Norwegen Die Wellen der Barentssee

Die Brüder Inge, Markus und Håkon Wegge suchten nach einem Ort an dem vor ihnen noch nie jemand gesurft ist. Gelandet sind sie auf Bjørnøya, einer Insel irgendwo in der Barentssee. Entstanden ist der gleichnamige Dokumentarfilm. Wir sprechen mit dem Filmer Inge
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Durch Schneefelder zum Surfspot, das ist für die Wegge-Brüder nicht unbedingt etwas Neues, aber dass es auf Bjørnøya überhaupt surfbare Wellen gibt schon

Die drei Brüder Inge, Markus, Håkon Wegge aus Norwegen brauchen Adrenalin in ihrem Alltag, sei es Longboard, Kajak oder Surfen - ihre neueste Leidenschaft. Dafür reisen sie nicht etwa in die warmen Gewässer vor Hawaii oder Australien, sondern bevorzugt auf die Lofoten oder wie bei ihrem letzten Projekt nach Bjørnøya (Bear Island), einer einsamen Insel in der Barentssee irgendwo zwischen dem Nordkap und Spitzbergen. Fast zwei Jahre mussten sie die Behörden überzeugen, Vorbereitungen treffen und das alles, ohne zu wissen, ob es überhaupt Wellen gibt. Vor Ort lebten sie im Zelt, erschlossen sich die unbemannte Insel per Ski und reinigten die Strände, während sie auf die perfekte Welle warteten. Entstanden ist der Dokumentarfilm "Bjørnøya", eine Liebeserklärung an die Natur des Nordens, das Reisen und das Entdecken. Im Interview spricht Filmer Inge darüber, warum er das Projekt früher beendete und was Bjørnøya dennoch so besonders macht.

GEO.de:Wie habt Ihr das erste Mal von Bjørnøya gehört?

Inge Wegge: Wir fanden, es war an der Zeit zu dritt eine bedeutende Reise zu unternehmen. Voraussetzungen waren: Mindestens zwei Monate und genug Platz für uns zum Entdecken und aktiv sein. Wir suchten also nach einem Ort, an dem wir so viele Aktivitäten wie möglich ausprobieren konnten, ohne jemanden zu stören. Gefunden haben wir Bjørnøya.

GEO.de:Die Insel liegt zwischen dem Nordkap und Spitzbergen, außer einer Wetterstation gibt es keine Infrastruktur. Was hat Euch gerade an Bjørnøya so gereizt?

Inge Wegge: Wir sind es gewohnt in kalten Gewässern zu surfen, deswegen haben wir uns eher in nördlicheren Regionen umgesehen. Es sollte ein Ort sein, an dem vor uns noch nie jemand surfen war. Der Svalbad Archipel hat, was das angeht, sehr viele Auswahlmöglichkeiten. Bjørnøya erschien uns als der perfekte Ort für unser Vorhaben, da die Insel sowohl Berge als auch Strände hat. Hinzu kam die überschaubare Größe – wir konnten die gesamte Insel in unserem Zeitfenster erkunden und den Wellen folgen.

GEO.de:Was macht das Surfen in arktischen Gewässern für Euch so besonders?

Inge Wegge: Ich habe vor zehn Jahren klassisch in Australien angefangen zu surfen, aber als ich dann auf die Lofoten gezogen bin, habe ich angefangen, fast täglich zu surfen. Ich mochte es einfach, dass keine anderen Surfer mit mir im Wasser waren, ich fast täglich neue Wellen entdecken konnte und die Natur dort oben ist einfach großartig.

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Drei verschiedene Camps schlugen die Brüder während ihres Aufenthalts auf, immer dort wo sie Wellen vermuteten

BEAR ISLAND TEASER (full film: https://vimeo.com/ondemand/bjornoya)

GEO.de:Was waren die größten Herausforderungen bis ihr endlich auf dem Weg nach Bjørnøya wart?

Inge Wegge: Es hat fast zwei Jahre gedauert, bis wir alle Genehmigungen in der Tasche und einen Weg gefunden hatten, wie wir Bjørnøya überhaupt erreichen können. Die Insel ist ein Naturreservat und touristisch völlig unerschlossen. Wir mussten also die Verwaltung von Svalbad von unserem Vorhaben überzeugen. Unsere Sicherheit und der Naturschutz waren dabei die beiden Hauptthemen. Es geht weder eine Fähre nach Bjørnøya, noch gibt es Flugverbindungen dorthin. Eine weitere Herausforderung bestand also darin, die Insel überhaupt zu erreichen. Am Ende konnten wir auf einem Postschiff nach Longyearbyen mitfahren. Auf halber Strecke wurden wir dann mit einem kleinen Motorboot zur Insel gebracht. Das hat aber nur funktioniert, weil es zu der Zeit kaum Wellen und Wind gab. Wir hatten einfach Glück, dass es beim ersten Versuch geklappt hat, denn das ist in dieser Gegend sehr selten.

GEO.de:Wusstet ihr, dass Bjørnøya gute Wellen hat, oder war es nur eine Vermutung?

Inge Wegge: Wir haben einfach geraten, aber bei einer kleinen Insel mitten im Ozean, war uns klar, dass da was sein musste.

GEO.de:Ihr seid per Ski, Fallschirm, Snowboard und Surfbrett auf und um Bjørnøya unterwegs gewesen. Gab es einen Rettungsplan?

Inge Wegge: Ja, es war sogar die Bedingung der Behörden. Für jeden möglichen Notfall mussten wir etwas dabei haben. Bevor es losging, mussten wir sogar üben, einander Morphium-Spritzen zu geben. Die waren zum Testen natürlich nur mit Wasser gefüllt. Wir haben einfach versucht, alle Aktivitäten so sicher wie möglich zu machen und haben auch ein paar Verrücktheiten ausgelassen, die wir auf dem Festland sicherlich ausprobiert hätten.

GEO.de:Worüber habt ihr Euch die meisten Sorgen gemacht?

Inge Wegge: In der Planungsphase ging es vor allem darum, ob wir die Insel überhaupt eines Tages erreichen werden. Als wir dann vor Ort waren, hatten wir auf jeden Fall Respekt vor den Eisbären, die sehr unangenehm werden können, wenn sie ohne Futter auf der Insel stranden. Zudem habe ich wenige Tage vor der Abfahrt erfahren, dass meine Frau schwanger ist und ich konnte sie in den anstrengenden ersten Monaten nicht unterstützen. Darüber habe ich mir oft den Kopf zerbrochen.

GEO.de:Was ist der Unterschied zu dem Vorgängerprojekt "Nord for sola"?

Inge Wegge: Der jetzige Trip war wesentlich kürzer, aber hat viel mehr Planung beansprucht. Es war extremer und mehr eine Reise. "Nord for sola" hat eher porträtiert, wie wir zu der Zeit gelebt haben.

GEO.de:Wie hat die Reise die Beziehung zu Deinen Brüdern verändert?

Inge Wegge: Wir haben sehr viel von- und übereinander gelernt. Seit Bjørnøya wissen wir, wann wir ein gutes Team sind und wann wir besser allein funktionieren.

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Mehr von den Wegge-Brüdern

Alle Informationen zum Film, kleine Ausschnitte sowie die Möglichkeit "Bjørnøya" zu streamen oder zu kaufen, gibt es auf der Webseite zum Film.
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