Jordanien: Interview mit einem Reiseexperten

Reisebuchautor Wil Tondok reist seit mehr als 30 Jahren nach Jordanien. Im Interview verrät er seine persönlichen Lieblingsplätze und erklärt die Faszination des Landes

Was ist die Faszination des Landes?

Das ganze Land ist für mich attraktiv. Das beginnt bei den freundlichen, nicht aufdringlichen Menschen im Gegensatz zu anderen orientalischen Ländern in der Nachbarschaft. Und es ist – auch wenn es vielleicht etwas seltsam klingt – für Touristen sehr handlich. Es bietet auf kleiner Fläche viele Sehenswürdigkeiten und zwar aller Art. Das beginnt in prähistorischen Funden, die zehn bis zwölftausend Jahre alt sind, dann gibt es die Römerstätten, auch die Geschichte der Nabatäer ist spannend. Dann hat man eine ganze Reihe christlicher Stätten, etwa Mount Nebo, von wo Moses ins Gelobte Land geblickt haben soll. Auch islamische Moscheen und Kreuzritterburgen sind sehenswert. Es macht einfach Spaß, in dieser Geschichte unterwegs zu sein.

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Landschaftliche Überraschung: grünes Jordanien

Viele denken bei Jordanien an karge Wüsten. Gibt es landschaftliche Überraschungen?

Aber ja, es gibt fantastischen Landschaften. Jordanien liegt an der Grenze des ostafrikanischen Grabenbruchs. An der Westseite zu diesem Graben stauen sich Wolken und regnen wieder ab. Im Norden ist es dadurch grün. Dort gibt es richtige Wälder und Naturreservate, durch die man wandern kann. Diese Bergketten sind meistens schroff und steil und haben einen rötlichen Grundton.

Kann man das Land gut individuell bereisen, ist es sicher?

Absolut. Mit dem Auto kann man die Sehenswürdigkeiten wunderbar abreisen und individuell erobern – das ist ein wichtiges Argument für dieses Land. Man kann sich in den Mietwagen setzen und sofort losfahren. Vom Fahren her würde ich sagen, ist es sicherer als bei uns. Die Leute fahren defensiv und relativ langsam. Die Trucker geben natürlich schon Gas, aber die bewegen sich auf der Autobahn. Für Touristen gibt es die so genannte Kings Road, die von Madaba über Petra bis weiter nach Süden führt.

Was sind Ihre persönlichen Lieblingsplätze im Land?

Da stellen Sie mich vor ein Problem. Im Grunde sind es alle. Aber wenn ich eingrenzen müsste steht an erster Stelle Amman. Das ist eine quirlige Großstadt mit interessanten, historischen Hinterlassenschaften. Seit 1920 ist die Stadt von den Einwohnern her regelrecht explodiert. Durch die starke Bevölkerungsmischung hat sich unter anderem eine lebhafte Kunstszene entwickelt. Dann gibt es etliches Cafés, Restaurants, Souks und Shopping-Malls. Außen herum um Amman liegen ebenfalls Sehenswürdigkeiten. Orte mit herrlicher Sicht in die Ferne – Aman liegt verteilt auf mehrere Berge.

Was muss man gegessen haben, um zu sagen: Ich habe Jordanien auch kulinarisch erlebt?

Fast ein Nationalgericht, das überall angeboten wird ist "Mansaf". Dieses Gericht kommt aus der beduinischen Küche. Dazu werden Stücke vom Lamm geschmort und mit einer Joghurtsauce auf einem Bett aus Rosinen, Nüssen und Pinienkernen und Reis vermengt. Es schmeckt wirklich hervorragend. In Jordanien, wie auch überall in Arabien, werden Süßspeisen ganz groß geschrieben. Unmengen, richtige Gebirge von Süßspeisen werden überall verkauft. Die beliebteste Süßspeise heißt Baklava. Das sind Blätterteigtaschen, die mit Nüssen, Mandeln und Pistazien gefüllt werden und in Honig getränkt werden. Da kann man sich reinlegen, so lecker sind die süßen Teilchen.

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Amman: quirlige Stadta auf mehreren Hügeln

In welcher Sprache kann man sich unterwegs gut verständigen?

Mit Englisch kommt man auf jeden Fall durch. Einige wenige sprechen auch Deutsch. Leider spreche ich kein Arabisch, obwohl ich seit fast 30 Jahren dieses Land bereise. Aber die meisten Leute, die mit Touristen zu tun haben, können alle Englisch, einige auch Deutsch.

Wie sieht aus mit der legendären orientalischen Gastfreundschaft aus?

Die Leute sind als Orientalen und Araber sehr gastfreundlich. Aber es ist nicht so wie in Ägypten, wo man sogar auf der Straße angesprochen wird – meist natürlich um etwas zu kaufen – so etwas passiert in Jordanien nicht. Als Tourist bewegt man sich ganz entspannt.

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Langjähriger Jordanien-Kenner: Wil Tondok

Wie öffnet man die Herzen der Jordanier?

Wenn man freundlich ist und offen ist, dann wird es einem im Orient doppelt oder dreifach zurückgegeben. Wenn ich böse schauend durch das Land laufe, werde ich nicht viele Begegnungen haben. Aber wenn ich lächle, mit offenem Auge und offenem Herzen auf die Leute zugehe, dann kommt ein Überschwang an Freundlichkeit zurück. Auch wenn man Interesse an Land und Leute zeigt, etwa bei einer Sehenswürdigkeit etwas ehrlich wissen möchte, das bringt viele Sympathien. Natürlich freut es die Leute sehr, wenn man einige Zahlen auf Arabisch kann und vielleicht weiß, was Apfelsine heißt. Ein "Shukran" für danke sollte eigentlich jeder Reisende können.

Interview: Bianca Gerlach

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Wil Tondok ist Reisebuchautor. Die neue Ausgabe für Jordanien erscheint 2009.

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