Zugspitze: Im Schnee baden

Hideaway unter der Zugspitze: Der beste Ort, dem Schnee beim Kaltsein zuzuschauen, ist ein Badehaus mit Kamin und Wettersteinblick

Ich treibe auf die Zugspitze zu, die sich am Horizont erhebt. Dabei muss ich die Augen zusammenkneifen, so intensiv brennt das Sonnenlicht. Ringsum ist alles weiß. Das Wasser, in dem ich schwebe, ist wunderbare 30 Grad warm, an den Ohren prickelt die Winterluft. Im großen Außenpool des "Kranzbach" habe ich das Vergnügen, dass mir heiß und kalt zugleich wird, erlebe ich das große Finale eines grandiosen Wintertags.

Bereits auf dem Weg zum Badehaus gehen meine Beine wie von selbst. Die Brücke mit ihrem leichten Gefälle scheint in die Schwerelosigkeit zu führen. Der Boden besteht aus gekalktem Eichenholz, die Seiten sind mit Panoramascheiben verglast. Links pikst der Karwendel mit wild gezackten Graten ins Himmelblau, vorn erhebt sich das Wettersteingebirge. Wie eine breite Wand, die dieses Tal schützt. Der Fels wirkt nicht drohend und dunkel, denn auch die steilen Flanken überzieht leuchtend weißer Schnee. Ein paar Schritte, dann stehe ich im Badehaus, die Füße sind klamm von den nassen Skisocken, im Körper steckt noch die Kälte des Tages. Umso intensiver erlebe ich den Kontrast hier drinnen. Neben dem Pool knistert das Feuer im offenen Kamin, an der Bar ist ein Kuchenbuffet aufgebaut. Heidelbeer- und Linzer Törtchen, Cremeschnitten und Apfelstrudel. Auch hier reichen die Panoramascheiben von der Decke bis zum Boden, draußen erhebt sich ein Stufengiebel über einer Fassade aus altem Naturstein.

Vom Landhaus zum Hotel

Eine englische Musikerin namens Mary Portman hat im Jahr 1913 das abgelegene Elmautal bei Garmisch-Partenkirchen ausgewählt und sich hier ein Landhaus bauen lassen. Sie war finanziell unabhängig, unverheiratet und mit einem Sinn für das Exzentrische begabt. Die Arbeiten wurden in bester Handwerkstradition der englischen "Arts and Crafts"- Bewegung ausgeführt. Doch der Erste Weltkrieg durchkreuzte die Pläne der Lady: Die Engländerin kam nicht mehr nach Deutschland, sie starb in der Schweiz. Ein knappes Jahrhundert später ist aus dem Schloss im Schnee das Vier-Sterne- Hotel "Kranzbach" geworden. Englische Innenarchitekten durften ironisch mit den Formen spielen: Leuchter sehen aus wie große Laubsägearbeiten, um den offenen Kamin in der dunkel getäfelten Bar sind extravagante Sessel versammelt. Im Zimmer ruht die Badewanne auf gusseisernen Löwentatzen. Das neue Badehaus fügt sich flach ins Tal, um der Winterlandschaft nicht die Schau zu stehlen. Schlanke Leuchten beglänzen das Zedernholz und den cremefarbenen Stein. Vor den Dampfbädern findet sich ein zweiter offener Kamin, in einem der Ruheräume ein dritter. Nach dem Saunagang geht’s in das Tauchbecken, für das Luftbad betritt man den Balkon mit Wettersteinblick.

Und für den Schlusskick schwimmt man in eben jenem Außenpool auf die Zugspitze zu. Nach einem Tag mit viel Bewegung im Schnee fühlt sich das Ausruhen in der Wärme wie ein Geschenk an. Daran sollte man sich erinnern, wenn man die Rechnung in Händen hält.

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Spitzen-Zeitvertreib: coole Lichtspiele draußen vorm "Hotel Kranzbach" bestaunen

Info

Das Kranzbach, Kranzbach bei Garmisch-Partenkirchen, www.daskranzbach.de

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