Wissen Macht uns das Vergessen von Dingen schlauer?

Manchmal funktioniert unser Gehirn wie eine alte Kassette – um mehr Platz zu schaffen, werden alte Informationen immer wieder überschrieben. Aber macht uns das Vergessen deshalb schlauer?
Vergessen macht schlau

Ja: Unser Gehirn arbeitet sogar aktiv daran, unser Gedächtnis zu entrümpeln. Es kappt Verbindungen zwischen Nervenzellen in Hirnregionen, die Erinnerungen speichern. Außerdem entstehen neue Zellen, die Netzwerke aus alten Zellen stören und Informationen überschreiben.

Dass wir uns an vieles nicht erinnern können, galt stets als Versagen des Gehirns. Warum wendet unser Denkorgan dann Energien dafür auf, Gelerntes und Erfahrenes zu vergessen? „Es ist wichtig, dass das Gehirn sich auf Dinge fokussiert, die wichtig für Entscheidungen im echten Leben sind“, erklärt der kanadische Neurowissenschaftler Blake Richards, der die Dauerhaftigkeit von Erinnerungen mit mehreren Kollegen in einer Studie erforscht hat. „Dafür ist es nötig, unwichtige Dinge zu vergessen.“ Wichtig ist zum Beispiel, dass wir schlechte oder gute Erfahrungen im Gedächtnis behalten – die Erinnerung an das Datum dieser Erfahrungen ist dagegen nebensächlich.

Durch ein Gleichgewicht von vergessenen und gespeicherten Informationen passen wir uns an neue Situationen an, werden flexibler und können Zusammenhänge erkennen. „Das Gedächtnis dient nicht dazu, Informationen einfach über lange Zeit zu erhalten. Erinnerungen sind dazu da, eine Grundlage für Entscheidungen zu liefern“, so die Autoren der Studie in ihrem Fazit. Diese Art der Informationsverwaltung vergleichen die Neurowissenschaftler mit Künstlicher Intelligenz, die Informationen priorisiert und reguliert, um sie breit anwenden zu können.