Stonehenge Fünf Fragen zu Europas geheimnisvollstem Monument

Wer hat Stonehenge gebaut? Warum steht es, wo es steht? Und gibt es auch heute noch Neues über das Steinzeitmonument zu erfahren? Ein Überblick
Stonehenge

Stonehenge entstand in einer menschenleeren, damals ziemlich öden Gegend. Archäologen glauben inzwischen, den Grund zu kennen – und der ist ziemlich kurios

Ein Steinzeit-Observatorium? Ein Friedhof? Ein Druiden-Tempel? Was war Stonehenge denn nun wirklich?

Stonehenge entstand in mehreren Phasen. Anfangs, also vor rund 5300 Jahren, war es, angelegt als runder Wall mit einem Graben, ein Platz für die Ahnenverehrung, auf dem die Asche wichtiger Verstorbener bestattet wurde. Da den Ahnen die Zuständigkeit für das Wohlergehen der Lebenden zufiel, war es wohl zugleich auch ein Ort für Feierlichkeiten während der Sonnenwenden, die wichtigsten Fixpunkte während eines Erntejahres. Etwa 800 Jahre später, die Gesellschaftsstrukturen waren jetzt andere, verlor der Platz seine Funktion als Friedhof. Die Steine wurden aufgestellt, die Orientierung auf die Sonnenwenden aber behielt man bei. Aus dem alten Ritualplatz wurde ein Kultort, ein Tempel.

Aufwendige Technik half Archäologen jetzt, die großen Rätsel zu lösen, die Stonehenge seit Jahrhunderten umgeben. Die ganze Geschichte in GEO:

Und wer hat Stonehenge gebaut?

Ganz sicher keine Druiden, die gab es erst, als Stonehenge längst bedeutungslos geworden war. Den Anfang machten wohl Clans, die sich in der Nähe als Bauern niedergelassen hatten. Einen Graben und einen Wall mit mehr als 100 Meter Durchmesser anzulegen, war übrigens keine Kleinigkeit. Spaten gab es nicht, gegraben wurde mit Hirschgeweihstöcken und den Schulterblättern von Rindern. Später dann kamen Menschen walisischen Ursprungs in die Gegend, sie brachten auch die kleineren Steine mit und waren vermutlich am Bau des Tempels beteiligt, für den, darauf deuten archäologische Befunde, Stämme von der ganzen Insel zusammenströmten. Unterstützung erhielten sie wahrscheinlich von Angehörigen der sogenannten Glockenbecherkultur, einer Gruppe, die bereits die Metallverarbeitung beherrschte und kurz vor dem Beginn des Tempelbaus in der Region aufgetaucht war.

Und warum entstand Stonehenge ausgerechnet in dieser menschenleeren, damals ziemlich öden Gegend?

Viele Archäologen, die sich mit Stonehenge beschäftigen, glauben inzwischen, den Grund zu kennen – und der ist ziemlich kurios. Denn ganz in der Nähe, am Flüsschen Avon, gibt es heute noch warme Quellen, was schon an sich für den durchschnittlichen Steinzeitmenschen ein Wunder gewesen sein muss: ein Teich, der niemals zufriert. Außerdem waren Flüsse und Quellen zu jener Zeit schon religiöse Orte, abzulesen an vielen darin gefundenen Opfergaben. Hinzu kommt aber noch, dass in einer dieser Quellen auf Steinen eine seltene Algenart lebt, die sich bei Kontakt mit Sauerstoff leuchtend pink färbt. Die Wirkung auf die Menschen damals ist leicht vorstellbar. Archäologen fanden dann auch Reste von viel älteren Kultplätzen in der Nähe dieser Quelle – und Beweise dafür, dass der Ort schon vor rund 7000 Jahren besiedelt war, und zwar von Jägern und Sammlern. Stonehenge ist also nur der auffälligste Bau in einer schon lange vorher bestehenden Rituallandschaft.

Und woher will man wissen, dass diese Gegend für die Menschen damals wirklich von so großer Bedeutung war?

Man hat an mehreren Stellen, so bei der warmen Quelle, in der Nähe von Stonehenge und in den ausgegrabenen Ruinen eines drei Kilometer entfernten, neolithischen Dorfes, Reste von großen Festen entdeckt, an denen sehr, sehr viele Menschen aus unterschiedlichen Regionen der Insel teilgenommen haben müssen. Im Neolithikum und auch noch später, in der Bronze- und Eisenzeit, war es üblich, nach kultischen Festen nicht nur die Knochen der verzehrten Tiere, sondern auch Geschirr, Messer und sogar die Brandreste sozusagen rituell in großen Gruben zu bestatten. Aus solchen Funden kann man heute ablesen, wann diese Gelage stattfanden, was verzehrt wurde, wie viele Menschen ungefähr beteiligt waren und woher sie kamen.

Gibt es denn in Stonehenge wirklich noch Dinge zu entdecken, von denen man vorher nichts ahnte?

Sicher. So fand zum Beispiel das gerade abgeschlossene Stonehenge Hidden Landscape Project heraus, dass das Steinmonument umgeben war von zahlreichen kleineren Henges, meist Rundanlagen aus hohen Holzpfählen, sogenannten Woodhenges. Man kann nur spekulieren, aber vielleicht waren das einst die Kultplätze einzelner Clans oder Stämme. Jahrhunderte später wurden diese Kultplätzchen mit Hügelgräbern für die bronzezeitliche Elite überbaut. Außerdem entdeckte man in der Nähe auch das größte, jemals auf der britischen Insel errichtete Steinzeitmonument: einen Kreis aus riesigen Holzpfählen, der fast 500 Meter Durchmesser hatte. Im Inneren dieses Rings lag ein ganzes Dorf mit drei weiteren Kultplätzen.

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