Westtürkei: im Herzen alter Kulturlandschaften

Nicht weit vom Badeort Bodrum und den antiken Städten Priene und Milet beginnt die Schwemmlandebene des Großen Mäander, eine Region, die kaum touristisch bekannt ist. Inmitten dieser alten Kulturlandschaft eröffnet sich ein Wanderparadies

Naturreservat Bafa-See

In der Antike war der Bafa-See noch der Latmische Meerbusen, in welchen der Große Mäander mündete. Durch Abholzen und die damit ausgelöste Erosion schwemmte der Großer Mäander Erde und Geröll in das Mündungsgebiet und trennte so die Bucht vom Meer ab. Heute liegt hier der 15 Kilometer lange und 5,5 Kilometer breite Bafa-See.

Rund um den Bafa-See entstand eines der schönsten Naturreservate der Westtürkei. Ornithologen zählen über 250 verschiedene Vogelarten. Es ist ein Paradies für fast alle Reiherarten, Störche, Falken oder Krauskopfpelikane und ein beliebtes Überwinterungsgebiet für Hunderttausende Wasservögel. Im immer noch leicht salzigen Wasser des flachen Sees leben vor allem Wildkarpfen, Zander, Meeräschen und Aale. Im Frühjahr verwandelt sich die Gegend in ein Blütenmeer verschiedenster Orchideenarten.

Westtürkei: im Herzen alter Kulturlandschaften

Historische Blütezeiten

Circa 1000 v. Chr. zogen sich die von Griechen vertriebenen Karer in die sichere Felslandschaft des Latmos-Gebirge und gründeten die Siedlung Latmos. Im 3. bis 4. Jh. v. Chr. betrieb König Mausolos eine intensive Hellenisierungspolitik und ließ auf dem Siedlungsgelände die antike Stadt Herakleia errichten. Mit der Verlandung des Latmischen Golfs, 4. Jh. n. Chr., verlor die Region an Bedeutung.

Der heutige idyllische 300-Seelen-Ort Kapıkırı ist auf dem Siedlungsgelände Herakleia erbaut und weist noch viele antike Zeugnisse wie die gut erhaltene 6,5 Kilometer lange Stadtmauer, den Athena-Tempel, Reste alter Nekropole, Ruinen der alten Hafenanlage sowie das Endymion-Felsheiligtum auf.

Zentrum weltabgewandter Lebensführung

Ab dem 7. Jh. n. Chr. bot das schwer zugängliche Latmos-Gebirge vielen Mönchsgemeinschaften sowie auch Eremiten Schutz vor Verfolgung. In dieser Zeit wurde auch das Latmos-Gebirge zu einem Zentrum weltabgewandter Lebensführung.

Namentlich wurden mit der Region 13 Klöster verbunden. Die wichtigsten sind das Yedıler-Kloster, die Ruinen des Panagia-Kloster und das Stylos-Kloster. Darüber hinaus führen viele Erkundungstouren zu Burgruinen, Wehranlagen oder zu prähistorischen Felsbildern. Immer wieder wandelt man auf antiken, gepflasterten Verbindungswegen.

Milet und Priene – bedeutende Städte der Antike

Die antike Stadt Milet war einst die größte ionische Stadt, nahm eine geistige und politische Führungsposition ein und betrieb mit vier Häfen regen Seehandel. Die Gründung im 16. Jh. v. Chr. geht zurück auf kretische Siedler. Zerstörungen durch Perser und Wiederaufbau unter griechischer Hand lösten sich ab bis es in byzantinischer Zeit still wurde um die einst nach Prunk strebende Stadt. Die antike Ruinenstätte bietet einige Sehenswürdigkeiten, wie das eindrucksvolle Theater, eines der größten Kleinasiens.

Priene, im 4. Jh. v. Chr. neu gegründet, zählte ebenso zum ionischen Städtebund und war gleichfalls eines der aktivsten Hafenstädte dieser Zeit. Da Priene bereits in römischer Zeit an Bedeutung verlor und seit dem Mittelalter nicht mehr bewohnt wurde, zeigt diese historische Stätte ein gut erhaltenes Bild hellenistischer Stadtkultur mit noch vielen unverfälschten Zeugnissen aus der griechischen Epoche.

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