Irisch: eine eigenwillige Sprache

Als Amtssprachen sind das Englische und das Irische gleichgestellt. Doch mit Bestellungen wie Tabhair dom dhá phionta leana le do thoil kann im Pub nicht jeder auftrumpfen

Englisch und Irisch (Gälisch) sind die beiden Amtssprachen der Republik Irland, in denen alle offiziellen Dokumente sowie Straßennamen und Verkehrszeichen verfasst sind. Im Widerstand gegen die englischen Kolonisatoren propagierten irische Nationalisten beim Übergang vom 19. auf das 20. Jahrhundert das Irische - eine keltische Sprache. Als Volkssprache ist das Irische nur noch in wenigen westlichen Küstenregionen lebendig, den Gaeltacht-Gebieten - und auch da in verschiedenen Fassungen, so dass nicht nur Engländer Kommunikationsschwierigkeiten haben, wenn sie dort einen Bauern nach dem Weg fragen, sondern auch Iren selbst.

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Man spricht englisch: Touristen kommen auch ohne gälische Sprachkenntnisse durch das Land

Die Weltsprache Englisch wird glücklicherweise überall verstanden, wenn auch die Aussprache kaum Oxford-Standard hat, sondern eher dem rauen Zungenschlag des britischen Nordens und seiner Industriegebiete ähnelt. Über die Aussprache des Irischen sind sich die Sprachwächter nicht einig; wer sich irisch ausdrücken möchte, wird wohl mit offenem Ohr die richtige Intonation erlernen müssen. Irisch wird auch als Pflichtfach an den Schulen gelehrt, doch selbst nach 13 jahren Unterrricht ist kaum jemand in der Lage, ein Gespräch in seiner Nationalsprache zu führen. Dies liegt zum Teil daran, dass Gälisch eine sehr schwierige Sprache ist und die 18 benutzten Buchstaben des Alphabets für 60 verschiedene Laute stehen.

Gälisch heute

Auch wenn das Gälische im Alltagsgebrauch einen Niedergang erlebt hat - es gibt noch nicht mal eine gälische Tageszeitung -, ist die Wiederbelebung der Sprache auf kultureller Ebene aber gelungen. Es gibt eine blühende gälische Literatur und auch gälische Theaterstücke werden aufgeführt.

Wer als Ausländer ein paar irische Brocken stammeln kann, der wird auf ungeteilte Begeisterung stoßen. Wer in einen Pub tritt und ruft: Tabhair dom dhá phionta leana le do thoil - der hat gerade zwei Pints Bier bestellt - und falls irgend jemand ebenfalls des Irischen mächtig ist, wird er diese Frage zurückgeben: Ar mhaith leat ceann eile? Was soviel heißt wie: Seo mosheal - möchten Sie noch ein Bier, das ist meine Runde. Eine Eigenheit der irischen Sprache - und Thema tiefschürfender sprach-philosophischer Überlegungen - ist die Tatsache, dass es in ihr kein klares Ja oder Nein gibt. Zustimmung oder Ablehnung werden nur in den Verbformen ausgedrückt: ba mhaith - ich will -, oder nior mhaith - ich will kein (Bier). Der Besucher Irlands braucht sich aber die Sorge, nichts zu verstehen, kaum zu machen. Zeitungen, Bücher, TV und Pub, Kirche und Song sind englischsprachig, und überall wird einem ein freundliches "You're welcome!" entgegentönen.

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