Phänomen Gravity Hills Das steckt hinter dem Rätsel der Magnetberge

Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die lassen sich mit Schulweisheit nicht erklären. Straßen zum Beispiel, auf denen Autos bergauf rollen. Oder doch?

Phänomene, die dem Augenschein widersprechen, die unerklärlich wirken, haben auf viele Menschen eine enorme Anziehungskraft. Dazu gehören auch Berge, an denen nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Magnetberge etwa. Dutzende Videos sollen beweisen, dass es sie gibt - und dass sie die Physik auf den Kopf stellen. In der Regel zeigen sie Straßen, auf denen Dinge scheinbar den Berg hinauf rollen – seien es Autos im Leerlauf oder Bälle.

 

Dass es sich nicht um ein magnetisches Phänomen handeln kann, wird schon daraus ersichtlich, dass auch Plastikgegenstände scheinbar der Schwerkraft trotzen. Vielleicht sind Gravitationsanomalien für das sonderbare Phänomen verantwortlich? Eine solche Anomalie könnte nämlich auch erklären, warum auch Wasserwaagen (siehe Video) zeigen, was das Auge bestreitet – nämlich, dass Flächen abschüssig sein können, obwohl sie für das Auge ansteigend aussehen.

Tatsächlich wollen Hobbyforscher, mit GPS-Geräten ausgerüstet, an Magnetbergen Veränderungen der lokalen Schwerkraft gemessen haben.

Gibt es eine einfache(re) Erklärung für die magnetischen Berge?

Humbug, sagt der italienische Chemiker und Wissenschaftsautor Luigi Garlaschelli. Es ist nicht notwendig, die Gesetze der Physik neu zu schreiben – oder Ausnahmen zuzulassen. Es handelt sich ganz einfach und unmysteriös um – optische Täuschungen.

Um das zu beweisen, verbündete er sich mit zwei Mitstreiterinnen aus der Psychologie, baute einen 2,40 Meter langen Kasten mit einem Guckloch und warb 20 Testpersonen an. In dem Kasten ordnete er eine „Straße“ an, die aus drei sich verjüngenden und mit Scharnieren verbundenen Brettern bestand.

In einem Versuch versah er das erste und das dritte Brett mit einem kräftigen, das mittlere mit einem nur leichten Gefälle. 16 der Testpersonen sahen in dem mittleren „Straßenabschnitt“ eine Steigung, vier sahen ihn als „eben“ an. (Die Versuchsanordnung entsprach übrigens den Verhältnissen am "Gravity Hill" im US-Staat Pennsylvania – einem von mehr als 20 berühmten „magnetischen“ Bergen.)

In weiteren Versuchsanordnungen konnten Garlaschelli und seine Kolleginnen zeigen, dass wir das Gefälle von Straßen tatsächlich in Abhängigkeit von anderen Straßenabschnitten beurteilen – und von der Lage des Horizonts. So sorgt ein hoher Horizont dafür, dass wir Straßen vor uns als abschüssig wahrnehmen. Und bei einem niedrigen Horizont eher als ansteigend – unabhängig von der tatsächlichen Neigung.

Wie ungern wir über unsere Täuschung aufgeklärt werden, zeigte die Reaktion seiner Probanden. Nachdem er ihnen ihre Fehleinschätzung demonstriert hatte, seien einige von ihnen „ehrfurchtsvoll erschrocken“.