Helfer im Himalaya Wie Sherpas dank "Superkräften" den Mount Everest bezwingen

Sie helfen sowohl Touristen als auch Bergprofis auf das Dach der Welt: Sherpas können schwerer tragen, weiter laufen, länger durchhalten als Menschen, die nicht aus der extremen Bergregion kommen. Doch warum ist das so? Cambridge-Wissenschaftler haben eine Antwort.
Sherpas

Sogar versierte Bergsteiger greifen auf die Hilfe und die Erfahrung der Bergführer im Himalaya zurück. Sie kennen sich nicht nur besser aus, sondern kommen mit den Extrembedinungen vor Ort weitaus besser zurecht, sind weniger anfällig für Höhenkrankheit und Sauerstoffarmut. Doch woher kommen diese vermeintlichen Superkräfte? Einer neuen Studie der Cambridge-Universität in England zufolge nutzen Sherpas den eingeatmenten Sauerstoff weitaus effizienter als der gemeine Flachländer, der aus Gegenden auf Höhe des Meeresspiegelhöhe anreist.

Diese Fähigkeit habe sich im Laufe der Jahrtausende entwickelt, seit Menschen in den extremen Höhen siedeln, fand der Physiologe Andrew Murray heraus. Dieser Vorsprung ist nicht von heute auf morgen aufzuholen: Zwar passe sich der Körper nach und nach den Gegebenheiten der Höhenlage an, könne aber nie den von Sherpas erreichen, die über Generationen in den Bergen leben.

Auf der Forschungsexpedition "Xtreme Everest 2" untersuchten die Wissenschaftler zwei verschiedene Gruppen, die zum Basislager des Mount Everest aufstiegen. Dabei nahmen sie Proben vor dem Aufstieg und nach zwei Monaten Aufenthalt in den Bergen. Die Körperwerte der zehn überwiegend europäischen Kletterer verglichen sie mit denen von 15 Sherpas, die in der Gegend aufgewachsen sind.

Es zeigte sich, dass die Sherpas wesentlich effizienter mit dem Sauerstoff haushalten. Sie produzierten mehr Adenosin-Triphosphat (ATP), das den Zellen als Energieträger dient. Verblüffend war in diesem Zusammenhang die geringere Verwertung von Fetten. Sherpas scheinen ihre Nährstoffe also eher aus Zucker zu ziehen - ein normalerweise weniger effizienter Vorgang, der aber deutlich weniger Sauerstoff benötigt. "Fett ist ein ordentlicher Energielieferant, in der Höhe hat eine gute Zuckerverwertung jedoch Vorteile", fasst James Horscroft hinzu.

Dieser Prozess änderte sich für die Sherpas beim Aufstieg kaum. Die Werte der anderen Gruppe passten sich etwas an die Bedingungen an, waren aber noch immer deutlich unter dem Niveau der Einheimischen, die einen genetischen Unterschied in der Energieverbrennung aufweisen. "Natürlich lässt sich das nicht auf ein Gen herunterbrechen. Sherpas verfügen etwa auch über ein besseres Netzwerk feinster Blutgefäße", sagt Murray. Die Erkenntnisse der Studie seien nicht nur für Bergsteiger interessant, sondern könnten auch generell bei der Behandlung von Sauerstoffarmut bei Notfällen helfen. 

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