-Fahrers im Voraus auf rechtsdrehende Verläufe angepasst.

Ist das Rechts-Abbiege-Gebot auch im Alltag anwendbar?

Was bei Paketzustellern gut funktioniert, ist für Privatpersonen nur schwer umsetzbar. Das Hauptproblem dabei: Wer den Gegenverkehr nicht kreuzen will, muss seine alternative Route im Voraus planen. Das kann sich für Strecken, die wir sehr häufig abfahren, lohnen – zum Beispiel für die tägliche Strecke zum Arbeitsplatz. Trotzdem gibt es bislang keine Navigationssysteme, die ausschließliche auf rechtsdrehenden Routen verweisen.