Val Gardena Vier Tagestouren: Mountainbiken in den Dolomiten

Die Dolomiten sind eine der ersten Adressen für ambitionierte Skifahrer und Alpinisten. Doch auch für Mountainbiker eröffnen sich immer mehr Möglichkeiten. Wir stellen vier Touren vor, die sich lohnen
Vier Tagestouren: Mountainbiken in den Dolomiten

Vom entspannten Schotterweg bis zum anspruchsvollen Singletrail ist auf der Seceda alles geboten. Die Tour "Unter den Geislern" kann also in Punkto Variantenreichtum aus dem Vollen schöpfen

Erster Tag: Enduro

An dem Begriff Enduro kommt ein moderner Mountainbiker heute nicht mehr vorbei. Das bedeutet: auf Schotterstraßen gemütlich den Berg hinauf und genussvoll bis höchst anspruchsvoll auf sogenannten Singletrails wieder hinab.

Die Tagestour "Unter den Geislern" von St. Ulrich nach Wolkenstein ist eine Enduro-Tour par excellence. In Zahlen: mit Liftunterstützung weniger als 500 Höhenmeter bergauf und über 2000 Höhenmeter Abfahrt! Von St. Ulrich im Val Gardena geht es zunächst in Richtung Raschötz über den Forstweg oder entspannt mit der Zahnradbahn. Gefolgt von einer Querung Richtung Brogles Sattel. Ein kleiner Abstecher zur ausgeschilderten Brogles Hütte bietet sich an sonnigen Tagen an, um bei italienischem Cappuccino einen Blick auf das mächtige Dolomit-Gestein der Geisler Gruppe zu werfen. Die Felsformation, die der Enduro-Tour ihren Namen gab.

Vom Brogles Sattel beginnt mit dem "5er-Trail" die erste Abfahrt bis zur Talstation der Seceda Gondelbahn. Ein ungebremstes Singletrail Vergnügen von 2119 Höhenmetern bis hinunter in den Ortskern von St. Ulrich. Da in den Sommermonaten dieser Trail auch einer der beliebtesten Wanderwege für Gruppen und Familien ist, sollte der nötige Respekt den Wanderern gegenüber selbstverständlich sein. Mit der Gondel geht es anschließend hinauf auf die Seceda, von der aus sich die Geisler-Gruppe von der Gegenseite bewundern lässt.

Nicht minder beeindruckend wie die erste Abfahrt zieht sich der nächste handtuchbreite Trail (Nr. 1 dann Nr. 3) am Fuß der Geislergruppe entlang, vorbei an der Regensburger Hütte und weiter zum Refugio Juac. Dem Trail Nr. 3 folgend wird das Ziel der Tour Wolkenstein erreicht.

Vier Tagestouren: Mountainbiken in den Dolomiten

Blühende Almwiesen und endlose Mountainbike Routen zu Füßen der großen Kalkriesen

Zweiter Tag: Cross Country

Gewittrige Nächte gehören in den Sommermonaten zu den Alpen wie der Regenguss in den Tropen zur Mittagszeit. Jeden Morgen werden die Hochplateaus, wie die Seiser Alm, in ein Kleid aus mystischen Nebelschwaden gehüllt, bis die Sonnestrahlen des Tages dem Tau zu Leibe rücken. Nach einer für Mensch und Material kräftezehrenden Enduro-Tour am Vortag, können auf dem südliche Hochplateau St. Ulrichs die Muskeln gelockert und die Gaumen verwöhnt werden. Besonders für Cross-Country-Biker und auch E-Biker bietet sich diese hoch gelegene Hügellandschaft an, die über die Seiser Alm-Bahn für jedermann mühelos zu erreicht ist.

Traumhafte, urige Alm-Hütten reihen sich dort wie Perlen auf der Kette aneinander. Nicht nur kulinarisch, sondern speziell aufgrund der Lage an einem idyllischen Teich in Mitten der Almlandschaft und 360° Blick auf die umliegenden Dolomiten, ist die kleine Edelweiss Hütte ein besonderer Tipp. Durch die mäßigen Steigungen auf der Seiser Alm lassen sich auch große Schleifen problemlos fahren, auf denen die Strecke mehr im Vordergrund steht als die steile und rasante Abfahrt. Mit wachsamen Auge, wird man aber auch hier den ein oder andern anspruchsvollen Trailmeter finden.

Vier Tagestouren: Mountainbiken in den Dolomiten

Ob der Freeride Strecke Campinoi oder den gebauten Trails der Sella Ronda. Große Anlieger laden zu Schräglagen ein

Dritter Tag: Downhill

Die spektakulärste und waghalsigste Form des Mountainbikens ist das Downhill-Fahren. Oder Freeride. Auch diesen hartgesottenen Exemplaren auf zwei Rädern widmet sich das Val Gardena. Denn 2014 wurde die Freeride Strecke Ciampinoi in Wolkenstein ins Leben gerufen (www.freerideciampinoi.it). Und diese ist nicht nur für die "jungen Wilden" ausgelegt, sondern für alle Fahrstufen.

Die Verkaufszahlen von Mountainbikes mit großen Federwegen sprechen eine deutliche Sprache. Downhillen ist im Kommen. Dieser Trend ist auch an den Initiatoren vom Freeride Campinoi nicht vorbei gegangen und so bietet die Freeride-Strecke Alternativen für jedes Niveau. Es geht an der Bergstation der Umlaufbahn Wolkenstein-Ciampinoi, auf 2254 Höhenmetern los. Die ersten Meter führen über eine Schotterstraße bis zur Bergstation des Sesselliftes, wo sich der eigentliche Start der spannenden und abwechslungsreichen Downhill-Strecke befindet. Zunächst geht es in zahlreichen Steilkurven hinein in den Wald, der auch im Sommer den nötigen Schatten spendet. Immer wieder ist die Strecke gespickt mit Schanzen und Drops, die auch für Profis eine echte Herausforderung darstellen.

Wer den Kontakt zum sicheren Boden lieber nicht verlieren möchte, dem bieten sich zu jeder Zeit Möglichkeiten die großen Hindernisse zu umfahren. Ein große Steilkurve bildet den Abschluss der ersten Hälfte des Parcours. Zeit zum Verschnaufen und zum mobilisieren der Kräfte für die nun folgende 500-Höhenmeter-Abfahrt. Bestimmten noch die säuberlich hergerichteten Kurven den ersten Teil der Strecke, folgt nun ein sehr naturbelassener Trail. Wurzelpassagen prägen das Bild, bis sich auf einen Schlag der dichte Wald öffnet, und den Blick auf Wolkenstein frei gibt. Ein würdiges Ziel für diese Downhill-Strecke, die 2015 erweitert werden soll.

Vier Tagestouren: Mountainbiken in den Dolomiten

Der Blick schweift noch einmal in die Ferne. Dann folgt die letzte Abfahrt der Sella Ronda zurück zum Ausgangspunkt Wolkenstein

Vierter Tag: Panorama

Fragt man Skifahrer nach ihrem Highlight in den Dolomiten, kommt von vielen nur eine Antwort: "Die Sella Ronda!" Mit Liften einmal um das monumentale Sella Massiv. Was bis vor kurzem noch ausschließlich den Skifahrern vorbehalten war, ist nun auch für Mountainbiker möglich – wenn auch mit Einschränkungen.

Ausgangsort der Tour ist Wolkenstein. Mit der Dantercepies Bahn zum Grödener Joch. Leider sind Mountainbiker auf diesem ersten Teil der großen Schleife noch keine gern gesehenen Gäste. Die meisten Wege sind für Mountainbiker gesperrt. Mit dem Bau des Frara Trails allerdings wird seit vergangenem Jahr versucht, den Bikern eine Alternative zur asphaltierten und viel befahrenen Straße zu bieten. Komplett erschlossen ist die Abfahrt noch nicht, dennoch wird der jetzt schon bestehende Teil jedem Biker, egal welchen Niveaus, ein breites Grinsen ins Gesicht zaubern. Der Frara Trail lässt erahnen, wohin sich die große Runde um die Sellagruppe in der Zukunft noch entwickeln kann, denn auf vielen weiteren Abschnitten sind ähnliche Trails geplant. Hat man mit der Col Alt Kabinenbahn Corvara hinter sich gelassen, wird die Tour über den berühmten Passo Pordoi jeden Panorama-Enthusiasten fesseln. Von Meter zu Meter wechselt der Untergrund, von breiter Schotterstraße, zum schmalen Pfad, vom steilen Gegenanstieg zum Abfahrtsvergnügen. Eines bleibt jedoch immer gleich: Der faszinierende Blick auf die Sellagruppe. Für 4000 Höhenmeter Abfahrt müssen lediglich 600 bergauf erstrampelt werden.

Wer auf der Tour nicht auf einen ortkundigen Guide verzichten möchte, oder auf den ein oder anderen Insider-Tipp aus ist, kann sich bei der Scuola MTB Ortisei (www.mtbschool.it) oder der Scuola MTB Val Gardena (www.mtbvalgardena.com) anmelden. Und auch wenn es nicht um den Sport an sich geht, haben die Guides der Region genügend Tipps auf Lager.

Unterkunftstipps

Wer höchst exklusiv im Val Gardena residieren möchte, ist in St. Ulrich im Adler Dolomiti genau richtig. Denn auch das Luxusresort bietet spezielle Mountainbike-Angebote inklusive geführter Touren an. Nicht grundlos, denn die Ausgangslage zwischen Raschötz, Seceda und Seiser Alm Bahn, könnte kaum besser sein.

Strada Rezia 7, Tel. 0039-0471775001, www.adler-dolomiti.com

In dem kleinen südtiroler Alpendorf Wolkenstein ist das Bike Hotel Linder die erste Adresse für alle Mountainbiker. Hier entführt der Junior-Chef noch höchst persönlich die Gäste auf die Trails des Val Gardena. Mit seinen drei weiteren Hotel-Guides versteht er es dabei, sich auf jedes Niveau einzustellen und eine Vielzahl von unterschiedlichen Touren anzubieten. Die benachbarte und frisch renovierte Pension Desiree gehört seit vergangener Saison zusätzlich zum Bike Hotel Lindner und stellt eine optimale Alternative auch für die schmale Geldbörse dar.

Nivesstraße 36, Tel. 0039-0471795242, www.linder.it/de

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