Zypern: Wellness mit Kind

Eltern, die Ruhe suchen, Kinder, die toben wollen - ein Hotel auf Zypern hat diesen Widerspruch vorbildlich gelöst: mit Wellness für Erwachsene und einem Kinderclub für die Kleinen

Kurz vor zehn Uhr ist die schmiedeeiserne Pforte des "Pinguindorfs" noch geschlossen. Das gefällt Skye gar nicht. Meine Tochter hat, anders als ich, viel geschlafen und gut gegessen - jetzt will sie spielen. Ich überrede sie, noch einmal am Frühstücksbüffet vorbeizuschauen; ein Reispudding mit Zimt und Zucker hilft mir sehr bei der Überzeugungsarbeit. Während sie ihn löffelt, wähle ich rosa Grapefruitfi lets und gebratenen Halloumi, eine zyprische Spezialität, die wie geräucherte Mozzarella schmeckt.

Toben, spielen, planschen,

Nach wenigen Löffeln rutscht Skye wieder vom Stuhl. Ein roter Kater streicht um die Tischbeine, sie macht sich an die Verfolgung. Meine etwas schläfrige Morgenstimmung ist schlagartig dahin: Wie soll ich auf der Terrasse des "Meridien" den Blick aufs Meer genießen, während meine vierjährige Tochter herumstromert? Doch ich brauche nicht aufzuspringen, plötzlich bleibt die Kleine stehen. Andreas, der Chefkellner, hat sie in eine angeregte Konversation verwickelt. So entspannt geht das Personal überall im Hotel mit Kindern um: beim Abendessen, im Garten oder in der Empfangshalle, wo ich nicht die einzige Mutter bin, die ihren Sprössling davon abhalten muss, auf Socken über den polierten Marmor zu schlittern. Kleine Gäste sind hier nicht nur geduldet, sie sind höchst willkommen. Auf Kinder ist man im Meridien vorbereitet. Ihnen und ihren erwachsenen Begleitern bietet das Luxushotel auf Zypern eine Art Rundum-sorglos-Urlaub. Die Geheimwaffe hierfür nennt sich "Pinguindorf": ein Kindergarten mit einer Krippe für die bis zu Dreijährigen und mit betreuten Gruppen für die Größeren. Gäste wie ich empfi nden das als Ideallösung für einen entspannten Urlaub. Ich möchte zwar die Ferien mit meiner Tochter verbringen, wünsche mir aber auch Zeit für mich. Skye steht der Sinn nur nach Spielen, Planschen, Toben - am liebsten den ganzen Tag lang. Dass meine Vierjährige auch im Urlaub einen Kindergarten besuchen soll, wundert sie kaum. Viel spannender findet sie Fragen wie: "Passen dort Pinguine auf mich auf?" und "Essen wir da mittags Fische?" "Aber ja", sagt Erhan Gota, der Leiter des Pinguindorfs: "Fisch in Stäbchenform." Oder Pasta, Pommes, Hühnchen - eben alles, was Kindern schmeckt.

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Welch ein Spaß: Tochter Skye quietschvergnügt im Club der Knirpse

Das Pinguindorf basiert auf einem ausgefeilten Konzept: "Wir bieten einen Kinderclub an", sagt der aus Kroatien stammende Gota. Ausgebildete Betreuerinnen kümmern sich um die Kleinen, es wird gespielt und gebastelt, getanzt und gebadet und gemeinsam gegessen, in "Mickeys Restaurant". Entstanden ist die Kinderclub-Idee vor etwa acht Jahren: "Ich habe das Projekt seinerzeit drei Hotels angeboten. Das Meridien hat zugegriffen," so Gota.

Dessen Besitzer, Costas Galatariotis, hatte festgestellt, dass Reisende mit Kindern sein großzügiges Spa kaum nutzten; ohnehin kamen nur wenige Familien in das noble Haus. Das wollte er ändern, und es gelang ihm auch: 1997, im Gründungsjahr des Pinguindorfs, kamen 700 Kinder in den Club, im Jahr 2005 waren es fast 11 000. Und deren Eltern fanden nun endlich Zeit, sich bei einer "Indischen Kopfmassage" oder dem "Relax & Pamper- Info Paket" im 3000 Quadratmeter großen Wellnessbereich verwöhnen zu lassen. Jeden Morgen um zehn Uhr, wenn das Tor aufgeht, herrscht im Pinguindorf Gedränge. Skye stolziert mit ihrem nagelneuen roten Rucksack umher, auf dem ein Pinguin prangt, darunter steht ihr Name. Die Schwimmflügel werden dort hineingepackt, die Sonnencreme und ein Hut. Erhan Gota zurrt den Riemen ihres Beutels zu, und danach ist meine Tochter entschlossen, sich ohne mich zu amüsieren: "Geh ruhig, Mama", sagt sie.

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Gemeinsamer Start in den Tag: Kerstin Walker mit Tochter Skye (4) bei Yogaübungen

Wie eine Folienkartoffel

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Entspannung und Erholung unter zyprischen Palmen: Das Kind ist versorgt, die Mutter genießt das Bad im Thalassobecken

Mich erwartet die erste Anwendung: Journey of The Senses - "Reise der Sinne". "Unsere Spezialität", versichert mir Svetlana am Empfang des Spa. Die Russin übergibt mir einen silbernen Badezimmerschlüssel. Über einen mit Mosaiken verzierten Gang erreiche ich die Umkleideräume. Dort liegt ein Paket bereit: Bademantel, Frotteeschlappen mit "Le Spa"- Zierstickerei, ein Handtuch, alles in Rosa. Der Behandlungsraum ist dezent von Kerzen erleuchtet. Hier liege ich auf einem schaukelnden Wasserbett, über das eine hauchdünne Folie gebreitet wurde. Mit warmen Vulkansteinen und heißem Öl massiert Ivana meinen Körper. Der Duft exotischer Substanzen steigt mir in die Nase, ich fühle mich so leicht, als könnte ich schweben. "Ihr Rücken ist aber ziemlich verspannt", sagt die Russin, doch ich höre sie kaum noch. Erst das Knistern der Folie bringt mich zurück von meinem Wohlfühltrip: Ich werde eingehüllt, kein Tropfen Öl soll verloren gehen. "Wie eine Folienkartoffel," ist mein erster Gedanke, als ich wieder richtig wach bin. Und der zweite: "Ob es Skye wohl gut geht?"

Es dauert eine ganze Weile, ehe ich wieder abschalten und mich ganz auf die folgende Aromatherapie einlassen kann: "Well Being" heißt der Trip in die cremige Schwerelosigkeit. Die Masseurin striegelt mich mit einer weichen Bürste, als wäre ich ihr Lieblingspony. Ich werde geknetet und weiter gecremt. Ich schwelge in einer Duftwolke aus Limone und Bergamotte, zum Abschied erklingen tahitische Glöckchen. Nach dieser Behandlung schafft es kein störender Gedanke mehr, zu mir durchzudringen.

Wenn ich mich nicht zu solchen Verwöhnstunden zurückziehe, erforschen Skye und ich jeden Winkel des Meridien: Den Teich mit den Koikarpfen, groß wie junge Dackel; die sattgrüne Wiese oberhalb des Strands; oder am Ufer eine lange Mole, an der Wasserschnecken in riesigen Mengen kleben. Oder Skye baut exklusiv für mich eine "Strandbar", aus der sie Sandkuchen, Meerwasser-Cappuccino und Muschel- Pommes serviert. Danach geht sie in den Kinderclub und bemalt Strandkiesel, während ich im Thalassobad antrete. Der griechische Bademeister steckt mich in ein Becken mit einer ölig trüben Flüssigkeit: "Seaoil" heißt sie ganz harmlos, doch 360 Gramm Salz pro Liter Wasser und ein hoher Magnesiumgehalt erweisen sich als Mischung, die auf frisch geschmirgelter Haut wie Feuer brennt. Schnell tauche ich in ein mit sprudelndem Salzwasser gefülltes Bassin - und bleibe viel länger, als vorgesehen war. Skyes Begeisterung für den neuen Kindergarten bekommt am letzten Tag einen kleinen Knacks: Alle deutschsprachigen Betreuerinnen haben frei. Beim Spielen hemmt die Sprachbarriere. Auch der kleine Henry weint, doch er wird von seiner großen Schwester in den Arm genommen. Es ist wie überall: Auch im Pinguindorf fällt es Geschwisterkindern ein bisschen leichter, sich zu Hause zu fühlen. Mit Skye genieße ich ein letztes Abendessen unter Sandsteinbögen und pink leuchtenden Fuchsien. Oben auf dem Zimmer benutzt das Töchterchen dann mein Kingsize-Bett noch einmal als Trampolin. Bevor Skye einschläft, packt sie die kleine Schokoladentafel, die auf dem Kopfkissen lag, in ihren Koffer. Als zartbittere Erinnerung für die lange Heimfahrt.

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Stillsitzen muss nicht sein: Im ganzen Haus dürfen Kinder sich frei bewegen

Info

Das Le Meridien Limassol Resort & Spa liegt rund 15 Kilometer von Limassol entfernt direkt an der Küste, es hat 300 Meter eigenen Strand und bietet 329 Zimmer, Gartenhäuser und Suiten, die unter anderem mit "Kenzo"-Textilien und Parkettfußböden ausgestattet sind. Das Hotel besitzt nach eigenem Bekunden das "kompletteste Thalasso Spa Zentrum" der Welt und darf dafür Titel wie "World’s Leading Spa Resort" und "Europe’s Leading Resort" tragen.

Le Meridien Limassol Resort & Spa Zypern, Tel. 00357-25-86 20 00 www.lemeridien.de

A N R E I S E

Cyprus Airways fliegt täglich von Frankfurt und drei mal in der Woche von Wien nach Larnaca

http://www.cyprusairways.com

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