Dänemark: Weltmeister des Glücks

Kein Volk ist zufriedener als das dänische. Ein Forscherteam hat eine unerwartete Erklärung dafür

Was ist faul im Staate Dänemark? Nichts, wenn es nach der jüngst publizierten "Map of World Happiness" geht - der Weltstatistik des gefühlten Glücks. Die Studie der britischen Universität Leicester listet Daten aus mehr als 100 Nationen auf und basiert auf Fragebögen unterschiedlichster Herkunft, einschließlich UNESCO und CIA. Darin äußern sich die Dänen im erdumspannenden Vergleich als besonders zufrieden mit ihrem Leben. Außerdem liegt das kleine Land seit nun schon 30 Jahren an der Spitze der zufriedensten Nationen in Europa.

Über zwei Drittel der Dänen haben im jährlich gemessenen "Eurobarometer" der Europäischen Kommission die Aussage unterstützt, sie seien "meget tilfreds"; in allen anderen EU-Mitgliedsländern erklärt sich nicht einmal die Hälfte der Bevölkerung als "sehr zufrieden". In Deutschland zum Beispiel sind es nur 20 Prozent - immerhin noch viermal so viele wie im "unglücklichen" Portugal. Weshalb liegen die Dänen so weit vorn? Weder genetisch noch ökonomisch sind sie grundlegend anders ausgestattet als etwa die Deutschen. Auch vom Klima sind sie nicht verwöhnt. Laut einem Forscherteam um Kaare Christensen am Institut für Gesundheitsforschung der Universität in Odense liefert eine andere Statistik eine Erklärung für die hohe Zufriedenheit: In keinem europäischen Land sind die Erwartungen an die Zukunft so gering wie in Dänemark. Passiert überraschend etwas Positives - wie der Gewinn der Fußball-Europameisterschaft 1992 -, steigt die Zufriedenheit messbar an. Mit einer "Kultur der niedrigen Erwartung" werde so der Enttäuschung ein Schnippchen geschlagen.

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GEO Nr. 05/97
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