Hirnforschung So machst du einen intelligenten Eindruck

Neurobiologe Henning Beck kommentiert für GEO die neusten Ideen aus der Neuro-Szene. Diesmal erklärt er, wie wir einen intelligenten Eindruck machen
Wie mache ich einen intelligenten Eindruck?

Ein intelligenter Geist in einem ausgeschlafenen Körper. Nach dieser Formel bewerten wir offenbar unsere Mitmenschen

Als ich neulich an einem übernächtigten Morgen in Zeitnot war, griff ich zum ultimativen Mittel, um mit einem frischen Äußeren in den Tag zu starten. Zum Glück hält die Kosmetikindustrie zahlreiche Lotionen bereit, die mich auf meinem Weg in die Schönheit unterstützen.

So setzte ich das Oxy-Energy-Wake-up-Gel mit Anti-Müdigkeits-Effekt ein. Weil es schnell gehen musste. Aber um einen übernächtigten Teint aufzufrischen, zelebrieren viele Menschen vergleichsweise ausgiebige Verschönerungsrituale im Bad. Ob stundenlanges Creme-Aufbringen Menschen wirklich attraktiver aussehen lässt?

Die beste Methode: ausreichend Schlaf

Als Neurowissenschaftler sollte ich es besser wissen: Die beste Methode, um nicht nur frisch, sondern auch intelligent auszusehen (wer will das nicht?), ist: ausgiebiger Schlaf. Nicht nur, dass unser Gehirn die Phase nächtlicher Reizarmut nutzt, um Gelerntes zu verarbeiten. Ein ausgeruhtes Gesicht wirkt sich auch auf das Erscheinungsbild unserer Intelligenz aus.

Wir beurteilen das Äußere von Menschen in Sekundenbruchteilen anhand von minimalen Gesichtsregungen - und das hat auch Auswirkungen darauf, wie intelligent wir unser Gegenüber einschätzen. Um das zu untersuchen, zeigte man über 200 Personen Porträtfotos von fast ebenso vielen Menschen mit neutraler Mimik.

Dabei wurden diejenigen mit schlafferen Augenlidern oder hängenden Mundwinkeln nicht nur als unattraktiver, sondern auch als weniger intelligent eingestuft. Um den Effekt noch zu verstärken, ließ man die fotografierten Teilnehmer vor ihrem nächsten Porträtfoto eine Nacht durchmachen.

Mit fatalen Auswirkungen: Der übernächtigte Zustand ließ die Gesichter noch weniger intelligent erscheinen. Okay: Dunkle Augenringe und ein aufgedunsenes Gesicht sind in der Regel keine Hinweise auf einen Rekord im nächsten IQ-Test...

Schönheit aus den Tiefen der Hirnwindungen

Im Folgeversuch wurden wieder Gesichter von den gleichen Personen gezeigt - diesmal jedoch, nachdem diese ausgeschlafen hatten. Und siehe da: Nicht nur, dass die wachen Gesichter den Probanden attraktiver erschienen. Die gleichen Personen, die vorher noch als geistig träge eingeschätzt wurden, kamen nun auch intelligenter herüber.

An dieser Stelle daher ein Tipp an alle zukünftigen Teilnehmerinnen von "Germany’s next Topmodel": Attraktivität und geistige Stärke gehen Hand in Hand. Wahre Schönheit kommt von innen, aus den Tiefen der Hirnwindungen.

Ein intelligenter Geist in einem ausgeschlafenen Körper. Nach dieser Formel bewerten wir offenbar unsere Mitmenschen. Wer also beim nächsten Bewerbungsgespräch oder Date als attraktiv und intelligent beurteilt werden möchte, der sollte die morgendliche Zeit vor dem Spiegel besser in mehr Schlaf investieren. Das ist billiger und macht nicht nur innerlich, sondern auch äußerlich geistig leistungsfähiger.

Es sei denn, die Kosmetikfirmen werfen bald eine Intelligenz-Tagescreme auf den Markt – dann greife ich sofort zu. Nicht dass ich es nötig hätte...

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