REISETIPP Berlin: Kunsthotel Propeller Island

Sie sind auf der Suche nach einem ausgefallenen Wochenendtrip? Im Hotel Propeller Island City Lodge in Berlin können Sie etwa in einem Sarg übernachten und in einem fliegenden Bett. Gäste mit schlaflosen Nächten gibt es nur gelegentlich

Sechs Jahre lang arbeitete der Künstler Lars Stroschen an dem Gesamtkunstwerk Propeller Island City Lodge. Er machte aus 45 Zimmern in einem renovierungsbedürftigen Berliner Altbau einzigartige Installationen. Beispielsweise schlafen Gäste auf einem Holzhaufen, in einem Zimmer, in dem alles orangefarben ist oder in einem Bett, das von der Decke baumelt. Jedes ist ein Unikat, jedes ein Erlebnis.

GEO.de: Ihre Zimmer sind alles andere als Standard. Was für Leute buchen sich ein?

Lars Stroschen: Experimentierfreudige Andersdenker, die etwas Besonderes suchen und erfahren wollen. Ich hätte das Hotel auch am liebsten anders genannt, z.B. Museum mit Übernachtungsmöglichkeit. Aber da die Leute über Nacht bleiben, ist es automatisch ein Beherbergungsbetrieb. Wir haben ein ganz weites Spektrum an Besuchern. Es sind keine Backpacker, weil wir nicht nur 25 Euro die Nacht kosten. Es kommen viele Leute aus Berlin zum Feiern. Einen Geburtstag zum Beispiel, ihr Jubiläum. Manche verkleiden sich auch passend zum Thema. Mittlerweile haben wir sehr viele Gäste aus Osteuropa, auch aus den USA und Asien. Im Schnitt sind sie zwischen 20 und 80 Jahre alt.

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Das Zimmer "Forest"

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Das Zimmer "Four Beams"

Kommen diese Menschen, um zu übernachten - oder nur zum Staunen?

Mal kommen und angucken - das können wir gar nicht bewältigen. Wir machen allerdings Führungen, viele Designschulen und Hotelfachschulen kommen aus Europa. Auch Kunstschulen kommen zum Schauen. Als Location für Videoclips und Fotoshootings sind wir ebenfalls beliebt, auch als Kulisse für Interviews. Hier überzeugt einfach die tolle Atmosphäre.

Mussten Gäste schon mal die Zimmer tauschen, weil sie sich nicht wohl fühlten – beispielsweise nicht im Sarg übernachten wollten?

Das gibt es auch ab und zu. Das ist auch kein Problem. Aber deshalb sind die Zimmer so detailliert im Netz beschrieben, damit man sich vorher ganz genau überlegen kann, wo man übernachten möchte. Das passt dann auch meistens. Falls getauscht werden muss, war die Übernachtung in aller Regel ein Geschenk. Da liegt man vielleicht mal daneben. Ungewöhnlich für ein Hotel ist, dass sich die Leute oft bedanken, bevor sie gehen. Das freut einen, ganz klar. Ich bin immer wieder verblüfft, wie die Leute darauf abfahren. Denn eigentlich habe ich das Hotel ja für mich gemacht, ich hatte einfach Lust dazu. Nicht um Geld zu verdienen, sondern weil ich wissen wollte, wie es aussieht, wenn es fertig ist.

Welche Zimmer werden besonders gut gebucht?

Das wechselt über die Zeit. Aber die Suite mit den Löwenkäfigen ist sehr beliebt, das fliegende Bett und der "Tempel". Es wechselt immer ein bisschen. Das Spiegelzimmer wird fast am meisten gebucht.

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Zimmer "Tempel"

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Space Cube

Sind neue Mottozimmer in Planung?

Nein, das Hotel ist fertig. Es sind keine Zimmer mehr frei. Aber ich bin ehrlich gesagt auch glücklich, dass das Ding fertig ist. Ich habe sechs Jahre daran gebaut, mehr als 500 Konstruktionen gemacht. Falls mich noch mal eine Location anspringen würde, vielleicht im Warmen, dann könnte ich mir das vorstellen.

Was ist denn Ihr Lieblingszimmer?

Je nach Laune, mal da, mal da. Ich finde die Käfige im Löwenzimmer sehr schön und den "Space Cube". Da kann man das Bett mit einer Wand trennen. Und da ist ganz tolles Licht. Auch "Landscapes" mit wellenförmigen Wänden mag ich, ein ganz beruhigendes Zimmer.

Interview: Bianca Gerlach

Die Propeller Island City Lodge befindet sich im Stadtteil Charlottenburg.

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Lars Stroschen

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