Alkohol verkocht beim Kochen

Soße, Risotto oder auch Glühwein: Alkohol verfeinert viele Speisen - und der Alkohol verdunstet doch sowieso beim Kochen. Nicht ganz. Der Siedepunkt von Alkohol liegt zwar mit gut 80 °C deutlich unter dem von Wasser, der Alkohol verdunstet aber trotzdem nicht komplett. Denn im Topf sind auch noch Gemüse, Fleisch oder Fette, die einige Alkoholteile fest halten. Insgesamt bleiben nach einer Viertelstunde Kochzeit 30 – 40 % des Alkohols intakt. Mit Wein oder Bier verfeinertes Essen ist also nichts für trockene Alkoholiker, und auch Autofahrer sollten immer den Restalkoholgehalt beachten.

Alkohol wärmt

Ist doch klar, um sich aufzuwärmen, ist ein Schnäpschen ideal. Schließlich tragen ja auch die Bernhardiner der Schweizer Bergrettung ein Rumfässchen am Halsband, um Lawinenopfer oder verunglückte Bergwanderer sofort versorgen zu können. Oder doch nicht? Nein. Wärmender Alkohol ist vielmehr ein gefährlicher Irrtum. Alkohol erweitert die Adern und man empfindet nur ein wohltuendes Gefühl der Wärme. Doch in Wahrheit führt das dazu, dass die Wärme auch schneller abgegeben wird, wenn das Blut aus dem Körperinneren schneller in die Arme und Beine fließt. Pro Flasche Wein sinkt die Körpertemperatur gut um 1 °C. Bei Kälte werden die Arme und Beine normalerweise wenig durchblutet, da der Körper als Schutzmechanismus die Blutzirkulation auf die lebenswichtigen Bereiche im Körperinneren beschränkt. Durch Alkohol steigt somit die Gefahr der Erfrierungen. Auch wenn man es in Filmen oder auf Bildern immer wieder sieht, das Berhardiner-Fässchen am Halsband ist ebenfalls nur ein Mythos, der sich aber hartnäckig hält. Im Einsatz hatte wohl keiner der Rettungshunde so ein Fass mit Rum to go. Dieses wäre im Einsatz sowieso nur im Weg.

Ein Vollrausch tötet jede Menge Gehirnzellen

Tötet jeder Rausch wirklich Tausende Gehirnzellen, sodass man nach und nach immer blöder wird? Klingt plausibel, stimmt so aber nicht, auch wenn das Sprechen unter Alkoholeinfluss nicht besonders gut klappt und der Gang an den von Seeleuten bei schwerer See erinnert. Wird der Alkohol nach und nach vom Körper abgebaut, hat man zwar unter Umständen einen dicken Kater und totale Unruhe im Magen, aber keine Unmengen an zerstörten Gehirnzellen. Der Alkohol stört als direkte Wirkung lediglich die Kommunikation der einzelnen Gehirnzellen untereinander. Die meisten Schäden entstehen im Rausch eher durch Stürze oder Schlägereien. Das ist allerdings kein Freibrief zum hemmungslosen Trinken. Denn auf Dauer schadet Alkohol dem Hirn nämlich sehr wohl, und zwar indirekt über Leberschäden und Vitamin-B-Mangel. Beides sorgt für eine hohe Konzentration an Ammoniak in der Blutbahn, der Gehirnzellen tatsächlich absterben lässt.

Mit einem Strohhalm wird man schneller beschwipst

Ganz klar, wer Drinks durch einen Strohhalm trinkt, wird schneller beschwipst, da der Alkohol direkt von der Mundschleimhaut absorbiert wird. Stimmt so aber nicht. In Wirklichkeit spielt es überhaupt keine Rolle, ob man Alkohol mit einem Strohhalm trinkt oder direkt. Den meisten Alkohol nehmen der Magen und Dickdarm und nicht die Mundschleimhaut auf. Und der Darm hat ausgebreitet eine Oberfläche so groß wie ein Tennisfeld, die Mundschleimhaut kommt nur auf die Größe von zwei Bierdeckeln. Es stimmt allerdings, das Sekt schneller beschwipst macht, denn die im Magen platzenden Bläschen reizen die Magenschleimhaut, diese wird besser durchblutet und nimmt den Alkohol besser auf.

Kaffee oder Energy Drinks machen rasch wieder nüchtern

Erst wild feiern und nach einigen Tässchen Kaffee oder Energy Drinks ist alles wieder ok? Leider nein. Koffeinhaltige Getränke sorgen lediglich subjektiv für ein frischeres Gefühl nach übertriebenem Alkoholgenuss. Autofahren ist also trotz Kaffee nicht drin, die Leber baut den Alkohol kein bisschen schneller ab und lässt sich mit dem Alkoholabbau Zeit. Übrigens lässt sich ein hoher Alkoholpegel im Blut auch nicht durch kaltes Duschen senken oder mit einem Nickerchen einfach wegschlafen. Es bleibt beim Abbau von 0,1 bis 0,2 Promille pro Stunde.