Island: Walbeobachtung

Wal - wo bläst du? Walbeobachtung ist der am schnellsten wachsende Tourismussektor Islands, denn Touristen wollen Wale lebend sehen. Und leisten damit, so scheint es, den besten Beitrag zum Schutz der bedrohten Meeressäuger. Hier gibt es Infos zu ausgewählten Veranstaltern
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Whalewatching ist sehr beliebt auf Island, wie hier vor Ólafsvik

Das Beobachtungsschiff von Seatours kreuzt über den aufgewühlten Nordatlantik. "In der Natur ist nichts vorhersehbar", sagt Lára Hrönn Pétursdóttir, eine zierliche Frau in weißem Hemd und mit Kapitänsabzeichen. "Bei der Walbeobachtung braucht es vor allem eines: Geduld." Geduld ist nicht meine Stärke. Nicht bei diesen Wellen. Ich will Wale sehen. Blauwale, Pottwale, Finnwale! Zwergwale, Buckelwale! Orcas! Wie es im Prospekt steht. Jetzt gleich. Lára legt den Joystick um - wir fahren zurück nach Ólafsvík. Unsere Beobachtungszeit ist abgelaufen. "Man weiß nie, was die Natur bereithält", sagt Lára. Im Moment hält die Natur Wellen für uns bereit, die das Schiff herumwerfen wie ein Spielzeug. Auf dem Weg zur Küste tauchen drei Weißschnauzendelfi ne auf. Sie tanzen über das Wasser, und im gleichen Moment, urplötzlich, bricht nicht weit vom Schiff ein Wal durch die Wasseroberfl äche. Wie ein Geschoss durch eine Scheibe. Dunkelgrau, weiß gefl eckt, von feinem Dunst umspielt. Ein Buckelwal! Er breitet seine vier Meter langen Brustfl ossen aus, als wolle er davonfl iegen, und bietet einen Anblick, der alles Warten vergessen lässt. Der Koloss fällt zurück ins Wasser. Ein Geysir steigt aus seinem Blasloch auf. In der Gischt bilden sich Regenbögen. Wenig später hebt der Wal die Schwanzflosse - ein breiter, horizontaler Flügel. Er winkt uns zum Abschied zu und taucht in einer anmutigen Bewegung hinab in die Tiefe.

Wale beobachten – und Wale retten?

Walbeobachtung ist der am schnellsten wachsende Tourismussektor Islands. Womit die Walbeobachtung die Alternative zum weltweit geächteten und wenig profitablen Walfang darstellt. Island umging zuerst das internationale Fangverbot, indem es Wale "zu wissenschaftlichen Zwecken" jagte, in diesem Jahr hat es den kommerziellen Walfang wieder aufgenommen. Dabei ist der Walfang für die Insel wirtschaftlich nicht von Bedeutung. Eher emotional: Die Geschicke der kleinen Nation wurden über Jahrhunderte von außen gelenkt. Heute wollen sich die meisten Isländer - ob pro oder kontra Walfang - von niemandem mehr Vorschriften machen lassen. Wer sich im ausgesprochen sanftmütigen Island ein paar unerbittliche Feinde machen will, der muss nur oft und laut genug über den Walfang reden. Touristen aber wollen Wale lebend sehen. Und leisten damit, so scheint es, den besten Beitrag zum Schutz der bedrohten Meeressäuger.

Veranstalter

Mink- oder Zwergwale tummeln sich zuhauf vor den Küsten Islands, Aber auch Buckelwale, Orcas, Finnwale und der seltene Blauwal werden gesichtet. Hier die wichtigsten Veranstalter:

Seatours. Das Walbeobachtungsboot fährt von Mitte Mai bis Mitte September täglich von Ólafsvík aus in die Walgründe nördlich der Halbinsel Snæfellsnes. Ca. 3,5 Std., Tel. 4381450, www.seatours.is;

Elding Whale Watching. Von April bis Oktober bis zu drei mal täglich vom alten Hafen in Reykjavík in die Faxaflói-Bucht. Ca. 3 Std.; Tel. 5553565, www.elding.is

Hafsúlan. Ähnliches Programm, gleicher Ausgangspunkt. www.whalewatching.is, Tel. 5332660

Dolphin & Whalespotting. Die M.S. Moby Dick fährt in der Nähe des Flughafens von Keflavík los, Ca. 3 Std., Tel. 4217777, www.dolphin.is

North Sailing. Ab Húsavik, das sich auch Europas Hauptstadt der Walbeobachtung nennt. Hier kann man auch beeindruckte Walskelette im Whale Center und im Walmuseum anschauen (www.icewhale.is). 3 Std., Tel. 4642350, www.northsailing.is

Tipp: Walschutz im Internet

Gute Hintergrundexpeditionen bietet die Whale and Dolphin Conservation Society (www.walfang.org), die Walseite von Greenpeace (whales.greepeace.org) und der WWF (www.wwf.de).

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