China: Rätselhafte Speisekarten

Gute Nachrichten für hungrige Olympia-Touristen: Hundefleisch ist in offiziellen Restaurants tabu. Und Gerichte wie "Gedämpfter Mist" oder "Hühnchen ohne Sexualleben" sind ebenfalls von den Speisekarten verschwunden

Eine Sorge reist bei vielen Chinagästen mit: versehentlich Hundefleisch oder ähnlich gewöhnungsbedürftige Fernost-Spezialitäten zu bestellen. Um diese Bedenken während der Olympischen Spiele gleich zu zerstreuen, hat die Pekinger Behörde Hundefleisch von den Speisekarten der offiziellen Olympiarestaurants streichen lassen. Und schlug zudem vor, Gerichte für ausländische Gäste zu übersetzen. Heraus kamen Speisen wie "Bohnen-Topf gemacht von einer Frau mit Pocken" (Bean curd made by a pockmarked woman), "Hühnchen ohne Sexualleben" (chicken without sexual life) oder "Gedämpfter Mist" (steamed crap).

Der Grund für diese wundersamen lukullischen Namensbasteleien: Anders als bei uns benutzen die Chinesen in der Regel keine konkreten Beschreibungen wie "gebratenes Huhn mit Beilage", sondern benennen ihre Gerichte sehr blumig, manchmal in Anlehnung an eine Legende. Die ambitionierten, wortwörtlichen Übersetzungen der Gastronomen waren daher eine gut gemeinte Geste der Gastfreundschaft – nur für Gäste leider wenig tauglich bei der Essenswahl.

Das erkannte auch die chinesische Regierung und verteilte vor Beginn der Spiele Wörterbücher mit Übersetzungsvorschlägen für rund 2000 Gerichte: "Husband and wife’s lung slice" (Lungenbraten von Ehemann und Frau) etwa sollte besser in "Beef and ox tripe in chili sauce" (Rindskutteln in Chili-Sauce) umbenannt werden, der Bohnentopf der Pockenfrau in "Mapo tofu" und das jungfräuliche Huhn schlicht in "Steamed pullet", gedünstetes Hühnchen. Geht doch - gänzlich ausschließen kann man allerdings nicht, dass gelegentlich der Hund in der Pfanne verrückt wird.

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