Expertenstreit um Tutanchamun Beim Barte des Pharaos!

Der Totenmaske von Tutanchamun musste der Bart angeklebt werden. Dabei gingen die Restauratoren nicht eben sorgsam vor. Jetzt wogt der Expertenstreit: Wie kaputt ist der Pharao?
Beim Barte des Pharaos!

Mitarbeiter des Ägyptischen Museum in Kairo haben wohl überhastet nach dem erstbesten Klebstoff gegriffen - leider war’s der falsche

Die Aufregung ist gewaltig: „Das berühmteste archäologische Artefakt der Welt“, titelte etwa alarmiert die Website der Washington Post am 23. Januar, sei „dauerhaft beschädigt“. Andere Medien stießen ins selbe Horn. Was war geschehen? Irgendwann im August 2014 war bei Wartungsarbeiten im Ägyptischen Museum in Kairo die 3300 Jahre alte, goldene Totenmaske von Pharao Tutanchamun ihres markanten Spitzbartes verlustig gegangen. Übrigens nicht zum ersten Mal. Zwei Jahrzehnte lang war die Maske ohne Bart ausgestellt, das zwei Kilogramm schwere Stück war abgebrochen und wurde erst 1944 wieder am Pharaonenkinn befestigt.

Auf Weisung der Museumsleitung, so heißt es, hätten nach dem neuerlichen Verlust Mitarbeiter den Bart wieder angeklebt - und dabei überhastet nach dem erstbesten Klebstoff gegriffen, den sie finden konnten. Leider war’s der falsche: den Berichten nach Epoxidharz (Epoxy), dessen Komponenten beim Verkleben chemisch reagieren und eine hochfeste Netzstruktur bilden, die selbst bei Temperaturen von bis zu 300 Grad Celsius nicht aufbricht. Jetzt sei am Bartansatz der Goldmaske eine deutliche Klebstoffnaht sichtbar (siehe Foto), außerdem sei Kleber auf die Maske gelangt. Einer der größten archäologischen Schätze der Welt - von Dilettanten ruiniert?

Bereits im Herbst 2014 hatten Museumsrestauratoren den Vorgang anonym an die Öffentlichkeit gebracht – worauf sich im November sowohl die Museumsleitung als auch der neue Antikenminister Mamdouh el-Damaty zu Dementis veranlasst sahen: Weder sei die Maske unsachgemäß restauriert worden, und schon gar nicht sei sie ernsthaft beschädigt. Zwei Monate war Ruhe um die Causa Tutanchamun, bis die Angelegenheit jetzt erneut hochkochte, diesmal befeuert durch Verbreitung bei Twitter und Facebook.

Falscher Klebstoff? Wie schlimm ist der Schaden?

Immerhin reagierten Museumsleitung und Ministerium jetzt mit der Hinzuziehung eines Experten, des Mainzer Restaurators Christian Eckmann vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum, und mit einer Pressekonferenz am Samstagabend. Eckmann hatte sich zuvor eine Stunde lang der Maske widmen können. Vor der Presse dann klang sein Resultat weitaus weniger aufgeregt: Zwar sei die Maske „nicht optimal zusammengesetzt worden“, zitiert ihn die Süddeutsche Zeitung (SZ), jedoch sei der Schaden nicht so schwerwiegend, dass er nicht rückgängig zu machen sei.

Die gemeinhin recht gut informierte Website „The Cairo Post“ zitierte außerdem Minister el-Damaty von derselben Pressekonferenz mit dem Verdacht, bei den ersten Bildern sei möglicherweise mit Photoshop nachgeholfen worden, wohl um das Malheur dramatischer erscheinen zu lassen, als es ist. Der Minister kündigte zudem die Berufung eines Wissenschaftler-Komitees an, dem auch Eckmann angehören wird. Es soll die Maske genauer untersuchen und den Schaden beheben.

Das allerdings könnte sich als schwieriger erweisen, als es sich anhört. Denn wenn es sich wirklich um Epoxy handelt, so der Klebstoffexperte Thomas Kowalik vom Fraunhofer Institut für Fertigungstechnik und Materialforschung (IFAM) in Bremen, „dann kann man das nur mechanisch bearbeiten - schleifen, schneiden, was auch immer.“ Dabei aber bestünde die Gefahr, dass auch Teile von Maske und Bart in Mitleidenschaft gezogen werden. „Wenn die allerdings nur Sekundenkleber genommen haben“, so Kowalik, „haben sie Glück gehabt. Der nämlich fällt schon bei 80 Grad Celsius wieder auseinander.“

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